Mieter, Wohnungsbau

Mieter im sozialen Wohnungsbau zahlen mehr

24.01.2026 - 03:40:12

Eine gesetzliche Inflationsanpassung erhöht die Betriebskostenpauschalen für geförderte Wohnungen um 8,37 Prozent. Vermieter können gestiegene Ausgaben weitergeben, Mieterverbände warnen vor Belastungen.

Mieter in öffentlich geförderten Wohnungen müssen seit Jahresbeginn tiefer in die Tasche greifen. Grund sind neue, gesetzlich festgelegte Pauschalen für Instandhaltung und Verwaltung. Sie erlauben es Vermietern, gestiegene Kosten an die Mieter weiterzugeben.

Was steckt hinter der Erhöhung?

Die Anpassung basiert auf der Zweiten Berechnungsverordnung (II. BV). Sie schreibt vor, die Pauschalen alle drei Jahre an die Inflation anzupassen. Die aktuelle Erhöhung von 8,37 Prozent spiegelt die Teuerung zwischen Oktober 2022 und Oktober 2025 wider. Es ist die erste Anpassung seit 2023.

Für Vermieter ist die Maßnahme notwendig, um die Wirtschaftlichkeit ihrer Immobilien zu sichern. Mieterverbände kritisieren dagegen die wachsende Belastung für einkommensschwache Haushalte.

Anzeige

Viele Vermieter müssen Betriebskosten und Instandhaltung jetzt noch genauer prüfen – Fehler bei der Umlagefähigkeit führen oft zu langwierigen Streitigkeiten und Rückforderungen. Der kostenlose PDF-Report „Betriebskosten 2025“ erklärt in nur 5 Minuten, welche Kosten Sie rechtssicher umlegen dürfen (z. B. Verwaltung, Instandhaltung, Heizung) und welche Formulierungen in Mietverträgen wichtig sind. Mit praktischen Checklisten vermeiden Sie formale Fehler bei Ankündigungen und Abrechnungen. Jetzt kostenlosen Betriebskosten-Report herunterladen

So wirkt sich die neue Regelung aus

Die Anpassung ist gestaffelt: Ältere Gebäude haben höhere Pauschalen, da ihr Instandhaltungsaufwand tendenziell steigt. Besonders betroffen sind Baujahre, die 2026 bestimmte Altersgrenzen überschreiten:

  • Baujahr 2004 wird 22 Jahre alt
  • Baujahr 1994 wird 32 Jahre alt

Für diese Wohnungen steigen die ansetzbaren Kosten über die reine Inflationsanpassung hinaus. Vermieter müssen Mieterhöhungen formell ankündigen und begründen.

Warum die Pauschalen steigen müssen

Die regelmäßige Indexierung reagiert auf die allgemeine Teuerung und explodierende Kosten im Bausektor. Ohne sie klafft eine Lücke zwischen den anrechenbaren Pauschalen und den realen Handwerker- und Materialkosten.

Die Folge? Notwendige Instandhaltung und vor allem energetische Sanierungen würden aufgeschoben – sie wären für Vermieter unwirtschaftlich. Die letzte große Anpassung 2023 lag bei über 15 Prozent. Die aktuelle, moderatere Erhöhung zeigt eine verlangsamte, aber anhaltende Teuerung.

Der Zielkonflikt: Wirtschaftlichkeit vs. Bezahlbarkeit

Die Erhöhung bewegt sich im klassischen Spannungsfeld der Wohnungspolitik.

  • Eigentümerverbände argumentieren, dass nur so Reparaturen und Sanierungen finanziert werden können. Es handele sich um eine reine Weitergabe von Kosten, nicht um eine neue Einnahmequelle.
  • Mieterverbände warnen vor einer schleichenden Überforderung der Haushalte. Sie fordern, dass staatliche Leistungen wie das Wohngeld die Mehrbelastung auffangen müssen.

Die Bundesregierung hat mit der Wohngeld-Plus-Reform bereits reagiert. Ob dies ausreicht, bleibt offen.

Was die Anpassung für den Markt bedeutet

Die realitätsnähere Abbildung der Kosten könnte Investoren signalisieren, dass Engagement im sozialen Wohnungsbau wirtschaftlich tragbar ist. Das ist angesichts des Mangels an bezahlbaren Wohnungen ein wichtiges Signal.

Gleichzeitig erhöht sich der Druck auf die Politik, soziale Sicherungssysteme konsequent an die Entwicklung anzupassen. Experten warnen: Ohne flankierende Maßnahmen verschärft sich die Wohnkostenbelastung für Geringverdiener und Familien weiter.

Was kommt als Nächstes?

Vermieter setzen die Erhöhungen nun formell um. Die nächste turnusmäßige Anpassung ist für den 1. Januar 2029 vorgesehen. Bis dahin wird die politische Debatte um die Abfederung steigender Wohnkosten und die Zukunft der sozialen Wohnungsbauförderung weiter an Fahrt aufnehmen.

Anzeige

PS: Sie planen, gestiegene Pauschalen oder Modernisierungen geltend zu machen – und möchten dabei rechtssicher bleiben? Der gratis Guide erklärt, wie Sie Betriebskosten sauber dokumentieren, häufige Streitpunkte wie Gartenpflege oder Schornstein korrekt behandeln und Ihre Abrechnung in wenigen Minuten vorbereiten. Praktische Vorlagen unterstützen bei der formalen Ankündigung von Mieterhöhungen und schaffen Transparenz gegenüber Mietern. Gratis Betriebskosten-Guide anfordern

@ boerse-global.de