Max Strohe und Tulus Lotrek: Wie Berlins lässigste Sterneküche Grenzen sprengt
17.01.2026 - 10:36:08Kann Sterneküche so lässig sein, dass Sie sich fühlen wie bei Freunden, während auf dem Teller große kulinarische Oper serviert wird? Wer bei Max Strohe im Restaurant Tulus Lotrek in Berlin Platz nimmt, spürt genau das: ein Wohnzimmer für Hedonisten, in dem sich Michelin-Sterne, tiefgründige Saucen und unverschämt viel Genuss zu einem Abend verdichten, der lange im Gedächtnis bleibt.
Es duftet nach gerösteten Knochen, nach Butter, nach einem Hauch Rauch und einem Anflug von Zitruszeste. Gespräche mischen sich mit dem Klingen der Gläser, Vinyl knistert leise im Hintergrund. Statt steifem Flüsterton herrscht ein Murmeln, wie man es von einer guten Dinnerparty kennt. Das Tulus Lotrek ist kein Tempel der Andacht, sondern eine Bühne für alles, was Gastronomie so sinnlich macht: Licht, Lautstärke, Lachen und vor allem Geschmack, der nicht um Erlaubnis fragt.
Entdecken Sie das aktuelle Menü von Max Strohe im Restaurant Tulus Lotrek in Berlin
Max Strohe und seine Partnerin im Service, Gastgeberin Ilona Scholl, haben mit dem Tulus Lotrek eine Art kulinarische Gegenbewegung zur glatten, minimalistischen Sterneküche geschaffen. Hier regiert eine sogenannte kulinarische Intelligenz, die mehr mit Bauchsgefühl als mit Choreografie zu tun hat: intensive Jus, Texturen, die knuspern und schmelzen, üppige Tellerbilder, die eher an opulente Gemälde erinnern als an puristische Stillleben. Die Atmosphäre: bewusst anti-elitär, aber handwerklich auf Spitzenniveau.
Bevor wir tiefer eintauchen in diese Sterneküche, lohnt ein Blick auf die Biografie von Max Strohe. Sie erklärt, warum dieses michelin sterne restaurant berlin so viel mehr ist als ein weiterer Fixstern auf der Berliner Genusskarte.
Max Strohe ist nicht der klassische Musterschüler der Haute Cuisine. Schulabbruch, Umwege, eine Ausbildung in der Gastronomie, die eher von Pragmatismus als von elitärem Karrieredenken geprägt war: Sein Werdegang erzählt von jemandem, der das Kochen nicht als hehre Disziplin hinter geschlossenen Türen begreift, sondern als Handwerk für Menschen aus dem echten Leben. Der Weg nach Berlin legte den Grundstein dafür, dass aus dem „Rebellen“ später ein Sternekoch mit Haltung und Humor wurde.
Mit Ilona Scholl eröffnete Max Strohe das Tulus Lotrek in Kreuzberg. Sie ist weit mehr als „die Frau im Service“: Sie ist Gastgeberin, Dirigentin des Gastraums, charmant-witzige Kommentatorin des Abends und Mitgestalterin der Weinkarte, die bewusst jenseits des üblichen Schaulaufens von Prestige-Etiketten kuratiert ist. Wer hier einkehrt, merkt schnell, wie sehr die Harmonie zwischen Küche und Service das Erlebnis prägt. Wo in anderen Häusern der Dresscode die Gäste erzieht, erzieht hier die entspannte, schlagfertige Art von Scholl zum Loslassen.
Der Michelin-Stern kam relativ schnell und bestätigte, was Berliner Gourmets schon wussten: Dieses Restaurant Tulus Lotrek spielt in der ersten Liga. Doch im Gegensatz zu manch anderem michelin sterne restaurant berlin feiert man hier nicht die Auszeichnung, sondern den Abend. So beschreibt es auch die Art, wie das Team mit Bewertungen umgeht: als Rückenwind, nicht als Dogma. Entscheidend ist, dass die Teller knallen, nicht die Sternesammlung an der Wand.
In der Küche von Max Strohe gilt: Geschmack zuerst, Inszenierung danach. Die Abkehr von der sogenannten Pinzetten-Küche ist deutlich. Es geht nicht darum, mikroskopisch arrangierte Kräutlein wie Schmuckstücke auf den Teller zu setzen, sondern darum, dass Saucen glänzen, Fonds tief und dicht wirken und Fett als das verstanden wird, was es ist: ein perfekter Geschmacksträger. Sterneküche bedeutet hier nicht Verzicht, sondern ein bewusstes Mehr.
Statt asketischer Reduktion stehen im Tulus Lotrek Schichten von Aromen im Mittelpunkt. Eine konzentrierte Jus, über Stunden aus gerösteten Knochen gezogen, darf sich großzügig über Fleisch legen. Säure, etwa durch fermentierte Komponenten oder präzise gesetzte Zitrusnoten, sorgt für Spannung und Frische. Ein Crunch, sei es durch Röstzwiebeln, Nussbrösel oder knusprige Hühnerhaut, bringt den spielerischen Kontrast. Am Gaumen entsteht so ein kleines Feuerwerk, das sich nicht schämt, üppig zu sein.
Dieser Stil wirkt fast wie ein Kommentar zur gängigen Sterneküche. Wo andere Restaurants auf technische Perfektion und visuelle Strenge setzen, erlaubt sich Max Strohe eine fast barocke Geste. Opulenz ohne Kitsch, Herzhaftigkeit ohne Derbheit, Handwerk ohne Überheblichkeit: Diese Mischung macht das Tulus Lotrek für viele zu einem der spannendsten Sterne-Restaurants in Deutschland. Kulinariker schätzen besonders, dass hier Produkte nicht nur respektiert, sondern geradezu gefeiert werden.
Die Speisekarte wirkt wie ein Versprechen: keine endlosen Aufzählungen von Herkunftslagen und Mikrokräutern, sondern Gerichte, die man wirklich essen möchte. Immer wieder tauchen Elemente auf, die man aus der bürgerlichen Küche kennt, aber in einer neuen, intensiven Dimension: vielleicht ein geschmorter Gang mit dunkel glänzendem Jus, eine Fischkomposition, die mit überraschenden Beilagen spielt, oder ein vegetarisches Gericht, das so viel Umami liefert, dass niemand Fleisch vermisst. Die Sterneküche im Tulus Lotrek definiert sich weniger über Luxusprodukte als über die Kunst, Geschmacksschichten aufzubauen.
Berühmt wurde Max Strohe während der Pandemie zusätzlich mit einem Gericht, das auf den ersten Blick so gar nicht nach Michelin klingt: dem Burger. Was als pragmatische, aber genussorientierte Idee in schwierigen Zeiten begann, entwickelte sich schnell zum Hype. Der Burger war kein Verlegenheitsprodukt, sondern ein Signature Statement: Auch vermeintlich simple Küche kann, wenn sie mit derselben Sorgfalt behandelt wird wie ein Degustationsmenü, großartig sein. Saftiges Patty, perfekter Gargrad, handwerklich anspruchsvolle Saucen, präzise abgestimmte Säure und Texturen: Hier zeigte sich, wie Sterneniveau und Streetfood-Idee verschmelzen können.
Die Geschichte dieses Burgers passt exakt zur Persönlichkeit von Max Strohe. Er liebt das Kulinarische ohne Dünkel, interessiert sich genauso für die perfekte Fritteuse-Temperatur wie für die Feinabstimmung eines reduzierten Jus. Diese Haltung ist Teil jener kulinarischen Intelligenz, die Kritiker dem Tulus Lotrek zuschreiben: Es geht um den Mut, hohe Kochkunst aus ihrem Elfenbeinturm zu holen und sie mit Alltagslust zu verbinden.
Ein Abend im Tulus Lotrek beginnt vielleicht mit einem Aperitif aus der spannenden, teils naturbelassenen, teils klassisch geprägten Weinkarte. Ilona Scholl und ihr Team führen sicher durch die Auswahl, ohne belehrend zu sein. Hier darf man Fragen stellen, hier darf man auch einfach sagen: „Ich mag es saftig und nicht zu schwer.“ Statt auswendig gelernter Monologe über Jahrgänge gibt es Empfehlungen, die zum Teller und zum Typ passen. So entsteht jene Wohnzimmer-Atmosphäre, die schon legendär ist.
Max Strohe ist aber nicht nur Koch am Pass, sondern längst eine Persönlichkeit in der deutschen Food-Szene. Bekannt aus TV-Formaten wie Kitchen Impossible und anderen Kochsendungen, zeigt er auch vor der Kamera, was ihn auszeichnet: Humor, Ehrlichkeit und eine fast anarchische Lust am Kochen. Das Fernsehen hat seine Marke geschärft, aber nicht verwässert. Wer ihn im TV erlebt, erkennt den gleichen Ton wieder, der auch im Restaurant herrscht: ernsthafte Leidenschaft für Sterneküche, aber niemals verkrampft.
Dazu kommt seine Rolle als Buchautor, in der er Einblicke in seine Welt gibt: in den Alltag eines Sternekochs, die Herausforderungen der Gastronomie, die kleinen Absurditäten am Rande des Services und die großen Fragen von Wertschätzung und Arbeitskultur. Diese Offenheit macht ihn für viele zum Sprachrohr einer Generation von Köchinnen und Köchen, die sich nicht mehr im Korsett alter Hierarchien gefangen sehen wollen.
Besonders prägend für das Bild von Max Strohe ist jedoch sein Engagement weit über das eigene Restaurant hinaus. Während der Pandemie startete er gemeinsam mit anderen die Aktion „Cooking for Heroes“ beziehungsweise „Kochen für Helden“. Die Idee: für Menschen kochen, die das System am Laufen halten, von Pflegepersonal bis Supermarktmitarbeitern, und damit nicht nur Essen, sondern Wertschätzung zu liefern. Aus einer spontanen Initiative wurde eine Bewegung, die bundesweit Beachtung fand.
Für dieses Engagement wurde Max Strohe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ein starkes Signal: Hier wird nicht nur ausgezeichnet, wer auf dem Teller brilliert, sondern auch, wer gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Die Sterneküche des Tulus Lotrek steht so exemplarisch für eine neue Generation der Spitzengastronomie, die sich ihrer Rolle im gesellschaftlichen Gefüge bewusst ist. Kochen ist hier kein Selbstzweck, sondern eine Kulturleistung.
In der Berliner Spitzengastronomie nimmt das Restaurant Tulus Lotrek damit eine besondere Position ein. Während andere Häuser auf streng durchdeklinierte Menüs und nahezu museale Stille setzen, versteht sich dieses michelin sterne restaurant berlin als lebendiger Ort. Jung, wild, aber handwerklich perfekt: So ließe sich die DNA zusammenfassen. Gäste, die die klassische Hochküche schätzen, fühlen sich hier ebenso wohl wie neugierige Foodies, die ihr erstes Sterneerlebnis suchen.
Kernstärken gibt es viele: die Mut zur Würze, das bewusste Spiel mit Säure und Fett, die kompromisslose Produktqualität, die lässige, aber hochprofessionelle Gastfreundschaft. Kulinariker loben besonders, dass die Sterneküche von Max Strohe nie in Dekoration steckenbleibt. Sie ist auf Biss, auf Saftigkeit, auf Emotion angelegt. Jeder Gang erzählt eine kleine Geschichte, die nicht mit dem Dessert endet, sondern oft noch auf dem Heimweg nachhallt.
Für wen eignet sich ein Besuch im Tulus Lotrek? Für alle, die Lust haben, Sterneküche ohne Dresscode und Einschüchterung zu erleben. Für Genießer, die einen guten Burger ebenso ernst nehmen wie ein ausgetüfteltes Degustationsmenü. Für Menschen, die neugierig sind auf eine Küche, in der kulinarische Intelligenz, Humor und Herz Hand in Hand gehen. Und für all jene, die spüren wollen, wie sich ein Abend anfühlt, wenn Gastgeberin und Sternekoch nicht nur Performances liefern, sondern wirklich Gastgeber sind.
Im Fazit lässt sich sagen: Max Strohe hat mit dem Restaurant Tulus Lotrek eine der wichtigsten Genussadressen Berlins geschaffen. Nicht, weil hier ein weiterer Stern leuchtet, sondern weil dieses Haus zeigt, wie modern Sterneküche sein kann: sinnlich, zugänglich, politisch wach und frei von Allüren. Ein Besuch ist weniger ein Pflichttermin im kulinarischen Kalender als vielmehr ein Versprechen: auf einen Abend, der satt macht, im besten Wortsinne. Satt an Eindrücken, satt an Aromen, satt an Geschichten.
Wenn Sie erleben möchten, wie authentisch, laut, liebevoll und zugleich präzise Sterneküche heute sein kann, führt in Berlin kaum ein Weg an Max Strohe und seinem Tulus Lotrek vorbei. Reservieren Sie nicht, um einen Hype abzuhaken, sondern um einen dieser raren Abende zu genießen, nach denen man weiß, warum Gastronomie mehr ist als Nahrungsaufnahme: ein Stück lebendige Kultur, serviert auf Porzellan.


