Meta: Smart Glasses-Boom zwingt zum Strategiewechsel
27.01.2026 - 07:34:12Die Ray-Ban Meta Brillen sind der Überraschungshit – doch der Erfolg bringt Produktionsengpässe, eine Klage und ethische Debatten. Während die Nachfrage explodiert, pausiert der Tech-Konzern die internationale Expansion und fährt seine verlustreiche VR-Sparte zurück. Ein riskanter Fokus auf KI-Wearables.
Der Run auf die KI-Brillen von Meta und Ray-Ban ist so groß, dass die Wartelisten bis weit ins Jahr 2026 reichen. Seit 2023 wurden über zwei Millionen Einheiten verkauft. Die Partnerschaft mit dem Brillenhersteller EssilorLuxottica ist zur am schnellsten wachsenden Produktkategorie des Konzerns geworden. Die Folge: Meta und sein Partner erwägen, die Produktionskapazität zu verdoppeln.
Gleichzeitig lenkt Meta Ressourcen um. Die Erfolge der Wearables sind ein Grund für den jüngsten Strategiewechsel: Die Reality-Labs-Sparte für Virtual Reality wird um etwa zehn Prozent verkleinert. Die Investitionen fließen nun verstärkt in den lukrativeren Markt für KI-Brillen. Seit 2021 hat Reality Labs operative Verluste von über 70 Milliarden US-Dollar angehäuft.
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Erfolg erzwingt Expansions-Stopp
Die überwältigende Nachfrage in den USA wird für Meta zum Problem. Am 6. Januar 2026 stoppte das Unternehmen die für Anfang des Jahres geplante internationale Einführung des Premium-Modells „Ray-Ban Meta mit Display“. Märkte wie Großbritannien, Kanada, Frankreich und Italien müssen warten.
Grund sind extrem begrenzte Lagerbestände. Meta priorisiert die Bedienung des US-Marktes. Die unbestimmte Verzögerung zeigt die Lieferketten-Probleme bei einem Überraschungshit. Das Display-Modell kostet umgerechnet etwa 730 Euro. Es verfügt über ein winziges Sichtfeld-Display und wird per „Neural Band“ am Handgelenk gesteuert. Im ersten Quartal verkaufte Meta 15.000 Stück und eroberte damit sechs Prozent Marktanteil in dieser Kategorie.
Neue KI-Funktionen, aber geschlossenes System
Auf der Technikmesse CES 2026 präsentierte Meta neue Fähigkeiten für die Brillen. Dazu gehören ein Teleprompter, der Notizen im Sichtfeld anzeigt, und eine Handschrifterkennung per EMG-Sensoren. Nutzer können so Nachrichten schreiben, indem sie die Bewegung auf einer beliebigen Oberfläche imitieren.
Die Fußgänger-Navigation wurde auf vier weitere US-Städte ausgeweitet, insgesamt sind es nun 32. Doch trotz der Hardware-Innovationen sehen Branchenanalysen ein großes Manko: Die Brillen funktionieren fast ausschließlich in Metas eigenem Software-Ökosystem. Dieser geschlossene Ansatz steht im Kontrast zu Konkurrenten, die offene Plattformen oder eigene App-Stores anbieten. Das könnte die langfristige Attraktivität für Nutzer bremsen, die mehr Flexibilität suchen.
Klage und Datenschutz-Sorgen
Der Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Das kleinere Unternehmen Solos hat Meta nun wegen Patentverletzung verklagt. Die Klage behauptet, die Ray-Ban-Modelle verletzten mehrere Patente für Kerntechnologien von Smart Glasses. Solos fordert Schadensersatz in Milliardenhöhe und eine einstweilige Verfügung, die den Verkauf stoppen könnte.
Parallel bleiben die Datenschutzbedenken das größte ethische Problem. Die Fähigkeit der Brille, Audio und Video aufzuzeichnen, alarmiert Verbraucherschützer. Sie fürchten Überwachung und die Erfassung von Daten nicht einwilligender Personen. Alle mit den KI-Funktionen verarbeiteten Fotos werden gespeichert und trainieren Metas Algorithmen. Eine LED-Leuchte signalisiert zwar eine aktive Aufnahme, doch Kritiker bezweifeln, dass dies ausreichender Schutz für die Privatsphäre im öffentlichen Raum ist.
Offene Zukunft: Vom Smartphone-Ersatz bis zum Flaschenhals
Metas Roadmap für künftige Brillen-Generationen sieht eine tiefere KI-Integration, eine verbesserte Akkulaufzeit und möglicherweise Übersetzungen direkt auf dem Gerät vor. Das langfristige Ziel des Konzerns und seiner Wettbewerber ist klar: eine Wearable zu schaffen, die das Smartphone ergänzt oder eines Tages ersetzt.
Doch der Weg dorthin ist steinig. Meta muss die aktuellen Lieferengpässe und die Patentklage bewältigen. Noch kritischer ist die Beantwortung der drängenden Datenschutzfragen. Wie der Konzern seinen aggressiven Marktkurs mit dem wachsenden Bedürfnis nach Privatsphäre in Einklang bringt, wird über den langfristigen Erfolg und die gesellschaftliche Akzeptanz von KI-Brillen entscheiden. Der Wettbewerb wird härter: Google plant eigene KI-Brillen, und selbst OpenAI, Schöpfer von ChatGPT, entwickelt KI-native Hardware. Der Kampf um die Nase – oder besser: die Augen – der Nutzer hat gerade erst begonnen.
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