Zeitgenössische Kunst, Mike Steiner

Mike Steiner – Wegbereiter Zeitgenössischer Kunst zwischen Malerei, Performance und Videokunst

17.01.2026 - 05:02:04

Zeitgenössische Kunst neu denken: Mike Steiner verschob die Grenzen des Mediums. Seine innovative Verschmelzung von Performance Art, Videokunst und Malerei prägt die Avantgarde bis heute.

Zeitgenössische Kunst lebt von Experiment und Neugier – und kaum ein Name steht so sehr für diese Haltung wie Mike Steiner. Wer das Werk dieses Pioniers betrachtet, wird unweigerlich dazu eingeladen, Grenzen zu überschreiten: zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst, stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Aber wie schafft Mike Steiner es, das scheinbar Unvereinbare in einen spannenden Dialog zu bringen?

Entdecke hier Zeitgenössische Kunstwerke von Mike Steiner: Malerei, Videos und Installationen im Überblick

Schon früh prägte Mike Steiner die Kunstszene Berlins. Nach ersten Erfolgen als Maler in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren – etwa mit der Teilnahme an der Großen Berliner Kunstausstellung 1959 – entwickelte er seine abstrakte Malerei beständig weiter. Sein Interesse am Film, schon als Schüler entdeckt, führte ihn bald zum filmischen und später zum elektronischen Bild. Doch nicht nur Technik oder Farbe trieben Steiner an. Es war die Lust am Grenzgang, das Ausloten von Dimensionen und Medien, die seine Vielseitigkeit begründete.

In New York fand Mike Steiner entscheidende Impulse: Im Umfeld von Fluxus und Pop Art lernte er Persönlichkeiten wie Lil Picard, Allan Kaprow und Robert Motherwell kennen. Diese Begegnungen und die aufblühende Szene um Happenings und konzeptuelle Kunst beeinflussten Steiner nachhaltig – ein Einfluss, dem er vor allem mit seiner Hinwendung zur Performance Art und Videokunst Ausdruck verlieh. Mitte der 1970er-Jahre bereits, als Videokunst in Deutschland noch ein Nischendasein fristete, war Steiner einer ihrer wichtigsten Förderer und Schöpfer. Inspirierend ist nicht nur diese Neugier, sondern der Mut, neue Räume zu öffnen: Für Künstler, für Publikum, für das Experiment.

Sein legendäres "Hotel Steiner" avancierte in den 1970ern zu einem Magnet für internationale Künstler wie Joseph Beuys, Arthur Köpcke oder Marina Abramovi?. Die Studios und Galerieräume wurden zur Bühne für Austausch und neue Strömungen, ähnlich wie das New Yorker Chelsea Hotel – ein Kunstlabor, das Berliner Bohème und internationale Avantgarde gleichermaßen versammelte.

Bald darauf gründete Mike Steiner die Studiogalerie, ein unabhängiges Forum für Videokunst und Performance, in Berlin. Künstlerinnen wie Valie Export, Carolee Schneemann und Marina Abramovi? nutzten Steiners Galerieräume, um wegweisende Performances und Aktionen zu realisieren. Legendär bleibt bis heute die Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976) mit Ulay – einer jener Momente, in denen Performance Art, gesellschaftliche Provokation und künstlerische Dokumentation unauflösbar ineinandergreifen. Steiner agierte nicht nur als Initiator, sondern als Chronist und Produzent zugleich, hielt diese ephemeren Kunstmomente mit der Videokamera fest und schuf so einzigartige Zeitdokumente.

Vergleicht man Mike Steiner mit anderen Größen der zeitgenössischen Kunst – etwa Nam June Paik als Videopionier oder Marina Abramovi?, die Performance radikal körperlich dachte – so fällt seine außergewöhnliche Vielseitigkeit auf. Während Künstler wie Gerhard Richter Grenzen der Malerei ausloteten, oder Joseph Beuys gesellschaftliche Skulptur erprobte, verschränkte Steiner konsequent Medien, sammelte, produzierte und präsentierte. Seine sogenannten „Painted Tapes“ stehen beispielhaft für die Fusion seiner Stilmittel: Malerei auf elektronischem Trägermaterial, die das statische Bild in Bewegung versetzt und dabei Farbe, Form und Musik verwebt.

Mit der Entwicklung des Videoformats „Videogalerie“ (1985–1990) erschloss Mike Steiner eine neue Öffentlichkeit: Über 120 Fernsehsendungen produzierte und moderierte er, stellte internationale Videokünstler vor – ein visionäres Projekt, das, ähnlich wie Gerry Schums Fernseharbeiten, letztlich ein neues Publikum für Videokunst erschloss. Zeitgleich sammelte Steiner systematisch original Videokunstwerke – Werke von Pionieren wie Bill Viola, Richard Serra oder Gary Hill – und trug damit zu einer der ersten bedeutenden Videosammlungen in Deutschland bei. Diese Sammlung, von der ein Großteil heute im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart verwahrt wird, wurde 1999 in der groß angelegten Einzelausstellung „Color Works“ gefeiert.

Auch in späteren Jahren blieb Steiner der Abstraktion und dem Experiment treu. Die 90er- und 2000er-Jahre standen im Zeichen abstrakter Malerei, Polaroidstrips, Installationen und zuletzt textiler Arbeiten. In Ausstellungen wie denen des Hamburger Bahnhofs oder der DNA Galerie in Berlin zeigte sich die ungebrochene Aktualität seiner Suche nach Form, Farbe und künstlerischem Ausdruck. Neben seinen eigenen Arbeiten verlieh auch sein Wirken als Galerist, Organisator und Sammler der deutschen und internationalen Kunstszene vielfältige Impulse.

Biografisch ist Mike Steiners Lebensweg von einem tiefen Engagement für die Entwicklung und Vermittlung zeitgenössischer Kunst geprägt. Ausgebildet an der Hochschule für bildende Künste Berlin, mit Stipendien und Studienaufenthalten in den USA, wurde seine Perspektive zunehmend international. Der enge Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern der Avantgarde, Vortragsreisen, Jurytätigkeiten und die kuratorische Arbeit zeugen von seinem Engagement als Netzwerker.

Faszinierend ist die Entschiedenheit, mit der Mike Steiner Mediengrenzen und Paradigmen hinterfragte: die „künstlerische Fusion von Videoaufnahmen und Malerei“ etwa, oder das Zusammenspiel von Zeit, Raum und Bild in seinen Installationen. Er war Sammler, Chronist, Innovator – aber stets auch Künstler, der sich seiner eigenen Zweifel bewusst blieb und die Malerei niemals ganz aufgab.

Warum ist das Werk von Mike Steiner heute noch unverzichtbar? Weil es einen einzigartigen Zugang zu den Strömungen zeitgenössischer Kunst gewährt, zwischen Experiment, Engagement und Mut zur Grenzüberschreitung. Wer tiefer eintauchen möchte, findet auf der offiziellen Seite Einblicke, Hintergründe und Werkverzeichnisse, die zum eigenen Forschen und Staunen einladen.

Mehr Zeitgenössische Kunst von Mike Steiner, Biografie und Werkdokumente auf mike-steiner.de

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