Meta-Deal, KI-Startup

Meta-Deal mit KI-Startup Manus AI: China startet Untersuchung

10.01.2026 - 23:16:12

China untersucht Metas geplanten Kauf von Manus AI auf Verstöße gegen Technologieexport-Kontrollen. Der milliardenschwere Deal zur agentischen KI steht auf der Kippe.

Meta droht eine seiner größten Zukäufe zu platzen. China hat eine offizielle Untersuchung zur Übernahme des KI-Startups Manus AI durch den Tech-Riesen eingeleitet. Pekings Handelsministerium prüft, ob der milliardenschwere Deal gegen chinesische Technologieexport-Kontrollen verstößt.

Geopolitische Spannungen bremsen Tech-Deal

Die am Donnerstag, 8. Januar, angekündigte Untersuchung markiert eine deutliche Eskalation. Sie zeigt, wie China seine strengen Regeln für sensible Technologien auch über die eigenen Grenzen hinaus durchsetzen will. Das Ministerium will prüfen, ob die Übertragung der proprietären Technologie und Algorithmen von Manus AI einen verbotenen Export strategischer Güter darstellt. Entscheidend ist dabei die Frage nach der rechtlichen Trennung des heute in Singapur ansässigen Unternehmens von seinen chinesischen Wurzeln.

Für Meta kommt die Prüfung zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Erst vor zwei Wochen hatte das Unternehmen seine Absicht bekundet, den Spezialisten für „agentische KI“ zu übernehmen. Der Deal wird von Brancheninsidern auf 2 bis 3 Milliarden Euro taxiert. Die nun eingetretene Unsicherheit könnte Metas ambitionierte Roadmap für 2026 erheblich durcheinanderwirbeln.

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Der Vorwurf des „Singapore Washing“

Im Zentrum der Ermittlungen steht die Unternehmensstruktur von Manus AI. Das Startup wurde in Peking unter dem Namen Butterfly Effect Technology gegründet und verlegte erst Anfang 2025 seinen rechtlichen Sitz und sein Kernteam nach Singapur. Branchenanalysten bezeichnen diese Strategie als „Singapore washing“. Dabei verlegen chinesische Tech-Firmen ihren Domizil in neutrale Jurisdiktionen, um geopolitischen Prüfungen zu entgehen und an westliches Kapital zu gelangen.

Medienberichten zufolge blieb jedoch ein Großteil der Forschung und Entwicklung von Manus AI bis zur Übernahme auf dem chinesischen Festland. Die Behörden prüfen nun, ob die geistigen Eigentumsrechte für den „General-Purpose AI Agent“ des Startups in China entwickelt und ohne die notwendigen Exportlizenzen ins Ausland transferiert wurden. Seit einer Aktualisierung der chinesischen Exportkontrollliste Ende 2024, die auch fortschrittliche autonome Agententechnologien umfasst, ist für solche Transfers eine ausdrückliche Genehmigung der Regierung erforderlich.

Hohes Risiko für Metas KI-Strategie

Für Meta geht es um viel. Die Übernahme von Manus AI sollte der Grundstein für Mark Zuckerbergs Strategie sein, das aufstrebende Feld der agentischen KI zu dominieren. Diese Systeme können komplexe, mehrstufige Aufgaben autonom ausführen – weit über reine Text- oder Bildgenerierung hinaus.

Das Startup hatte im März 2025 mit einer Demo für Aufsehen gesorgt, in der ein Agent eigenständig Marktforschung betrieb, Code schrieb und debuggte sowie logistische Workflows managte. Zum Zeitpunkt des Übernahmeangebots belief sich der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) bereits auf rund 100 Millionen Euro. Meta wollte die Technologie in seine Business-Messaging-Plattformen wie WhatsApp und Messenger integrieren, um automatisierte Kundenservice- und persönliche Assistenten-Funktionen anzubieten.

Ein gescheiterter Deal würde den Social-Media-Riesen zwingen, diese Lücke im Wettlauf mit Konkurrenten wie OpenAI und Google durch interne Entwicklung zu schließen. Experten schätzen, dass dies den Produktfahrplan um 12 bis 18 Monate zurückwerfen könnte.

Warnsignal an die gesamte Tech-Branche

Die Untersuchung unterstreicht die vertiefte technologische Kluft zwischen den USA und China. Während Washington den Export hochwertiger Halbleiter nach China weiter einschränkt, setzt Peking zunehmend seine eigenen Exportkontrollen als strategisches Mittel ein. Das Ziel: zu verhindern, dass heimische Innovationen US-Tech-Giganten zugutekommen.

Ökonomen sehen Sicherheit inzwischen als oberste Priorität chinesischer Politiker. Jeder Technologietransfer, der die Wettbewerbsfähigkeit eines US-Unternehmens stärken könnte, unterliegt nun intensiver Prüfung. Die Untersuchung ist ein klares Warnsignal an andere chinesische Startups, die sich vom Festland lösen wollen, um westliche Käufer zu umwerben. Der regulatorische Konflikt verläuft nun in beide Richtungen und schafft ein komplexes Minenfeld für multinationale Konzerne.

Was kommt jetzt auf Meta zu?

Die Untersuchung befindet sich in der Bewertungsphase. Solche Prüfungen können laut Handelsministerium drei bis sechs Monate dauern. Sollten Verstöße festgestellt werden, könnte China von Meta verlangen, die chinesischen Komponenten von Manus AI abzustoßen oder die Übertragung bestimmter Algorithmen zu blockieren. Im schlimmsten Fall für den Deal könnten die regulatorischen Hürden die Übernahme undurchführbar machen.

Meta hat sich seit der Ankündigung der Untersuchung nicht öffentlich geäußert. Manus AI betont, weiterhin unabhängig von seinem Singapur-Hauptsitz aus zu operieren. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob „Singapore washing“ eine tragfähige Exit-Strategie bleibt – oder ob die „Große Firewall“ jetzt auch den Weg für Firmenverkäufe abschirmt.

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