Zeitgenössische Künstler, Videokunst

Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler neu definiert – Vom Farbimpuls zur Videokunst-Revolution

08.02.2026 - 07:10:04

Zeitgenössische Künstler wie Mike Steiner prägen die Kunstszene seit Jahrzehnten. Mit seinen multimedialen Innovationen – von Malerei über Videokunst bis zur Performance – gilt Steiner als kreativer Grenzgänger und Chronist einer aufregenden Epoche.

Wer heute durch die Hallen der Gegenwartskunst streift, begegnet womöglich dem Namen Mike Steiner – einem der prägenden zeitgenössischen Künstler, der wie kein zweiter zwischen Malerei, Videokunst und Performance Art der 70er Jahre vermittelt hat. Doch was macht Steiner so einzigartig? Wie gelingt es ihm, gattungsübergreifend zu arbeiten und trotzdem seinen künstlerischen Kern nie aus den Augen zu verlieren?

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Mike Steiner, geboren 1941 in Allenstein, entwickelte sich von der informellen, intensiven Malerei der Nachkriegszeit zu einem Pionier der Videokunst. Seine künstlerische Reise begann früh: Bereits im Alter von 17 Jahren präsentierte er erste Arbeiten auf der Großen Berliner Kunstausstellung – bemerkenswert für einen Künstler, der sich nie auf eine Technik festlegte, sondern stets die offenen Ränder des Mediums suchte. Fasziniert vom Spiel aus Farbe, Fläche und Abstraktion, verschrieb er sich an der Hochschule für bildende Künste in Berlin der „Freien Kunst“, lernte dort bei Hans Jaenisch und Hans Kuhn, und steuerte auf die Westberliner Bohème der 1960er zu.

Besonders in seiner späteren Schaffenszeit wird deutlich, wie stark Mike Steiner den Perspektivwechsel liebt: Malerei, Performance Art, Fotografie und schließlich Videokunst werden bei ihm zu fließenden Aggregatzuständen. Vergleichbar in ihrer Medienüberwindung ist etwa Marina Abramovi?, deren legendäre Performances Steiner in seiner Studiogalerie dokumentierte. Doch während Abramovi? und Künstler wie Nam June Paik meist auf die reine Inszenierung zielten, interessiert Steiner vor allem das Zusammenspiel aus Bild, Zeit und Raum.

Das Herzstück seines künstlerischen Wirkens bildet unbestritten die Videokunst: Seine Studiogalerie avancierte ab 1974 zu einem Magneten für intermediale Experimente. Sie war Produktionsstätte, Aktionsraum und Ausstellungsort – ein Berliner Laboratorium wie es nur selten eines gab. Hier inszenierte und dokumentierte Steiner bedeutende Momente der Performance Art, etwa Ulays "Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst" und Marina Abramovi?s "Freeing the Body". Die Resultate sind weit mehr als historische Aufnahmen: Sie sind atmosphärische Zeugnisse eines Epochenwechsels in der Kunstgeschichte.

1999 erreichte Steiners Schaffen einen Höhepunkt: Mit der Einzelausstellung "COLOR WORKS" im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart – wurde sein künstlerisches Gesamtwerk als Maler wie Videopionier in monumentalem Rahmen gewürdigt. Die Ausstellung bot einen einzigartigen Überblick über Steiner als Zeitgenossen und Sammler. Die Sammlung Mike Steiner, die dem Museum bis heute anvertraut ist, dokumentiert die wichtigsten Strömungen diverser Kunstformen und vereint Arbeiten von Größen wie Joseph Beuys, Valie Export und Allan Kaprow unter einem Dach.

Die Ambivalenz von Kontrolle und Zufall ist ein zentrales Motiv in Steiners Arbeitsweise. Insbesondere seine "Painted Tapes" fungieren als Brücke zwischen traditioneller Malerei und den bewegten Bildern der Videokunst – Farben laufen ineinander, werden elektronisch moduliert oder malerisch überarbeitet. Faszinierend ist die Experimentierlust, mit der er seine Materialien herausfordert. Anklänge an minimalistische Tendenzen und die informelle Malerei der 1950er sind unverkennbar, ähnlich wie bei Zeitgenossen wie Georg Baselitz oder Sigmar Polke, mit denen Steiner in Ausstellungen stand. Doch während diese sich häufig auf das Gemälde als Objekt fokussierten, wagt Steiner immer wieder neue Grenzüberschreitungen.

Sein Einfluss als Kurator und Sammler ist kaum zu überschätzen: Nicht nur im Atelier, sondern auch im "Hotel Steiner" und der Studiogalerie schuf er einzigartige Netzwerke – Knotenpunkte im internationalen Austausch von Künstlerinnen und Künstlern. Vergleichbar offen agierte vielleicht nur Joseph Beuys, den Steiner aus frühen Jahren kannte und dem er das berühmte Video "Der Glotzer" widmete.

Mikes künstlerische Philosophie speist sich aus einer Mischung von Skepsis gegenüber starren Kunstbegriffen und dem Mut zum künstlerischen Risiko. Nach einer produktiven Zeit in New York, die ihn unter andere mit Fluxus-Größen wie Al Hansen, Allan Kaprow oder Lil Picard zusammenbrachte, kehrte Steiner immer wieder nach Berlin zurück – getrieben von der Sehnsucht nach einer "offenen Stadt" für neue Ausdrucksformen. Die Videogalerie als TV-Format (1985–1990) transportierte seine Innovationsfreude direkt ins Wohnzimmer des deutschen Publikums und machte Videokunst greifbar. So war Steiner, ähnlich wie Gerry Schum oder Gary Hill, seiner Zeit immer einen Schritt voraus.

Kenner der Szene loben insbesondere Steiners Ansatz, Kunst als lebendiges, kollektives Experiment zu verstehen. Auf den ersten Blick mag eine Installation von ihm irritieren – doch gerade das Moment der Überforderung zieht sich als künstlerische Strategie durch sein gesamtes Werk. Wie sein Archiv zeigt, hat er stets die Kräfte von Performance, Videotechnik und Malerei ausgetestet und sie dialogisch aufeinander bezogen. Das macht Mike Steiner zu einem der spannendsten Brückenbauer im Spektrum der zeitgenössischen Kunst.

Zum Ende seines Lebens, geprägt durch einen gesundheitlichen Rückzug ab 2006, widmete Steiner sich verstärkt der abstrakten Malerei und textilen Experimenten – ein Beweis für seine unerschöpfliche Kreativität.

Sein Nachlass und die Sammlung bleiben ein unverzichtbares Fundament für jede Beschäftigung mit Avantgarde, Fluxus, Multimedia und der Verknüpfung von Analogem und Digitalem.

Wer tiefer eintauchen möchte, findet auf der offiziellen Webseite – www.mike-steiner.de – umfassende Werkdokumentationen, Essays und biografische Texte, die ein komplexes Künstlerleben aus vielen Blickwinkeln beleuchten.

Mike Steiner bleibt: Ein radikal vielschichtiger Chronist, der als einer der einflussreichsten zeitgenössischen Künstler die Möglichkeiten zwischen Malerei und Videokunst neu definiert hat. Es empfiehlt sich, seine Werke und das noch immer wachende Archiv wiederzuentdecken – nicht nur im Museum, sondern auch als Inspiration für neue Künstlergenerationen.

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