Zeitgenössische Künstler, Videokunst

Mike Steiner – Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei, Videokunst und Performance Art

31.01.2026 - 07:10:03

Als einer der bedeutendsten Zeitgenössischen Künstler prägte Mike Steiner die Verschmelzung von Malerei, Videokunst und Performance. Sein Werk setzt bis heute kraftvolle Impulse.

Wer die Faszination zeitgenössischer Künstler sucht, kommt an Mike Steiner nur schwer vorbei. Von abstrakter Malerei über Videokunst bis hin zu radikaler Performance Art – Steiners Werk gleicht einem Experimentierfeld, das die Grenzen zwischen Medien und Konzepten stetig auslotet. Wie gelingt es einem Künstler, diese Vielfalt nicht nur nebeneinander zu behaupten, sondern zu einem konsistenten Oeuvre zusammenzuführen? Steiner selbst hätte darauf wohl mit einer seiner charakteristisch undogmatischen Antworten reagiert.

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Schon früh in seinem künstlerischen Werdegang zeigte Mike Steiner, dass er mehr als nur ein Maler war. 1959 trat er als einer der jüngsten Künstler auf der Großen Berliner Kunstausstellung auf – legendär sein Werk „Stillleben mit Krug“. Was folgte, war ein wechselvoller, nie stagnierender Parforce-Ritt durch die Kunst der Gegenwart: Nach Anfängen in der informellen Malerei und Pop Art, verbunden mit Aufenthalten in New York, Paris und Berlin, verabschiedete sich Steiner zunehmend von klassischen Leinwandformaten – auf der Such nach Ausdrucksformen, die den Geist einer Zeit des Umbruchs spiegelten.

Eng verbunden mit anderen Größen der Zeitgenössischen Kunst wie Marina Abramovi?, Ulay, Joseph Beuys, Nam June Paik oder Allan Kaprow, entwickelte Steiner ein Netzwerk, das sein Werk grenzüberschreitend positionierte. Der Vergleich mit Zeitgenossen wie Bruce Nauman, Valie Export oder Bill Viola ist keineswegs zufällig: Auch Steiner nutzte Performance, Video und Installationen als Instrumentarium, um neue Wahrnehmungsräume zu schaffen. Anders als etwa Gerhard Richter, dessen Malerei oft im Spannungsfeld zwischen Figuration und Abstraktion rangiert, faszinierte Steiner durch die Offenheit seiner Medienwahl und seine radikale Bereitschaft zum Bruch mit Konventionen.

Ein ikonischer Meilenstein in Steiners Laufbahn bleibt die Einzelausstellung im Jahr 1999: Unter dem Titel "COLOR WORKS 1995–98" ehrte der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart seine Arbeiten mit einer großformatigen Retrospektive. Hier wurde augenfällig, wie Steiner die Grenzen zwischen Malerei und Videokunst nicht nur hinterfragte, sondern in seiner ganz eigenen Bildsprache regelrecht auflöste. Die Ausstellung verwob Gemälde, Installationen und Videoarbeiten zu einer energetischen Werkschau der Grenzüberschreitung.

Was zeichnet die wichtigsten Werkgruppen Mike Steiners aus? In der Malerei experimentierte er von Beginn an mit expressiver Farbigkeit, teils gestisch, teils mit harten Kanten – Tendenzen, die sich später in seinen "Painted Tapes" wiederfinden: Videos, die um malerische Sequenzen erweitert wurden. Diese Medienfusion ermöglichte Steiner eine einzigartig synästhetische Erfahrung für den Betrachter, in der Zeitlichkeit und Stillstand, Bild und Bewegung permanent ineinanderflossen. Seine "Abstrakten Malereien" der letzten Lebensjahre zeigen erneut einen vitalen Dialog zwischen Farbe und Fläche, weit entfernt von akademischer Zurückhaltung, vielmehr beseelt von einer tiefen Lust am Experiment.

Besonderes Augenmerk verdient Steiners Rolle als Initiator und Galerist: Mit dem Hotel Steiner und der Studiogalerie schuf er in West-Berlin legendäre Orte künstlerischer Produktion und Interaktion, in denen die internationale Avantgarde ein- und ausging. Ob bei der legendären Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst", als mit Ulay das berühmte Gemälde "Der arme Poet" aus der Nationalgalerie entwendet wurde, oder in Performances mit Marina Abramovi? – immer wieder stand Steiner an den Schnittstellen von Kunst, Aktion und Dokumentation.

Steiners Videogalerie (1985–1990) ist als TV-Kunstformat bis heute einzigartig in der deutschen Medienlandschaft. Über 120 Sendungen produzierte und moderierte er für das Berliner Kabelnetz – nicht als bloßer Chronist, sondern als aktiver Akteur und Kommentator, der Künstlerinterviews, Werkpräsentationen und Diskurse in die Wohnzimmer brachte. Zeitgenössische Kunnst war für ihn stets lebendige Erfahrung, nicht museal konserviertes Kulturgut.

Biografisch markiert Steiners Begegnung mit dem New Yorker Fluxus-Umfeld um Lil Picard, Al Hansen und Allan Kaprow einen Wendepunkt. Hier begegnete er der Idee, dass Kunst Handlung ist – ein Gedanke, der seine Berliner Aktivitäten als Galerist, Künstler und Sammler prägte. Die Förderung von Performance Art der 70er Jahre, insbesondere von Vertretern wie VALIE EXPORT oder Jochen Gerz, wurde zu einer seiner Missionen. Im eigenen Werk spiegelten sich diese Impulse als ständiges Oszillieren zwischen Aktion und Reflexion, vor allem aber in der Sammlung und Bewahrung vergänglicher Videokunst.

Sein Nachlass, insbesondere die Sammlung Mike Steiner, wurde 1999 der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übereignet und befindet sich seither im Hamburger Bahnhof, wo sie als monumentales Zeugnis der Mediengeschichte dient. Die Ausstellung "Live to Tape" (2011/12) präsentierte diese Sammlung erneut – und zeigte: Viele Tapes warten noch immer auf ihre Digitalisierung, ihre Wirkung ist dennoch legendär.

Steiners spätes Werk zeugt von einer Rückkehr zur Malerei, wie sie nach 2000 in zahlreichen Ausstellungen – etwa in der Galerie Dittmar oder DNA Galerie Berlin – zu erleben war. Hier verzichtete er auf schnelle Effekte zugunsten einer konzentrierten, geradezu meditativen Abstraktion. Parallel entstanden Stoffarbeiten, die den Materialaspekt der Malerei neu akzentuierten. Die Spannweite reicht vom expressiven, teils ornamentalen Acrylbild bis zu minimalistischen Streifenkompositionen mit leuchtendem Farbauftrag.

Was bleibt also von Mike Steiner, diesem Pionier und vernetzten Zeitgenossen? Faszinierend ist seine Fähigkeit, Mediengrenzen nicht nur zu überschreiten, sondern selbst zur Plattform für andere Künstler zu werden – ob als Sammler oder Galerist, als Performance-Partner oder Dokumentator von Videokunst. Seine Experimentierfreude, seine kritische Intelligenz und seine Lust an der künstlerischen Auseinandersetzung machen ihn bis heute zur Inspirationsquelle für die aktuellen Debatten um Intermedialität, Archivierung und kuratorische Praxis in der zeitgenössischen Kunst.

Wer sich intensiver mit Mike Steiner beschäftigen möchte, dem sei ein Blick auf die offizielle Website empfohlen – denn dort finden sich neben vollständigen Werkgruppen, Biografie und Ausstellungsliste auch viele Bildbeispiele, Texte und Hintergrundinformationen, die das künstlerische Universum Steiners facettenreich erschließen.

Mehr erfahren: Die ganze Welt von Mike Steiner auf der offiziellen Künstlerseite

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