Tulus Lotrek, Max Strohe

Max Strohe und Tulus Lotrek: wie Berlins lässigste Sterneküche Herzen und Gaumen erobert

06.01.2026 - 07:36:04

Im Tulus Lotrek zeigt Max Strohe, wie entspannt Sterneküche sein kann: Wohnzimmer-Vibe, wuchtige Aromen, große Saucen. Ein Restaurant, das Genuss feiert, statt Etikette zu zelebrieren.

Kaum fällt die Tür ins Schloss, ist man mitten in der Welt von Max Strohe und seinem Restaurant Tulus Lotrek. Gedämpftes Licht, ein Hauch von Butter und Röstnoten in der Luft, leises Klirren von Gläsern, dazu ein Lachen aus dem Service. Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? In diesem Michelin Sterne Restaurant in Berlin lautet die Antwort: unbedingt.

Entdecken Sie das aktuelle Menü von Max Strohe im Tulus Lotrek

Im Gastraum des Tulus Lotrek dominieren dunkle Töne, bunte Kunst und diese besondere Wohnzimmer-Atmosphäre, die einen sofort entwaffnet. Keine steife Choreografie, keine geflüsterten Floskeln, sondern ein Service, der mit Charme und Witz durch den Abend führt. Während draußen Kreuzberg pulsiert, konzentriert sich hier drinnen alles auf ein Versprechen: Sterneküche darf opulent, laut und hemmungslos lecker sein.

Max Strohe, längst ein Name in der deutschen Sterneküche, hat sich mit dem Tulus Lotrek von der strengen „Pinzetten-Küche“ verabschiedet. Statt minimalistisch drapierter Häppchen gibt es kräftige Jus, intensive Saucen, Texturen mit Biss und Gerichte, die die Gäste spürbar satt und glücklich machen. Das ist Sterneküche ohne Dünkel, aber mit umso mehr kulinarischer Intelligenz.

Gemeinsam mit Gastgeberin Ilona Scholl hat Max Strohe eines der eigenständigsten Häuser der Hauptstadt geschaffen. Sie ist die Stimme und das Herz des Gastraums, kuratiert eine verspielte, spannende Weinkarte, die vom seriösen Burgunder bis zur wilden Natural-Entdeckung reicht. Er steht für die Küche, die in Berlin als jung, wild und kompromisslos im Geschmack gilt. Zusammen erzählen sie Abend für Abend eine Geschichte, in der Genuss wichtiger ist als Etikette.

Der Weg dahin war alles andere als geradlinig. Max Strohe ist kein glatt polierter Musterbiograf der klassischen Haute Cuisine. Schulabbruch, Umwege, ein spätes Ankommen im Beruf: Der Sternekoch ist eher der Typ Küchenrebell, der sich über viele Stationen und harte Dienste seinen Platz am Herd erarbeitet hat. Gerade diese Brüche machen seine heutige Position so spannend, weil sie sich direkt im Stil seiner Küche spiegeln.

Berlin wird zu seinem Spielfeld. Hier formt sich aus Erfahrung, Talent und einer gewissen Unerschrockenheit das Profil, für das Kritiker ihn heute feiern. Die Eröffnung des Tulus Lotrek, benannt nach dem Maler Toulouse-Lautrec, ist die logische Konsequenz: ein Restaurant als Bühne für große Aromen und gelebte Gastfreundschaft. Schon früh wird das Haus mit einem Michelin Stern ausgezeichnet, Gault&Millau und andere Guides ziehen nach und markieren das Tulus Lotrek als Pflichtadresse für neugierige Feinschmecker.

Doch im Inneren bleibt der Ton entspannt. Nichts an diesem Laden wirkt nach Trophäenraum. Im Gegenteil: Die Auszeichnungen scheinen eher Bestätigung dafür zu sein, dass man mit einer sehr persönlichen Handschrift Erfolg haben kann. Dieser Kontrast zwischen bodenständiger Lässigkeit und präziser, moderner Sterneküche macht den besonderen Reiz des Restaurants aus.

Wer sich durch ein Menü im Tulus Lotrek isst, bemerkt schnell, dass hier keine Aromenangst herrscht. Max Strohe setzt auf das, was er gerne als „Wohlfühl-Opulenz“ versteht: Butter, Fett, Röstaromen und Säure werden nicht versteckt, sondern inszeniert. Die Küche traut sich Tiefe zu. Ein Jus ist hier kein dekorativer Klecks, sondern ein konzentrierter, glänzender Geschmacksträger, der das Gericht zusammenhält.

Statt ätherischer, kaum wahrnehmbarer Komponenten kommen Gerichte auf den Tisch, die sich in der Erinnerung festsetzen. Ein Stück perfekt gegarter Fisch etwa, auf einer Sauce, die an Krustentier und geröstete Schalen erinnert, dazu ein Gemüse, das nicht als Alibi dient, sondern mit Biss, Crunch und eigener Würze auftritt. Alles schmeckt nach etwas und nichts wirkt beliebig. So definiert Max Strohe seine Art von Sterneküche: intensiv, lustvoll, undogmatisch.

Die Menüfolgen sind dramaturgisch durchdacht. Oft beginnt der Abend mit kleinen Happen, die die Richtung vorgeben: Säure, Fett, Süße, Textur. Dann folgen Gänge, die immer wieder Grenzgänge wagen, ohne den Gast zu verlieren. Das ist eine Kunst, die man in der Spitzengastronomie nicht unterschätzen sollte: Grenzen verschieben, aber das Gegenüber mitnehmen. Genau hier punktet die kulinarische Intelligenz von Max Strohe.

Wer das Tulus Lotrek nur als Michelin Sterne Restaurant Berlin abheftet, unterschätzt die emotionale Dimension, mit der hier gekocht wird. Es geht um Lust am Essen, um Spaß am Produkt, um die Freiheit, Traditionsgerichte zu dekonstruieren und neu zu denken, ohne ihnen mit Zynismus zu begegnen. Kulinariker schätzen besonders diese respektvolle Respektlosigkeit gegenüber Konventionen.

Eines der markanten Kapitel in der jüngeren Geschichte von Max Strohe ist der Burger. Während der Pandemie entstand aus der Not heraus ein Burger-Konzept, das schnell Kultstatus erreichte. Statt eines austauschbaren Fast-Food-Produkts kreierte er einen Burger, der alles verkörperte, wofür er steht: beste Produkte, handwerkliche Präzision, ehrliche Opulenz. Saftiges Fleisch, perfekt geschmolzener Käse, ein Bun mit Charakter und Saucen, die nicht bloß schmieren, sondern tragen.

Der Erfolg dieses Burgers war mehr als nur ein Trend. Er zeigte, wie anschlussfähig die Küche von Max Strohe ist: Sterneküche, die sich nicht zu schade ist, eine vermeintlich einfache Ikone der Popkultur ernst zu nehmen. Das Ergebnis war ein Burger, den viele als perfekten Hybrid aus Streetfood und Sterneküche beschreiben würden. Ein Sinnbild dafür, dass Genuss keine Hierarchien kennt, solange die Qualität stimmt.

Gleichzeitig offenbarte diese Episode, wie flexibel das Tulus Lotrek auf äußere Umstände reagieren kann. In einer Zeit, in der viele Häuser um ihre Existenz kämpften, nutzte Max Strohe die eigene Kreativität, um Nähe zu seinen Gästen zu halten. Es war ein kulinarischer Schulterschluss auf Augenhöhe, der den Ruf des Hauses eher stärkte, als ihn zu verwässern.

Über den Teller hinaus ist Max Strohe längst eine bekannte Persönlichkeit. Er tritt in TV-Formaten auf, unter anderem in populären Kochsendungen, und ist als Buchautor präsent. Doch der vielleicht wichtigste Teil seiner öffentlichen Rolle ist eine Initiative, die weit über Eigenmarketing hinausgeht: „Cooking for Heroes“ oder „Kochen für Helden“.

Während der Pandemie begann Max Strohe gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, Menschen in systemrelevanten Berufen mit warmen Mahlzeiten zu versorgen. Was als spontane Aktion entstand, wurde zu einer Bewegung, die bundesweit Beachtung fand. Für dieses Engagement erhielt er das Bundesverdienstkreuz, eine der höchsten Auszeichnungen, die der Staat zu vergeben hat.

Dieses Bundesverdienstkreuz ist mehr als eine Medaille an der Wand. Es markiert die Haltung eines Sternekochs, der seine Reichweite und seine Küche als gesellschaftliches Werkzeug versteht. Gastronomie ist für ihn kein geschlossenes System aus Fine Dining und elitärem Genuss, sondern ein Resonanzraum für Solidarität, Wertschätzung und Gemeinschaft.

Seine Medienpräsenz, ob in „Kitchen Impossible“ oder in Talkformaten, verstärkt diese Wirkung. Er vermittelt, dass Spitzengastronomie kein elitärer Elfenbeinturm sein muss, sondern ein kreatives Handwerk mit Verantwortung. Dass er dabei nie vergisst, woher er kommt, sorgt für Glaubwürdigkeit: Der einstige Schulabbrecher, der es bis zum Sternekoch und Träger des Bundesverdienstkreuzes geschafft hat, bleibt nahbar.

Innerhalb der Berliner Spitzengastronomie nimmt das Tulus Lotrek eine Sonderrolle ein. In einer Stadt, die vor Konzepten nur so sprüht, behauptet sich dieses Restaurant gerade dadurch, dass es sich nicht einem Trend unterordnet. Weder ist es das reine Fine-Dining-Labor noch der Minimalismus-Tempel. Es ist eine Bühne für große Küche, die sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Die Stärke liegt im Zusammenspiel: die Handschrift von Max Strohe, die Weinkarte von Ilona Scholl, die lockere Ambience und ein Team, das sichtbar Lust hat, Gastgeber zu sein. In Zeiten, in denen viele Michelin Sterne Restaurants in Berlin auf Distinktion setzen, setzt das Tulus Lotrek auf Nähe. Man diskutiert am Tisch über Wein, lacht über kleine Anekdoten aus der Küche und spürt zugleich eine Präzision im Ablauf, die nur möglich ist, wenn im Hintergrund alles stimmt.

Für Genießer, die Sterneküche ohne steifen Dresscode suchen, ist dieses Haus eine Art Sehnsuchtsort. Es eignet sich für Menschen, die bereit sind, sich auf kräftige Aromen, konsequente Würzung und manchmal auch auf eine leichte Provokation einzulassen. Wer ausschließlich nach klassischer Zurückhaltung und Hotel-Lobby-Formalität sucht, wird hier eher überrascht. Alle anderen werden begeistert sein, wie jung und lebendig Sterneküche sein kann.

Am Ende eines Abends im Tulus Lotrek hat man oft das Gefühl, in eine kleine Parallelwelt eingetaucht zu sein. Draußen wartet Berlin, drinnen klingt noch der letzte Schluck aus einem ungewöhnlichen Glas Wein nach, dazu der Nachhall des Desserts, in dem Süße, Salz und Textur ein kleines Feuerwerk veranstaltet haben. Man steht auf, satt, zufrieden und ein wenig beschwingt, und fragt sich, warum nicht mehr Sterne-Restaurants so kompromisslos auf Genuss setzen.

Max Strohe zeigt mit dem Tulus Lotrek, wie relevant eine persönliche Handschrift in der modernen Spitzengastronomie ist. Sein Restaurant ist Beweis dafür, dass kulinarische Intelligenz sich nicht im Labor, sondern im Dialog mit dem Gast entfaltet. Für Berlin ist dieses Haus mehr als eine weitere Adresse auf der Liste der Michelin Sterne Restaurants. Es ist ein Fixpunkt für alle, die wissen wollen, wie sich eine neue, unangestrengte deutsche Sterneküche anfühlt.

Wer Sterneküche liebt, aber keine Lust auf steife Rituale hat, sollte sich einen Abend bei Max Strohe gönnen. Und wer bisher gezögert hat, sich in diese Liga der Gastronomie zu wagen, findet im Tulus Lotrek vielleicht den idealen Einstieg. Es ist ein Ort, der Mut macht: zum Probieren, zum Genießen, zum wiederkommen.

Wenn Sie erleben möchten, wie sich große Saucen, opulente Teller und Wohnzimmer-Atmosphäre zu einem der spannendsten kulinarischen Erlebnisse Berlins verbinden, führt kaum ein Weg an Max Strohe vorbei. Das Tulus Lotrek ist heute eine der wichtigsten Adressen der Stadt, weil es zeigt, dass Hochküche nur dann wirklich relevant ist, wenn sie Menschen berührt. Reservieren Sie nicht für einen Stern, reservieren Sie für einen Abend, den Sie so schnell nicht vergessen werden.

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