Meta verabschiedet sich vom Metaverse und setzt alles auf KI-Brillen
17.01.2026 - 15:53:12Der Tech-Riese Meta vollzieht eine radikale Kehrtwende: Statt auf virtuelle Welten setzt das Unternehmen nun voll auf KI-gestützte Smart Glasses. Hintergrund sind Milliardeverluste und der überraschende Erfolg der Ray-Ban-Brillen.
70 Milliarden Euro Verlust erzwingen Strategiewechsel
Die Zahlen sind vernichtend. Seit 2020 hat Metas Metaverse-Sparte Reality Labs kumulierte Verluste von über 70 Milliarden Euro angehäuft. Allein im dritten Quartal 2025 verbuchte die Einheit ein operatives Minus von 4,43 Milliarden Euro. Diese anhaltende finanzielle Belastung machte ein Umsteuern unausweichlich. Intern wurde das bisherige Investitionstempo als “nicht nachhaltig” bezeichnet.
Die freiwerdenden Milliarden sollen nun in den Wettlauf um die Vorherrschaft in der künstlichen Intelligenz fließen. Hier konkurriert Meta mit Giganten wie Google und OpenAI. Die für 2025 geplanten Gesamtinvestitionen von 70 bis 72 Milliarden Euro werden massiv in KI-Infrastruktur umgeschichtet.
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Tiefe Einschnitte: Studios schließen, Tausende Jobs weg
Die neue Strategie hat konkrete, harte Konsequenzen. In dieser Woche begann bei Reality Labs ein Stellenabbau, der etwa 10 Prozent der Belegschaft – über 1.000 Mitarbeiter – betrifft. Gleichzeitig schließt Meta drei VR-Spielestudios, die es einst aufgekauft hatte.
Betroffen sind Armature Studios (VR-Version von Resident Evil 4), Sanzaru Games (Entwickler von Asgard’s Wrath) und Twisted Pixel. Auch die Weiterentwicklung der Fitness-App Supernatural, für die Meta 2023 rund 400 Millionen Euro bezahlte, wird eingestellt. Sie läuft nur noch im Wartungsmodus. Sogar Unternehmensanwendungen wie Horizon Workrooms werden beendet – ein klarer Rückzug aus dem professionellen VR‑Markt.
Die neue Wette: Massenproduktion von KI-Brillen
Der klare Gewinner der Neuausrichtung sind Wearables. Angeführt von den in Kooperation mit EssilorLuxottica produzierten Ray-Ban Meta Smart Glasses. Die unerwartet starke Nachfrage nach diesen Brillen, die bereits zu Lieferengpässen führte, ist der Haupttreiber für den Kurswechsel.
Meta reagiert mit einer massiven Produktionsausweitung. Die Kapazitäten sollen bis Ende 2026 auf 20 Millionen Einheiten pro Jahr verdoppelt werden. Bei anhaltender Nachfrage sind sogar 30 Millionen Stück möglich. Das Ziel ist “Ambient Computing”: Nutzer sollen nahtlos per Sprache mit einem KI-Assistenten interagieren, ohne auf ein Display zu schauen. Künftige Updates und neue Sprachmodelle wie “Avocado” sollen direkt auf der Brille laufen.
Vom Hype zur Realität: Ein pragmatischer Schwenk
Metas Kehrtwende ist ein Eingeständnis. Die Vision von vollständig immersiven VR‑Welten war dem Massenmarkt offenbar Jahre voraus. Hohe Hardwarekosten, begrenzter Nutzen und zögerliche Kundenakzeptanz verhinderten den Durchbruch.
Der Fokus auf leichte, unauffällige Smart Glasses ist pragmatischer. Sie erweitern die reale Welt, statt sie zu ersetzen – und versprechen so eine breitere Akzeptanz. Gleichzeitig rüstet Meta sich für den globalen KI‑Wettlauf. Der Aufbau der Recheninfrastruktur “Meta Compute” ist überlebenswichtig. Um Top‑Talente zu halten, lockt der Konzern nun mit Boni von bis zu 300 Prozent für KI‑Experten.
Die entscheidende Frage: Vertrauen die Nutzer?
Die unmittelbare Zukunft bei Meta gehört der Weiterentwicklung der Smart Glasses und von AR‑Prototypen wie “Orion”. Die VR‑Quest‑Headsets wird es zwar weiter geben, aber mit deutlich geringerer Priorität.
Der Erfolg der neuen Strategie hängt von einer zentralen Frage ab: Akzeptieren Verbraucher eine KI‑Brille als ständigen Alltagsbegleiter? Und gewähren sie ausgerechnet Meta, einem Unternehmen mit wiederholten Datenschutzproblemen, den dafür nötigen Datenzugriff? Die Antwort darauf wird zeigen, ob Mark Zuckerbergs zweite große Wette auf die Zukunft der Technologie erfolgreicher sein wird als die erste. Eines ist klar: Das Metaverse ist auf Eis gelegt.
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