Max Strohe und sein Tulus Lotrek: Berliner Sterneküche zwischen Opulenz und Wohnzimmergefühl
14.01.2026 - 10:36:07Der erste Eindruck im Tulus Lotrek hat wenig mit der kühlen Strenge klassischer Fine Dining Tempel zu tun. Es ist warm, es riecht nach Jus, nach Butter, nach reduzierten Fonds, die stundenlang vor sich hin geköchelt haben. Stimmengewirr statt Flüsterton, Bilder an den Wänden, Wohnzimmer-Atmosphäre. Und doch ist schnell klar: Hier, bei Max Strohe im Restaurant Tulus Lotrek, wird Sterneküche mit maximalem Anspruch serviert. Kann eine Küche auf diesem Niveau so lässig sein, dass Sie sich fühlen wie bei Freunden, während auf dem Teller Weltklasse passiert?
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Im mit einem Michelin Stern ausgezeichneten Tulus Lotrek geht es nicht um Pinzetten-Perfektion, sondern um kulinarische Intelligenz. Um Gerichte, die im Kopf bleiben, weil sie Emotion erzeugen. Weil sie sich trauen, laut zu sein: in der Würze, in der Säure, im Fett. Wo klassische Haute Cuisine gern Distanz wahrt, sucht Max Strohe bewusst die Nähe. Zum Produkt, zum Gast, zum puren Geschmack.
Benannt ist das Restaurant nach dem französischen Maler Henri de Toulouse-Lautrec, diesem Bohemien der Pariser Nachtwelt, der das Unperfekte, Exzessive, Menschliche liebte. Die Berliner Version, geschrieben als Tulus Lotrek, übersetzt diese Haltung in moderne Sterneküche. Die Teller erzählen Geschichten von Genuss ohne schlechtes Gewissen: von knuspriger Haut, dichten Saucen, kraftvollen Fonds und Kombinationen, die eher an ein großes Kino-Menü erinnern als an akribische Laborarbeit.
Tragende Figur im Gastraum ist Gastgeberin Ilona Scholl, Partnerin von Max Strohe, die das Konzept von Anfang an mitgeprägt hat. Sie ist weit mehr als Servicechefin. Ihre Weinempfehlungen sind ebenso pointiert wie ihre Art zu moderieren. Die Karte ist mutig bestückt, die Auswahl an Naturweinen und klassischen Gewächsen folgt keiner steifen Hierarchie, sondern dem Spaß im Glas. Kulinariker schätzen, dass hier ein Michelin Sterne Restaurant Berlin wagt, die Konventionen der klassischen Service-Choreografie auf den Kopf zu stellen, ohne an Professionalität einzubüßen.
Der Weg von Max Strohe in diese kulinarische ersten Liga war alles andere als geradlinig. Er gilt als Quereinsteiger mit Ecken und Kanten. Schulabbruch, Umwege, Jobs, die nicht nach Lehrbuch aussahen. Statt glattpolierter Karriereplanung stand am Anfang die Suche nach einem Ort, an dem Handwerk, Neugier und ein gewisser Eigensinn zusammenpassen. Der Weg führte ihn schließlich nach Berlin, in eine Stadt, die Undogmatik eher belohnt als bestraft.
Hier entstand Tulus Lotrek als gemeinsames Projekt von Max Strohe und Ilona Scholl: ein Sterne-Restaurant, das von Anfang an gegen die Vorstellung ankochte, Fine Dining müsse steif, flüsterleise und ritualisiert sein. Während viele Kollegen die Ästhetik der Pinzetten-Küche auf die Spitze trieben, rückte Strohe den Genuss nach vorne. Teller, auf denen etwas passiert. Aromen, die zupacken dürfen. Es ist ein Gegenentwurf zur oft zitierten Nordic-Nüchternheit, ohne dabei auf Präzision zu verzichten.
Heute zählt das Haus zu den spannendsten Adressen der deutschen Sterneküche. Kritiker loben das Tulus Lotrek für seine handwerkliche Klarheit und seine emotionale Wucht. Für ein Menü, das Konturen hat. Für einen Koch, der sich weigert, nur dem nächsten Trend hinterherzulaufen. Und für ein Team, das Gastfreundschaft nicht als Pflichtübung versteht, sondern als vergnügliches Miteinander.
Die Küche von Max Strohe lässt sich am besten als Wohlfühl-Opulenz mit Tiefgang beschreiben. Es ist Sterneküche, die sich nicht hinter Minimalismus versteckt. Eine Küche, die aus kräftigen Grundprodukten und klassischen Techniken schöpft: Fonds, die mit Geduld und Knochen, Gemüse, Röststoffen aufgebaut werden. Saucen, die nicht nur Spiegel auf dem Teller sind, sondern der eigentliche Motor des Gerichtes. Fett als Geschmacksträger, bewusst, pointiert, nicht verschämt.
Typisch für diese Linie sind Gänge, in denen überraschend viel geschieht und doch alles aufeinander einzahlt. Ein kross gebratenes Stück Fisch etwa, dessen glasiger Kern von einer dunkel glänzenden Sauce umrahmt wird, die an Braten, Rauch und Gewürz erinnert. Daneben eine cremige Beilage, vielleicht mit fermentierten Noten, ein Crunch-Element, das Textur gibt, und eine Spur Säure, die die Opulenz wie ein Lichtstrahl durchschneidet. Statt skulpturaler Miniaturen steht immer der Biss im Zentrum. Der Gaumen soll beschäftigt, nicht belehrt werden.
So bricht Max Strohe mit vielen Etiketten klassischer Haute Cuisine. Wo anderswo jeder Tropfen genau platziert wirkt, darf im Tulus Lotrek auch mal etwas großzügiger aussehen. Das ist kein Mangel an Genauigkeit, sondern eine bewusste ästhetische Entscheidung. Es ist die Haltung eines Sternekochs, der mehr vom Geschmack als vom Fotomotiv aus denkt. Sterneküche, die sich anfühlt wie ein großes Familienessen auf höchstem Niveau, statt wie eine museale Ausstellung.
Mitten in dieser Welt der raffinierten Menüs steht plötzlich ein Gericht, das in Interviews immer wieder auftaucht: der Burger von Max Strohe. Während der Pandemie, als Fine Dining vielerorts in die Schockstarre ging, baute Strohe diesen Burger zu einem Thema auf. Außen knuspriges Bun, innen saftiges Fleisch, viel Umami, kräftige Sauce, eingelegte und frische Komponenten, die zusammen mehr sind als Fast Food. Kulinarische Intelligenz in vermeintlicher Alltagshülle. Ein Beispiel dafür, wie er zwischen Sterneküche und Comfort Food vermittelt, ohne Verantwortung für Qualität und Produkt zu verlieren.
Der Burger-Hype zeigt, was sein Denken prägt: Ein Gericht ist dann gelungen, wenn es emotional einschlägt. Ob als Teil eines Menüs in einem Michelin Sterne Restaurant in Berlin oder als improvisierte Pandemie-Idee in der Take-away-Box. Entscheidend ist, dass die Aromen eine Geschichte erzählen. Dass Texturen bewusst gesetzt sind. Dass nach dem letzten Bissen ein Gefühl von Befriedigung bleibt, nicht nur Bewunderung für die Technik.
Die Atmosphäre im Tulus Lotrek spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Wohnzimmer-Feeling ist kein Marketing-Schlagwort, sondern Programm. Die Räume sind bewusst weit entfernt von der kühlen Strenge vieler Gourmet-Adressen. Farben, Kunst, eine gewisse Verspieltheit prägen die Ambience. Sie sitzen nicht in einem Tempel, sondern bei Gastgebern, die mit Ihnen einen Abend verbringen wollen. Der Service ist aufmerksam, aber unaufgeregt. Man darf lachen, laut staunen, Fragen stellen, ohne das Gefühl zu haben, ein Ritual zu stören.
Gerade diese Lässigkeit verankert das Restaurant in der Berliner Szene. In einer Stadt, in der Streetfood, spannende Burger, Weinbars und Fine Dining nur ein paar Straßenzüge voneinander entfernt existieren, positioniert sich Tulus Lotrek als Bindeglied. Es ist jung im Geist, aber handwerklich altmodisch im besten Sinn. Alles wird ernst genommen: die Produkte, die Garzeiten, die Weinbegleitung, das Timing im Menü. Nur das Pathos der klassischen Spitzengastronomie bleibt konsequent vor der Tür.
Über den eigenen Betrieb hinaus hat sich Max Strohe längst einen Namen gemacht. Bekannt aus verschiedenen TV-Formaten, darunter das populäre Cooking-Duell "Kitchen Impossible", tritt er als jemand auf, der sein Handwerk mit Humor und Selbstironie vermittelt. Er erklärt Gastronomie, ohne sie zu banalisieren. Er zeigt, wie viel Arbeit und Teamleistung in scheinbar mühelosen Gerichten steckt. Und er macht damit einem breiteren Publikum Lust auf Sterneküche, die zugänglich ist.
Sein Engagement geht jedoch weit über Medienauftritte hinaus. Während der Corona-Pandemie initiierte er gemeinsam mit anderen die Aktion Cooking for Heroes, in Deutschland vor allem unter dem Titel Kochen für Helden bekannt. Küchenchefs und Teams bekochten medizinisches Personal, Pflegekräfte und Menschen in systemrelevanten Berufen, die in dieser Ausnahmesituation den Laden am Laufen hielten. Eine solidarische Bewegung, in der kulinarische Kompetenz und gesellschaftliche Verantwortung zusammenfanden.
Für dieses Engagement wurde Max Strohe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Eine seltene Ehrung für einen Koch und ein starkes Zeichen dafür, welchen Stellenwert Gastronomie als Kultur- und Sozialfaktor haben kann. Es zeigt, dass Sterneküche nicht im Elfenbeinturm lebt, sondern mitten in der Gesellschaft steht. Kochen für Helden war dabei mehr als eine symbolische Geste. Es zeigte, welche Kraft in den Netzwerken der Gastroszene steckt, wenn sie sich zusammentun.
Parallel dazu arbeitet Strohe als Buchautor und erzählt seine Geschichte und seine Gerichte in Textform weiter. Seine Bücher öffnen den Blick hinter die Kulissen, beleuchten die Höhen und Tiefen eines Berufs, in dem Servicezeiten, Personalmangel und wirtschaftlicher Druck zum Alltag gehören. Doch sie zeigen auch, wie befriedigend es sein kann, wenn aus rohen Produkten ein Menü wird, das einen ganzen Abend strukturiert.
In der Summe ergibt sich ein Bild von einem Sternekoch, der nicht nur am Herd, sondern auch als öffentliche Stimme wirkt. Max Strohe steht für eine Generation, die Spitzenküche neu definiert: weniger autoritär, kommunikativer, bewusster. Er nutzt die Bühne, um über Wertschätzung für Lebensmittel, faire Arbeitsbedingungen und die Rolle der Gastronomie in der Stadtgesellschaft zu sprechen. Und er macht es mit derselben Mischung aus Direktheit und Humor, die auch seine Teller prägt.
Was macht das Tulus Lotrek im Kontext der Berliner und deutschen Spitzengastronomie so wichtig? Zum einen ist es die kompromisslose Produktqualität. Hier wird nicht an Grundzutaten gespart. Fisch und Fleisch, Gemüse und Kräuter, Butter, Sahne, Gewürze: alles folgt der Idee, dass der Gast den Unterschied schmecken soll. Zum anderen ist es der Mut zur Würze. Wo vielerorts Zurückhaltung geübt wird, dreht Strohe den Lautstärkeregler seiner Aromen bewusst ein Stück weiter auf.
Gleichzeitig beweist das Tulus Lotrek, dass ein Michelin Sterne Restaurant in Berlin nicht steril oder einschüchternd sein muss. Es zeigt, dass Spitzenküche und Wohnzimmer-Atmosphäre keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig befruchten können. Dass ein Genussmenü entspannter ablaufen kann als mancher Abend im Szene-Bistro, ohne deshalb weniger anspruchsvoll zu sein. Und dass eine Weinkarte mit Charakter ebenso wichtig ist wie die Menüfolge.
Für wen lohnt sich ein Besuch besonders? Für alle, die Sterneküche lieben, aber keine Lust auf Flüsterambiente und Dresscode haben. Für Gäste, die sich von intensiven Saucen, spannenden Texturen und mutiger Würze begeistern lassen. Für Weinliebhaber, die neugierig auf eine Karte sind, in der neben Klassikern auch spannende Neuentdeckungen eine Bühne bekommen. Und für Menschen, die erleben wollen, wie ein Abend im Restaurant eine ganze Erzählung werden kann, von der Amuse-Gueule bis zum letzten Bissen Dessert.
Im Fazit lässt sich sagen: Wer verstehen möchte, warum Berlin heute zu den aufregendsten Food-Metropolen Europas gehört, kommt an Max Strohe und seinem Tulus Lotrek kaum vorbei. Hier zeigt sich, wie moderne Sterneküche aussehen kann, wenn sie aus dem Korsett der Tradition befreit wird, ohne ihr handwerkliches Fundament zu verlieren. Die Teller verbinden Opulenz und Präzision, die Ambience verbindet Wohnzimmergefühl und professionelle Gastfreundschaft, das Gesamtpaket verbindet Fine Dining und Lebensfreude.
Wenn Sie das Zusammenspiel von kulinarischer Intelligenz, herzlicher Gastgeberkultur und unkonventioneller Sterneküche selbst erleben wollen, führt kein Weg an einem Abend bei Max Strohe vorbei. Reservieren Sie rechtzeitig, bringen Sie Hunger mit und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen. Es erwartet Sie kein museales Menü, sondern ein Feuerwerk am Gaumen, das noch lange nachklingt.


