Datenschutz-Sturm, EU-Vorstoß

Meta: Neuer Datenschutz-Sturm durch EU-Vorstoß und Milliarden-Deal

06.01.2026 - 23:30:12

Meta gerät zu Jahresbeginn 2026 erneut unter massiven regulatorischen Druck. Der Konzern muss sich gleichzeitig gegen Kritik an einem umstrittenen EU-Gesetzesvorschlag und an seiner Zwei-Milliarden-Euro-Übernahme eines KI-Startups wehren. Die Debatte um die Nutzung von Nutzerdaten für KI-Training erreicht eine neue Eskalationsstufe.

Der unmittelbare Druck entlädt sich an einem neuen EU-Vorhaben, dem sogenannten „Digital Omnibus“. Der Vorschlag der EU-Kommission zielt darauf ab, das digitale Regelwerk zu vereinfachen und Unternehmen bis 2029 bis zu fünf Milliarden Euro an Bürokratiekosten zu ersparen. Doch Verbraucherschützer schlagen Alarm.

Der Kern des Konflikts: Eine Klausel könnte den Weg von der ausdrücklichen Einwilligung (Opt-in) hin zur Verarbeitung aus „berechtigtem Interesse“ (Opt-out) für KI-Trainingsdaten ebnen. Genau dieses Modell verfolgt Meta bereits aggressiv. Datenschützer warnen, dies würde die DSGVO aushöhlen. „Unternehmen könnten dann ein ‚berechtigtes Interesse‘ geltend machen und Ihre Daten nutzen, ohne vorher zu fragen“, so die Kritik. Die Last des Datenschutzes läge plötzlich beim Nutzer.

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Für Meta, das EU-Nutzer seit 2025 über seine Widerspruchsmöglichkeit informiert, wäre der „Digital Omnibus“ ein großer Sieg. Der heftige Widerstand von Verbrauchergruppen deutet jedoch darauf hin, dass die für 2026 erwartete Verabschiedung auf erhebliche politische Hürden stoßen wird.

Milliarden-Übernahme von Manus wirft Datenschutz-Fragen auf

Parallel schürt Metas jüngste Akquisition Ängste. Der Konzern erwarb zum Jahreswechsel 2025/26 das in Singapur ansässige KI-Startup Manus für über zwei Milliarden Euro. DerDeal soll Metas Fokus auf „agentische KI“ – also autonom handelnde Systeme – beschleunigen.

Doch die Herkunft von Manus bereitet Regulierern Kopfzerbrechen. Das Startup wurde ursprünglich unter einem chinesischen Mutterkonzern entwickelt, bevor es nach Singapur umzog. Diese Vergangenheit wirft Fragen nach der Reinheit der historischen Trainingsdaten und möglichen ausländischen Einflüssen auf.

Analysten sehen Meta nun auf einem „schmalen Grat“. Die Integration der Manus-Technologie erfordert strenge Audits, um sicherzustellen, dass keine nicht konformen Daten in Metas KI-Modelle gelangen. Datenschutzbehörden werden die Abschottung und Sicherung der Nutzerdaten in diesen neuen autonomen Systemen genau beobachten.

Globale Regulierer fordern „saubere“ KI-Daten

Der Druck auf Meta ist kein rein europäisches Phänomen. Eine globale Wende zeichnet sich ab: Regulierer fordern zunehmend „saubere“ und lizenzierte Datensätze und rücken von der Praxis ab, wahllos öffentliche Internetdaten zu scrapen.

Dies stellt Metas Geschäftsmodell infrage, das stark auf die riesigen Mengen öffentlicher Nutzerinhalte von Facebook und Instagram setzt. Rechtsexperten sehen die „Fair Use“-Verteidigung für Trainingsdaten schwinden. Unternehmen könnten künftig haftbar gemacht werden, wenn ihre mit „unsauberen“ Daten trainierten KI-Systeme Schaden anrichten.

Sogar Finanzaufsichten schalten sich ein. Die südafrikanische Finanzmarktaufsicht (FSCA) warnte kürzlich, KI-Modelle könnten unbeabsichtigt sensible personenbezogene Daten offenlegen. Die Botschaft ist klar: Datenschutzrisiken werden nicht mehr nur als Verbraucherthema, sondern als Gefahr für die Finanzstabilität betrachtet.

Analyse: Metas riskantes Spiel mit dem „berechtigten Interesse“

Die Ereignisse der ersten Januartage 2026 zeigen die Fragilität von Metas Datenstrategie. Zwar gelang es dem Konzern 2025, das KI-Training in der EU auf Basis des „berechtigten Interesses“ wiederaufzunehmen – ein Erfolg, den ein deutsches Gericht im Mai 2025 bestätigte.

Doch dieser Sieg könnte nur von kurzer Dauer sein. Sollte die EU als Reaktion auf den Verbraucherdruck strengere Einwilligungsregeln im „Digital Omnibus“ festschreiben, wäre Metas Widerspruchsmodell nicht mehr konform. Gleichzeitig beendet der globale Trend zu sauberen Daten die Ära des uneingeschränkten Datensammelns im Web.

„Meta setzt alles auf die Karte ‚berechtigtes Interesse‘ und die Integration von Technologien wie der von Manus“, kommentiert ein Datenschutzanalyst. „Doch während der ‚Digital Omnibus‘ zum politischen Schlachtfeld wird und Gerichte die Herkunft von Daten einfordern, wird das regulatorische Eis dünn.“

Was 2026 auf Meta zukommt

Das erste Quartal wird entscheidend für Metas Compliance-Strategie.
* Lobby-Schlacht in Brüssel: Der Gesetzgebungsprozess zum „Digital Omnibus“ wird von intensivem Lobbying begleitet. Das Ergebnis bestimmt, ob das Opt-out-Modell EU-Standard wird oder verboten ist.
* Transparenz-Forderungen: Behörden werden detaillierte Berichte zur Integration der Manus-Technologie und zur Nutzung von EU-Nutzerdaten fordern.
* Haftungsklagen: 2026 könnten die ersten Sammelklagen wegen „KI-Design-Haftung“ folgen, die auf mangelhafte Trainingsdaten abzielen. Dies könnte Meta zwingen, nicht konforme Datensätze zu löschen.

Der Druck auf den Tech-Riesen ist enorm. Meta muss ein komplexes Geflecht aus neuer Gesetzgebung, kritischer Justiz und der Integration heikler Übernahmen navigieren – in einer Zeit, in der die Geduld mit der „Move fast and break things“-Mentalität im Umgang mit Nutzerdaten endgültig erschöpft ist.

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