Microsoft, BitLocker-Schlüssel

Microsoft liefert BitLocker-Schlüssel an FBI aus

25.01.2026 - 12:53:12

Microsoft hat auf richterliche Anordnung erstmals BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel aus der Cloud an US-Strafverfolger übergeben. Der Fall entfacht eine Grundsatzdebatte über Privatsphäre und Cloud-Sicherheit.

Microsoft hat erstmals bestätigt, dass es auf richterliche Anordnung BitLocker-Verschlüsselungsschlüssel an US-Strafverfolgungsbehörden herausgibt. Der Fall aus Guam entfacht eine Grundsatzdebatte über Datenschutz in der Cloud-Ära.

Der Fall Guam: Wie die „unbezwingbare“ Verschlüsselung fiel

Im Zentrum steht ein Betrugsverfahren auf der Pazifik-Insel Guam. Die US-Bundespolizei FBI ermittelte dort wegen des Verdachts auf Missbrauch von Corona-Hilfsgeldern. Drei beschlagnahmte Laptops mit Windows-Betriebssystem waren jedoch durch BitLocker gesichert – für die Ermittler zunächst eine Sackgasse.

Erst ein Durchsuchungsbeschluss gegen Microsoft brachte die Wende. Der Konzern mit Sitz in Redmond lieferte die geforderten Wiederherstellungsschlüssel aus, die auf seinen Servern gespeichert waren. Damit war die vermeintlich sichere Verschlüsselung umgangen. Die Bestätigung dieser Praxis, die bereits seit Anfang 2025 anhängig war, löste nun weltweit Besorgnis aus.

Die Achillesferse: Der automatische Cloud-Schlüssel

Das Problem liegt in der Standardkonfiguration von Windows 10 und 11. Bei der Einrichtung eines neuen Geräts mit einem Microsoft-Konto wird die Festplattenverschlüsselung oft automatisch aktiviert. Der dazu gehörende 48-stellige Wiederherstellungsschlüssel landet standardmäßig in der OneDrive-Cloud des Nutzers oder im Microsoft-Konto.

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Was als bequeme Sicherheitsfunktion gegen Datenverlust gedacht ist, untergräbt aus Sicht von Experten das Zero-Knowledge-Prinzip. Da Microsoft eine Kopie des Schlüssels verwaltet, kann das Unternehmen diesen auch bei Vorliegen eines gültigen richterlichen Befehls herausgeben. Viele Nutzer seien sich dieser Hintertür nicht bewusst, berichten Fachmedien.

Microsofts Haltung im Branchenvergleich

Microsoft bestätigte die Zusammenarbeit mit den Behörden gegenüber Forbes. Ein Sprecher betonte, man komme „gültigen rechtlichen Anordnungen nach“, gebe solche Schlüssel aber nur heraus, „wenn sie auf unseren Systemen verfügbar sind“. Der Konzern erhalte jährlich etwa 20 entsprechende Anfragen, könne in den meisten Fällen aber nicht helfen, da die Schlüssel nie in der Cloud gespeichert wurden.

Diese Position unterscheidet sich fundamental von der Strategie anderer Tech-Riesen. Unternehmen wie Apple setzen bei ihrer iCloud-Verschlüsselung auf ein Zero-Knowledge-Modell. Die Schlüssel verbleiben ausschließlich auf den Geräten der Nutzer, was Apple selbst den Zugriff unmöglich macht – auch für Strafverfolgungsbehörden. Microsoft priorisiert bei BitLocker für Privatnutzer klar die Benutzerfreundlichkeit und Datenwiederherstellung vor absoluter Privatsphäre.

Kritik und Konsequenzen für Unternehmen

Die Reaktionen aus der Cybersicherheitsbranche sind scharf. Kryptografie-Experte Matthew Green von der Johns Hopkins University kritisiert, Microsofts Architektur behandle Nutzerdaten als Eigentum des Konzerns, nicht der Person.

Die Enthüllungen könnten vor allem in Europa erhebliche Folgen haben, wo Datensouveränität und die Einhaltung der DSGVO oberste Priorität genießen. Für Geschäftskunden, die Unternehmensversionen von BitLocker nutzen, gibt es zwar strengere Kontrollmöglichkeiten über die Schlüsselverwaltung. Dennoch dürfte das Vertrauen in die Cloud-Sicherheit erschüttert sein.

Rechtsexperten erwarten nun eine Flut ähnlicher Durchsuchungsbeschlüsse, da Strafverfolgungsbehörden von dieser Möglichkeit wissen. Die Folge: Ermittlungen könnten sich von teuren forensischen Analysen hin zu simplen Beschlagnahmeanträgen verlagern.

Was Nutzer jetzt tun können – und was kommt

Als Reaktion verbreiten sich im Netz bereits Anleitungen, wie Nutzer prüfen können, ob ihre BitLocker-Schlüssel in der Cloud liegen. Experten raten Datenschutz-Bewussten, diese aus ihrem Microsoft-Konto zu löschen und offline zu sichern – etwa auf einem USB-Stick oder ausgedruckt.

Langfristig könnte Microsoft unter Druck geraten, eine Zero-Knowledge-Option für BitLocker anzubieten, ähnlich wie Apple. Nutzer könnten dann komplett auf Cloud-Wiederherstellung verzichten. Das Risiko: Bei Verlust des Schlüssels wären die Daten für immer unzugänglich.

Der Fall Guam zeigt die grundlegende Abwägung zwischen Bequemlichkeit und Privatsphäre in der vernetzten Welt. Mit der zunehmenden Cloud-Integration von Betriebssystemen verschwimmt die Grenze zwischen lokaler Speicherung und der Jurisdiktion von Rechenzentren – und hinterlässt Nutzerdaten in einer rechtlichen Grauzone.

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