Microsoft macht KI-Modelle von Anthropic zum Standard in Copilot
07.01.2026 - 06:05:12Microsoft öffnet seine Unternehmens-KI für Konkurrenzmodelle. Ab sofort sind die KI-Modelle Claude Sonnet 4 und Claude Opus 4.1 des Anbieters Anthropic standardmäßig in Microsoft 365 Copilot und Copilot Studio aktiviert. Dieser Schritt markiert eine strategische Wende weg von der exklusiven Partnerschaft mit OpenAI hin zu einer pluralistischen KI-Strategie für Unternehmen weltweit.
Vom Opt-in zum Opt-out: Mehr Auswahl, weniger Hürden
Bislang mussten IT-Administratoren die Modelle von Anthropic manuell freischalten. Seit dem Update am heutigen Mittwoch ist dieser Schritt für die meisten kommerziellen Kunden außerhalb Europas nicht mehr nötig. Die Claude-Modelle sind nun Teil der Standardauswahl – ein Wechsel von einem Opt-in- zu einem Opt-out-System. Unternehmen können die Modelle bei Bedarf im Admin-Center wieder deaktivieren.
Für deutsche und europäische Firmen gilt diese Vereinfachung vorerst nicht. Aufgrund laufender regulatorischer Anforderungen, insbesondere zu Datensouveränität und der EU-Datengrenze, bleiben die Modelle in der EU, dem EFTA-Raum und Großbritannien standardmäßig deaktiviert. Hier ist weiterhin eine manuelle Freigabe durch die IT nötig.
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Einheitliche Compliance unter Microsofts Dach
Ein entscheidender Fortschritt für Compliance-Abteilungen: Anthropic wurde als offizieller Microsoft-Subprocessor integriert. Das bedeutet, dass die Nutzung der Claude-Modelle nun unter die vertrauten Microsoft-Vertragsbedingungen und das Data Protection Addendum (DPA) fällt.
Der separate Anbieterrisikocheck entfällt damit. Kundendaten verbleiben innerhalb der sicheren Grenzen des Microsoft-365-Mandanten und unterliegen den gleichen Enterprise Data Protection (EDP)-Standards. Diese Vereinheitlichung senkt die Einstiegshürde für Großunternehmen erheblich und vereinfacht die Governance.
Zwei Modelle für unterschiedliche Aufgaben
Nutzer erhalten Zugriff auf zwei leistungsstarke Modelle, die für spezifische Workflows optimiert sind:
- Claude Sonnet 4 gilt als ausgewogenes Modell für schnelle, effiziente Routineaufgaben. Es steht in Copilot Studio für die Entwicklung benutzerdefinierter Agenten zur Verfügung, etwa für Codierung oder logische Strukturierung.
- Claude Opus 4.1 ist das High-End-Modell für tiefgehende Analysen. Es steckt im „Researcher“-Agenten von Microsoft 365 Copilot und soll sich besonders für komplexe Recherchen, Langkontext-Aufgaben und das Zusammenführen von Informationen aus verschiedenen Quellen eignen.
Über den Prompt Builder in Copilot Studio können Power-User zudem gezielt das für ihre Frage beste Modell auswählen – ob GPT-4o für kreative Entwürfe oder Claude Opus 4.1 für technische Code-Reviews.
Strategische Neuausrichtung trotz OpenAI-Partnerschaft
Die Aufwertung von Anthropic zum Standardanbieter ist ein klares Signal an den Markt: Microsoft setzt trotz seiner milliardenschweren Investition in OpenAI auf Modellvielfalt. Der Konzern positioniert seine Copilot-Plattform damit als herstellerunabhängige Orchestrierungsschicht.
Unternehmen wünschen sich zunehmend, nicht von einem einzigen KI-Anbieter abhängig zu sein. Microsoft kommt dieser Nachfrage nach und setzt gleichzeitig neue Maßstäbe für nahtlose Integration. Der Druck auf andere Cloud-Anbieter wie AWS oder Google Cloud, ähnliche Interoperabilität anzubieten, dürfte steigen.
Ausblick: Intelligentes Routing und europäische Lösung
Branchenbeobachter erwarten als nächsten Schritt intelligentes Routing. Dabei würde das System ab 2026 automatisch das effizienteste Modell für eine Anfrage auswählen – basierend auf Komplexität und Kosten.
Für europäische Kunden hängt eine Gleichstellung von der Ausweitung der EU-Datengrenze auf Partner-Modelle ab. Microsoft arbeitet nach eigenen Angaben daran, kann aber noch keinen Zeitpunkt nennen. Bis dahin müssen IT-Verantwortliche in der EU aktiv werden, um von der erweiterten Modellauswahl zu profitieren.
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