Mike Steiner und die Zeitgenössische Kunst: Innovationen zwischen Videokunst und Malerei
31.12.2025 - 18:15:03Wer über Zeitgenössische Kunst nachdenkt, begegnet früher oder später dem Namen Mike Steiner. Seine Werke hinterfragen van Gogh-haft die greifbaren wie unsichtbaren Grenzen zwischen Leinwand, Kamera und Aktionsraum. Aber wie definiert man die Schnittstelle zwischen Malerei und Videokunst neu – und welche Spuren hat Mike Steiner in der Kunstgeschichte hinterlassen?
Entdecke hier Zeitgenössische Kunstwerke von Mike Steiner – Originale, Videos & Malerei im Überblick
Mike Steiner war nie Freund klarer Trennlinien. Bereits als Jugendlicher zeigte er malerisches Talent und stellte 1959 im zarten Alter von 17 Jahren erstmals öffentlich aus. Doch seine eigentliche Bestimmung entwickelte sich, als er die klassische Abstrakte Malerei – beeinflusst von Studien in Berlin und einem prägenden Aufenthalt im New Yorker Kunstdschungel der 1960er Jahre – gezielt gegen das Unbekannte eintauschte. In jener Geburtsstunde der Performance Art und Pop Art (zu nennen wären hier Pioniere wie Allan Kaprow oder Robert Motherwell, mit denen Steiner in Kontakt stand) wurde Berlin zur Schaltzentrale eines neuen, radikal offenen Kunstbegriffs.
Seine frühen Gemälde zeigen den Einfluss informeller und expressiver Gestik; Steiner lotete dabei immer die emotionale Reichweite von Farbe und Struktur aus. Doch die eigentliche Ikonoklastik kam mit dem Medium Video: Kaum jemand wagte in jenen Jahren den Brückenschlag so emphatisch wie Mike Steiner.
Die 1970 von ihm gegründete Künstlerherberge Hotel Steiner war mehr als nur ein Treffpunkt internationaler Größen – etwa von Joseph Beuys oder Valie Export. Es war Keimzelle einer experimentellen Subkultur, die Grenzen zwischen Alltag und Performance aufhob. Wenig später folgte die Studiogalerie in Berlin, die explizit Video und intermediale Installationen förderte. Hier entstand ein legendärer Aktionsraum, in dem Ulay, Marina Abramovi? und Carolee Schneemann ebenso auftraten wie Protagonisten des Wiener Aktionismus.
Vor allem sein Engagement für die Videokunst markiert Mike Steiner als Vorreiter. Seine Sammlung zählt heute zu den Referenzarchiven Europas. Bereits in den 1970er Jahren produzierte und dokumentierte Steiner bahnbrechende Aktionen – man denke an die berüchtigte Performance „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976) mit Ulay: ein inszenierter Kunstraub, festgehalten mit ungeschönten, rauen Bildern, die bis heute irritieren. Steiners Kamera verstand sich nicht als neutraler Chronist, sondern als künstlerisch agierendes Auge, das performative Ereignisse transformierte.
Sein profilierter Umgang mit Installationen, Mixed Media und der ästhetischen Fusion von Video und Malerei – beispielsweise in den "Painted Tapes" – verweist auf eine Offenheit, die man in ähnlicher Radikalität vielleicht nur bei Nam June Paik oder Bill Viola findet. Gleichzeitig blieb Steiner stets seinem Ursprung verhaftet: Der Malerei. Seine späten Jahre ab 2000 waren geprägt von intensiver Beschäftigung mit Abstrakter Malerei, die einmal mehr zeigt, wie sehr er zwischen Tradition und Innovation vermittelte.
Die Einzelausstellung "Color Works 1995 – 98" in der Berliner Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof (1999) markiert einen Höhepunkt in Steiners Karriere. Hier würdigte man, wie sein Schaffen sich permanent neu erfand, stets zwischen Medien und Ausdrucksformen pendelnd – eine Haltung, die ihn vergleichbar macht mit Medienkünstlerinnen wie Pipilotti Rist oder Bruce Nauman, die ebenfalls den Übergang zwischen Körper, Raum und Bild ausgelotet haben.
Ein Blick auf Steiners Biografie offenbart das Bild eines unermüdlich Vernetzten. Begegnungen mit Robert Motherwell, Allan Kaprow oder Lil Picard in New York prägten seine Haltung. Als Meisterschüler in Berlin arbeitete er eng mit Hans Kuhn und Hans Jaenisch, dozierte an Volkshochschulen und experimentierte mit Pop-Art-Elementen. Sprecher und Jurymitglied bei renommierten Institutionen wie dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, sammelte Steiner Werke von Richard Serra, Valie Export und Nam June Paik und vermachte sein Archiv 1999 der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die spektakuläre Hamburger Bahnhof-Ausstellung, die zu seinen größten Einzelausstellungen zählt, zeigte die gesamte Bandbreite von Performance Art, Videokunst und Malerei.
Faszinierend bleibt, wie Mike Steiner das Ephemere künstlerisch verdichtete. Seine Painted Tapes sind das beste Beispiel: Farbpigment trifft Video-Impuls, visuelle Überlagerungen ersetzen lineares Erzählen. Hier schließt sich der Kreis zur Zeitgenössischen Kunst: In Steiners Werken spürt man das Pulsieren der Gegenwart – egal ob auf Zelluloid, Leinwand oder im digitalen Archiv.
Seine Offenheit für Grenzbereiche, sein Engagement für neue Techniken und das Bewusstsein um die Flüchtigkeit künstlerischer Momente machen Mike Steiner zu einem der entscheidenden Vermittler zwischen Generationen. Im Vergleich zu Zeitgenossen wie Marina Abramovi?, Bruce Nauman oder Nam June Paik ragt Steiner nicht nur als Pionier der Videokunst, sondern als Chronist eines gesamten Zeitalters aus dem Panorama der europäischen Gegenwartskunst hervor.
Was bleibt, ist die Einladung zur Erkundung: Ob Performance Art Ausstellungen, abstrakte Malerei oder Installationen – Mike Steiner öffnet die Tür zur Welt der Zeitgenössischen Kunst. Weiterführende Einblicke, Werkgruppen und Biografien finden Sie auf seiner offiziellen Künstlerseite, die ein unverzichtbares Portal für Sammler, Kunstvermittler und Liebhaber bleibt.
Vertiefen Sie sich auf www.mike-steiner.de: Bildgalerien, Texte und Archivmaterial zu Mike Steiner


