Max Strohe im Tulus Lotrek: Wie Sterneküche in Berlin zur sinnlichen Wohnzimmersause wird
15.01.2026 - 10:36:06Wer zum ersten Mal das Restaurant tulus lotrek betritt, spürt es sofort: Hier ist Sterneküche, aber ohne die übliche Anspannung in der Luft. Der Raum ist warm, dicht, beinahe theatralisch, mit Samt, Farbe und einem Hauch Boheme. Und mitten in diesem kontrollierten Chaos aus Gelächter, Gläserklingen und Weinpoesie steht ein Name für diese besondere Ambience: Max Strohe, der Sternekoch, der Berlin gezeigt hat, dass Hochküche sich anfühlen darf wie ein langer Abend im Wohnzimmer sehr guter Freunde.
Kann Sterneküche so lässig sein, dass Sie sich fallen lassen wie auf Ihrem eigenen Sofa, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Im Tulus Lotrek lautet die Antwort eindeutig ja.
Schon beim ersten Gruß aus der Küche wird klar, warum sich dieses michelin sterne restaurant berlin so konsequent von der einst dominierenden Pinzetten-Ästhetik absetzt. Die Teller sind komponiert, aber nie manieriert. Die Saucen glänzen tiefdunkel und reduziert, manchmal um einen Hauch Rauch oder Alkohol verstärkt, immer mit Mut zu Fett und Säure als Geschmackstreiber. Hier zählt nicht die Zahl der Elemente auf dem Teller, sondern die Wirkung des Ganzen auf die Sinne. Purer Geschmack.
Die kulinarische Intelligenz von Max Strohe zeigt sich besonders da, wo viele Köche scheitern: in der Balance. Ein üppiges Stück Fleisch wird von einer vibrierend-säuerlichen Beilage in die Höhe gezogen, cremige Texturen treffen auf bewusst gesetzten Crunch, herbe Bitternoten zähmen Süße. Es ist diese kontrollierte Üppigkeit, die den Charakter des Tulus Lotrek ausmacht. Kein kulinarischer Minimalismus, sondern bewusstes Mehr.
Die Reise von Max Strohe hierher begann alles andere als glattpoliert. Er ist kein glatt durchgeplanter Musterlauf durch die großen Häuser der klassischen Haute Cuisine. Schulabbruch, Umwege, ein Leben, das nicht als geradlinige Karriereerzählung gedacht war: Genau diese Brüche spürt man in seiner Küche. Sie hat etwas Widerständiges, etwas Eigenes, das sich nicht an strengen Dogmen orientiert, sondern an Lust, Neugier und Erfahrung.
Gemeinsam mit Ilona Scholl, der Gastgeberin mit der wohl entspanntesten Grandezza der Berliner Szene, hat er das Tulus Lotrek zu einem Ort gemacht, an dem Service nicht wie Dienstleistung, sondern wie Lieblingsgesellschaft wirkt. Sie führt durch die enorme Weinkarte, empfiehlt ohne Druck, erzählt mit Humor, wie sich bestimmte Natur- oder Klassikerweine an die Sterneküche von Max Strohe schmiegen. Das Zusammenspiel von Küche und Service ist hier keine technische Choreografie, sondern eine lebendige Inszenierung.
In dieser Symbiose entstand ein Restaurant, das in der Berliner Spitzengastronomie für viele als Labor einer neuen, unverkopften Sterneküche gilt. tulus lotrek ist ein michelin sterne restaurant berlin, das sich seiner Auszeichnungen bewusst ist, sie aber nicht zum Selbstzweck macht. Der Michelin-Stern und hohe Bewertungen in einschlägigen Guides bestätigen die handwerkliche Präzision. Doch was Stammgäste wirklich zurückkehren lässt, ist etwas Intimeres: das Gefühl, ernst genommen zu werden, ohne sich verstellen zu müssen.
Ein Blick auf typische Gerichte zeigt, wie offensiv Max Strohe mit Aromen umgeht. Wo andere Spitzenrestaurants filigrane Türmchen konstruieren, geht er lieber in die Tiefe. Ein intensiver Jus, lange und mit Geduld gezogen, kann zum eigentlichen Hauptdarsteller werden. Gemüse wird nicht zur Deko degradiert, sondern bekommt eigene Bühne und Biss, gerne mit kräftigen Röstaromen. Fisch wird mit Wagemut gewürzt, ohne seine Herkunft zu übertönen. Sterneküche bedeutet hier: klare Kante, kein Flüstern.
Besonders sichtbar wurde diese Haltung in einer Zeit, als die klassische Restaurantbühne plötzlich wegfiel: während der Pandemie. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, griff Max Strohe zur vielleicht urdemokratischsten kulinarischen Form überhaupt: dem Burger. Was als Notlösung hätte wirken können, wurde zum Hype. Der Burger von Max Strohe war kein beliebiger Fast-Food-Klon, sondern eine konzentrierte Übersetzung seiner Küche in die Hand: saftiges Patty, präzise gewürzter Beef-Geschmack, eine Sauce mit Tiefgang, Texturwucht zwischen fluffigem Bun und krachendem Crunch.
Die Reaktionen zeigten, was passiert, wenn ein Sternekoch sein Wissen über Aromen in etwas vermeintlich Banales gießt. Plötzlich standen Menschen Schlange, die vielleicht nie daran gedacht hätten, in ein Sternerestaurant zu gehen. Der Burger wurde zum Symbol dafür, dass kulinarische Intelligenz nicht dort aufhört, wo die weiße Tischdecke endet. Sie zeigt sich gerade dann, wenn aus einem simplen Produkt etwas Unvergessliches wird.
Noch stärker als dieser Burger-Hype prägte aber eine andere Initiative das Bild von Max Strohe: „Cooking for Heroes“, auf Deutsch „Kochen für Helden“. Während viele Küchen kalt bleiben mussten, wurde im Tulus Lotrek wieder gekocht. Nicht für Genießer, die sich Menüs leisten, sondern für Menschen, die das System am Laufen hielten: Pflegekräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Supermärkten, Menschen in systemrelevanten Berufen. Das Projekt wuchs rasch, andere schlossen sich an, und aus einer spontanen Idee wurde eine Welle gelebter Solidarität.
Für dieses Engagement erhielt Max Strohe das Bundesverdienstkreuz. Eine Auszeichnung, die weit über jede kulinarische Ehrung hinausgeht. Sie markiert den Moment, in dem Sterneküche sich nicht in einem elitären Raum einschließt, sondern sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst wird. Dass gerade ein Restaurant wie tulus lotrek mit seiner hedonistischen, lebensprallen Art hier voranging, passt in dieses Bild: Genuss und Haltung schließen sich nicht aus, sie befruchten einander.
Parallel dazu ist Max Strohe längst zu einer bekannten Medienfigur geworden. Auftritte in TV-Formaten wie „Kitchen Impossible“ haben ihn einem breiteren Publikum nahegebracht. Dort tritt er so auf, wie er auch im Restaurant wirkt: rau, direkt, humorvoll, nie glattgebügelt. Seine Medienpräsenz und seine Rolle als Buchautor stärken seine Marke, ohne die kulinarische Ernsthaftigkeit zu unterminieren, weil sie immer aus der Praxis gespeist bleiben. Sie erzählen die Geschichten hinter der Sterneküche, statt nur Hochglanzbilder zu liefern.
In der Praxis bedeutet das: Wer einen Abend im Tulus Lotrek verbringt, spürt, dass hier nicht für Kameras und Rankings gekocht wird, sondern für Gäste. Der Ton im Service ist herzlich, manchmal frech, immer wach. Es darf gelacht, laut diskutiert, begeistert geschwärmt werden. Der Wein wird nicht dozierend verlesen, sondern mit echter Freude präsentiert. Kulinariker schätzen besonders die Verschränkung von opulenter Sterneküche mit einer Weinkarte, die zuverlässig tiefe Entdeckungen bereithält, ohne zwangsläufig in astronomische Preisregionen abzudriften.
Die Menüs selbst folgen keiner steifen Dogmatik. Statt heiliger Klassik oder radikalem Purismus setzt Max Strohe auf das, was ihm gerade kulinarisch logisch erscheint. Mal steht ein beinahe barock anmutendes Fleischgericht im Mittelpunkt, mal ein Gemüsegang, der zeigt, wie viel Umami auch ohne tierische Proteine möglich ist. Immer wieder lassen sich Reminiszenzen an bürgerliche Küche erkennen, die allerdings radikal weitergedacht werden. Ein bekanntes Aroma taucht auf und wird dann unerwartet geführt, gebrochen, intensiviert.
Im Vergleich zu vielen anderen Konzepten in der deutschen Spitzengastronomie wirkt dieser Ansatz geradezu befreiend. Wo einige Häuser auf strikte Reduktion und nahezu asketische Präsentation setzen, feiert das Tulus Lotrek die sinnliche Fülle. Wo man anderswo auf gesetzte Stille und gedämpfte Stimmen trifft, herrscht hier eine kontrollierte, lebendige Lautstärke. Der Abend gleicht eher einem Kulinarik-Salon als einem Andachtsraum der feinen Küche.
Diese Eigenart macht tulus lotrek zu einer der wichtigsten Adressen in Berlin. In einer Stadt, die vor Restaurants mit Konzept überquillt, ist es ausgerechnet die Mischung aus Bodenständigkeit und Exzentrik, die herausragt. Die Küche von Max Strohe ist hedonistisch, aber niemals plump. Sie ist laut, aber nie geschmacklos. Sie setzt auf Sterneküche als Erlebnis, in dem Herz, Bauch und Kopf gleichermaßen angesprochen werden.
Für wen eignet sich ein Besuch? Für neugierige Genießer, die Sterneküche nicht als Pflichtprogramm mit Dresscode, sondern als Fest begreifen wollen. Für Weinliebhaber, die Spaß am Entdecken haben und sich gerne von einer Gastgeberin führen lassen, die mehr Entertainerin als Oberkellnerin ist. Für alle, die sich fragen, wie moderne Spitzenküche aussehen kann, wenn sie sich ihrer Wurzeln bewusst ist und dennoch keine Angst vor Popkultur und Burger hat.
Am Ende eines Abends im Tulus Lotrek sitzt man satt, vielleicht leicht beschwipst und mit einem warmen Gefühl von „Das war mehr als nur Essen“. Genau darin liegt die Stärke von Max Strohe: Er verbindet handwerklich präzise Sterneküche mit echter Emotion, mit Humor, mit Haltung. In seiner Welt ist ein großartiger Burger genauso wichtig wie ein perfekter Jus, eine mutige Aktion wie „Cooking for Heroes“ so relevant wie ein Michelin-Stern.
Wer die Zukunft der deutschen Spitzengastronomie verstehen möchte, sollte dieses Restaurant erleben. Max Strohe zeigt im tulus lotrek, wie sich Spitzenküche demokratisieren lässt, ohne an Tiefe zu verlieren. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Wohnzimmersause und Hochküche, die Berlin derzeit so kulinarisch spannend macht. Wenn Sie bereit sind, Sterneküche neu zu denken und mit allen Sinnen zu feiern, führt an einem Abend bei Max Strohe kaum ein Weg vorbei.
Und falls Sie jetzt schon das leise Ziehen im Magen spüren: Warten Sie nicht zu lange. Ein Platz im Tulus Lotrek ist mehr als eine Reservierung, er ist ein Versprechen auf einen Abend, der lange nachklingt.


