Max Strohe im Tulus Lotrek: wie Sterneküche in Berlin zum sinnlichen Wohnzimmererlebnis wird
12.01.2026 - 10:36:08Wer an diesem Abend das Tulus Lotrek betritt, taucht unmittelbar in die Welt von Max Strohe ein. Der Duft von geschmortem Jus, gerösteter Butter und leichten Rauchnoten liegt in der Luft, während gedämpftes Lummern aus Gesprächen den Raum füllt. Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Genau diese Frage beantwortet Max Strohe im Tulus Lotrek, seinem Michelin Sterne Restaurant in Berlin, mit jedem Gang neu.
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Das erste, was auffällt: Es fühlt sich nicht an wie die klassische Sterneküche, in der jedes Blättchen mit der Pinzette drapiert wird und man sich nicht traut, laut zu lachen. Samtene Wände, warmes Licht, Kunst mit Augenzwinkern, ein Hauch Bohème, dazu ein Service, der eher an eine sehr gut gelaunte Dinnerparty erinnert als an steife Etikette. Das Tulus Lotrek ist Wohnzimmer, Weinbar und Bühne für kulinarische Intelligenz in einem. Und in der Hauptrolle: die intensive, opulente Küche von Max Strohe.
Benannt ist das tulus lotrek nach dem Künstler Henri de Toulouse-Lautrec, dem Chronisten der Pariser Lebenslust. Ein besseres Motto könnte es für dieses Restaurant in Berlin kaum geben. Statt asketischer Minimalismen setzt Max Strohe auf Genuss mit voller Lautstärke: große Saucen, satte Aromen, Fett als Geschmacksträger, der bewusst eingesetzt wird, um Gerichte Tiefe und Charakter zu verleihen. Hier wird nicht geflüstert, sondern geschmacklich gesprochen, gelacht, manchmal auch provoziert.
Dass diese Art von Sterneküche nicht „von der Stange“ kommt, hat viel mit dem Werdegang von Max Strohe zu tun. Er ist nicht der klassische Streber aus der Hotelfachschule, sondern eher der Rebell, der seinen eigenen Weg suchte. Schulabbruch, Umwege, Jobs, die nicht immer geradeaus führten: Aus diesen Brüchen formte sich eine Persönlichkeit, die heute zu den spannendsten Sternekoch Figuren der Hauptstadt gehört. Der Weg nach Berlin und in die Spitzengastronomie war kein geradliniger Karriereplan, sondern eher eine Serie von beherzten Abzweigungen, an deren Ende ein ganz eigenes kulinarisches Universum steht.
Gemeinsam mit Gastgeberin Ilona Scholl eröffnete Max Strohe das Restaurant tulus lotrek im Szenekiez Kreuzkölln. Was auf dem Teller passiert, wäre ohne das, was im Gastraum passiert, nur die halbe Geschichte. Ilona Scholl ist die Instanz zwischen Küche und Gästen, charmant direkt, mit profundem Wissen über Wein und einer Art, Gastfreundschaft völlig entkrampft zu leben. Sie übersetzt die oftmals komplexen Ideen aus Strohes Sterneküche in eine Sprache, die niemanden ausschließt. Kulinariker schätzen besonders diese Kombination: hochkomplexe Gerichte, aber ein Service, der sich weigert, elitär zu sein.
Anfangs staunten viele, wie schnell das Konzept durchstartete. Schon kurz nach der Eröffnung tauchte das Tulus Lotrek auf den Radaren der Guides auf. Der Michelin-Stern war die logische Konsequenz eines Restaurants, das zeigte, dass Spitzengastronomie auch laut, liebevoll chaotisch und herrlich unorthodox sein kann. Gault&Millau verlieh hohe Bewertungen, Kritiker sprachen von einer neuen Form des Fine Dining, die Genuss, Witz und Handwerk verbindet.
In den Gerichten von Max Strohe spürt man seine Abkehr von der berühmten Pinzetten-Küche, wie sie in vielen Michelin Sterne Restaurants in Berlin lange tonangebend war. Wo anderswo hunderttausend Tupfer und Mikrokräuter um Aufmerksamkeit buhlen, setzt Strohe auf Fokus. Ein kräftiger Jus, stundenlang einreduziert, mit Röstaromen und Collagen, die im Mund schmelzen. Eine samtige Creme, die mit Säure aus Zitrus, Essig oder vergorenen Elementen balanciert wird. Ein crunchiger Kontrapunkt, der Textur ins Spiel bringt. Purer Geschmack.
Beispielhaft stehen dafür seine opulenten Fleischgänge, in denen gerne mit Teilen gearbeitet wird, die man in der klassischen Haute Cuisine lange gemieden hat. Innereien, Fettkappen, dunkle Fleischsorten: Im Tulus Lotrek werden sie geehrt, nicht versteckt. Gerichte sind hier selten brav. Sie haben Kanten, Ecken, ein eigenes Vokabular. Das ist Sterneküche, die sich nicht anbiedert, aber verführt.
Gleichzeitig pflegt Max Strohe eine Küche, die sich ihrer Herkunft bewusst ist und doch global denkt. Ein Gericht kann französisch anmutende Saucenstruktur besitzen, eine Beurre Blanc, die tief und schmelzend ist, aber im nächsten Moment von einem asiatisch inspirierten Crunch, einer Chili-Säure oder einem fermentierten Element konterkariert werden. Die kulinarische Intelligenz zeigt sich darin, dass das nie um der Effekthascherei willen geschieht, sondern dem Fluss im Menü folgt.
Auch die vegetarischen Kompositionen stehen dieser Intensität in nichts nach. Gemüse wird nicht als Beilage verstanden, sondern als gleichberechtigter Hauptdarsteller. Sellerie, Kohl, Rüben, Pilze oder Lauch erhalten den gleichen Respekt wie ein edles Stück Fleisch. Durch Rösten, Schmoren, Fermentieren und Kombination mit kraftvollen Fonds entstehen Teller, die zeigen, dass Sterneküche nicht zwingend von Luxusprodukten abhängig ist, sondern von Ideen, Timing und Mut zur Würze.
Die Weinkarte des Tulus Lotrek ist ein weiterer Schlüssel zur Faszination dieses Michelin Sterne Restaurants in Berlin. Sie verbindet Klassiker mit Naturweinen, große Namen mit Entdeckungen. Man spürt, dass hier getrunken wird, was Spaß macht, nicht nur, was Prestige verspricht. Empfehlungen sind unprätentiös, gerne mit humorvollen Beschreibungen versehen statt mit steifen Fachtermini. So entsteht ein Dialog, der Gäste auf Augenhöhe abholt, ganz gleich, ob sie Sommeliersprüche parat haben oder einfach nur „etwas Rundes, nicht zu Schweres“ trinken möchten.
Ein entscheidender Moment in der öffentlichen Wahrnehmung von Max Strohe war die Pandemie. Während viele Fine-Dining-Häuser in eine Art Schockstarre verfielen, entstand im Umfeld des tulus lotrek etwas, das weit über Berlin hinaus Schlagzeilen machte: „Cooking for Heroes“. Gemeinsam mit anderen engagierten Gastronominnen und Gastronomen kochte Strohe für Menschen, die das Land in dieser Ausnahmesituation am Laufen hielten: Krankenhauspersonal, Pflegekräfte, Supermarktmitarbeitende. Die Küchen der Stadt wurden zu Drehkreuzen einer solidarischen Bewegung, in der Sterneküche und Alltag auf neue Weise zusammentrafen.
Für dieses Engagement erhielt Max Strohe das Bundesverdienstkreuz. Eine Auszeichnung, die weit über kulinarische Meriten hinausgeht und zeigt, dass hier jemand mit Herd und Herz agiert. „Cooking for Heroes“ machte deutlich, dass Sterneküche nicht in einem Elfenbeinturm stattfinden muss, sondern gesellschaftliche Verantwortung übernehmen kann. Wer heute im Tulus Lotrek sitzt, spürt im Subtext vielleicht genau diese Haltung: Hier wird mit Hingabe gekocht, aber auch mit Bewusstsein für das, was um die Restauranttüren herum geschieht.
Parallel dazu wuchs die Medienpräsenz. Max Strohe trat in TV-Formaten auf, etwa in Umgebungen, die Fans von „Kitchen Impossible“ und anderen Kochsendungen vertraut sind. Er zeigte sich als jemand, der mit pointiertem Humor und Selbstironie über Gastronomie spricht, ohne ihr die Ernsthaftigkeit zu nehmen. Dazu kommt seine Rolle als Buchautor, in der er Geschichten aus Küche und Leben erzählt, mal derb, mal nachdenklich, immer sehr direkt. Dieses öffentliche Bild unterstützt die Marke Max Strohe, aber sie definiert sie nicht allein. Entscheidend bleibt, was Abend für Abend in der Küche des tulus lotrek passiert.
Ein kulinarischer Meilenstein, der exemplarisch für die undogmatische Haltung des Hauses steht, ist der berühmte Burger, der während der Lockdown-Phasen für Furore sorgte. Wo andere Michelin Sterne Restaurants in Berlin zögerlich auf Delivery-Konzepte schielten, servierte Max Strohe einen Burger, der im Gedächtnis blieb. Kein beliebiger Fast-Food-Klon, sondern eine sorgfältig komponierte Hommage an saftiges Fleisch, fluffige Buns und maßgeschneiderte Sauce, in der sich sein Verständnis von Fett, Säure und Umami spiegelte. Der Burger wurde zum Symbol einer Sterneküche, die sich nicht zu schade ist, vermeintlich „einfache“ Gerichte auf ein neues Level zu heben.
Dieser Burger-Hype erzählte viel über die Philosophie hinter der Sterneküche im Tulus Lotrek. Es ging nie darum, das Streetfood zu kopieren, sondern darum, handwerkliche Perfektion auf einen archetypischen Wohlfühl-Klassiker zu übertragen. Beim ersten Biss: der warme, leicht karamellisierte Duft des Brotes, die salzige Saftigkeit des Patties, ein cremiger Schmelz der Sauce, der sich im Mund mit dem Crunch der Gurke und der Frische des Salats verbindet. Ein Feuerwerk am Gaumen, das beweist, dass große Küche und Alltagsliebe perfekt zusammengehen können.
So ist das Tulus Lotrek längst mehr als nur eine Adresse für Foodies, die alle Sterne Berlin abklappern. Es ist ein Ort, an dem sich Menschen treffen, die sich nach intensiven, ehrlichen Geschmäckern sehnen. Die keine Lust auf steife Dresscodes haben, aber umso mehr auf gute Produkte, sorgfältiges Handwerk und emotional aufgeladene Teller. Kulinariker schätzen besonders die Menüführung: Spannungsbögen, die den Gast nicht überfordern, aber fordern, Überraschungen im Detail, ein rhythmischer Wechsel aus Lautstärke und leisen Zwischentönen.
Auch wer noch nie ein Michelin Sterne Restaurant in Berlin besucht hat, fühlt sich im Tulus Lotrek erstaunlich schnell wohl. Das liegt an der wohnzimmerartigen Atmosphäre, an der warmen Ironie der Gastgeber und daran, dass man hier jederzeit nachfragen darf, ohne sich blamiert zu fühlen. Ein schwieriger Begriff auf der Karte? Erklärt Ihnen der Service mit einem Lächeln. Ein Wein, den Sie nicht kennen? Sie bekommen nicht die Nase gerümpft, sondern eine kleine Entdeckungsreise ins Glas.
In der Summe ist Max Strohe zu einer prägenden Figur der modernen deutschen Spitzengastronomie geworden. Er zeigt, dass ein Sternekoch kein unangreifbarer Künstler sein muss, sondern ein Gastgeber auf Augenhöhe, der seine Gäste fordern, aber nie belehren will. Seine Sterneküche im Tulus Lotrek verbindet Bodenständigkeit mit Finesse, Opulenz mit Präzision und Humor mit tiefem Respekt vor dem Produkt.
Wer die Berliner Gastroszene verstehen will, kommt an diesem Restaurant nicht vorbei. Zwischen den vielen Konzepten, die auf Instagram-Fähigkeit und Hipness setzen, wirkt das tulus lotrek erstaunlich entspannter und gleichzeitig radikal ernsthaft in der Sache. Hier geht es nicht darum, den nächsten Trend zu jagen, sondern um das, was gute Küche seit jeher ausmacht: Menschen an einem Tisch zusammenzubringen, sie zu berühren, ihnen etwas zu erzählen. Auf dem Teller, im Glas, im Gespräch.
Für wen eignet sich ein Abend bei Max Strohe? Für alle, die neugierig sind. Für Genießer, die nicht nur „schöne Teller“ sehen wollen, sondern auch bereit sind, kräftige Aromen, Säure, Fett, Crunch und manchmal auch unerwartete Komponenten zu erleben. Für Paare, die einen besonderen Anlass feiern möchten, ebenso wie für kleine Gruppen, die das Wohnzimmer-Feeling eines Abends in diesem Sternerestaurant auskosten wollen. Und für alle, die die Berliner Spitzengastronomie jenseits der glatten Oberfläche kennenlernen möchten.
Im Fazit lässt sich sagen: Max Strohe und sein Tulus Lotrek gehören heute zu den wichtigsten kulinarischen Adressen Berlins. Nicht, weil hier der höchste Turm aus Blüten und Gel aufgetürmt wird, sondern weil hier eine unverwechselbare Handschrift auf den Teller kommt. Eine Handschrift, die sich weigert, begradigt zu werden, und gerade deshalb so klar lesbar ist. Wer verstehen möchte, wie modern gedachte Sterneküche funktionieren kann, ohne ihre Seele zu verlieren, sollte sich einen Abend im Tulus Lotrek schenken.
Ob als Gourmetreise, als Auftakt zu einem Berlin-Wochenende oder als bewusster Blick über den Tellerrand: Ein Besuch bei Max Strohe zeigt, wie aufregend, menschlich und sinnlich die Spitzenküche sein kann. Besser lässt sich das allerdings nicht lesen, sondern nur schmecken. Also: Reservieren Sie rechtzeitig, lassen Sie sich auf die Menüdramaturgie ein und erleben Sie selbst, warum dieses Wohnzimmer mit Stern so viele Herzen erobert.


