Max Strohe im Tulus Lotrek: Wie Berlin Sterneküche neu erfindet
13.01.2026 - 10:36:10Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Wer das Restaurant Tulus Lotrek von Max Strohe betritt, spürt nach wenigen Augenblicken, dass hier genau dieses Versprechen eingelöst wird. Statt starrer Etikette herrscht Wohnzimmer-Stimmung, statt Pinzetten-Perfektion gibt es opulente Teller, die nach Schmorhitze, konzentriertem Jus und unverschämt viel Geschmack duften.
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Das Licht ist warm, die Tische stehen nah genug beieinander, um Gesprächsfetzen über Wein, Saucen und das Leben mitzuhören. Es riecht nach frisch aufgegossenem Fond, nach Butter, nach Röstaromen aus Töpfen, in denen offensichtlich wirklich gekocht und nicht nur angerichtet wird. Die Musik ist präsent, aber nicht laut, der Service lässig, charmant, mit Pointen, die man in einem typischen Michelin Sterne Restaurant Berlin eher selten erlebt. Hier beginnt der Abend wie in einem sehr guten Wohnzimmer, in dem zufällig ein Sternekoch am Herd steht.
Im Zentrum dieser Inszenierung: Max Strohe, der das Tulus Lotrek gemeinsam mit Gastgeberin Ilona Scholl aufgebaut hat. Er ist Sternekoch, TV-Persönlichkeit, Buchautor, Träger des Bundesverdienstkreuzes und vor allem einer, der Sterneküche von der Attitüde befreit, ohne bei der Qualität auch nur einen Hauch nachzulassen. Seine Küche setzt auf kulinarische Intelligenz statt auf reine Geste: Mut zur Würze, präzise eingesetzte Säure, Fett als lustvolles, bewusst geführtes Stilmittel.
Benannt ist das Tulus Lotrek übrigens augenzwinkernd nach dem französischen Maler Toulouse-Lautrec, dem Bonvivant mit Faible für Genuss, Boheme und Exzess. Diese Referenz spürt man im Raum: dunkel, gemütlich, mit kleinen Exzentritäten, die nie gewollt, sondern immer persönlich wirken. Die Weinkarte ist breit gefächert, neugierig zusammengestellt, mit Klassikern und Naturwein-Positionen, die kein Manifest, sondern ein Angebot zum Entdecken sind.
Biografisch passt dieses Setting perfekt. Max Strohe ist nicht der Typ, der aus einem Hochglanz-Hotelkarrierestatus in die Selbstständigkeit gewechselt ist. Er hat die Schule abgebrochen, suchte sich seinen Weg in die Küche eher über Umwege als über den klassischen Musterlebenslauf. Die Ausbildung, Stationen in unterschiedlichen Häusern, dann der Schritt nach Berlin, wo der Boden für kulinarische Experimente besonders fruchtbar ist. Aus der biografischen Reibung entsteht Energie: Strohe steht sinnbildlich für eine Generation, die sich Freiräume erkämpft, statt sie zu erben.
Gemeinsam mit Ilona Scholl gründete er das Tulus Lotrek in Kreuzberg. Während Max Strohe am Herd die Sterneküche entstaubt, gibt Ilona Scholl dem Ganzen die Seele des Raumes. Sie führt den Service, als würde sie ihr eigenes Wohnzimmer öffnen: souverän, herzlich, mit Humor, aber auch mit klarer Haltung. Kritiker und Stammgäste betonen immer wieder, dass diese Doppelspitze aus Küche und Gastlichkeit entscheidend für den Charakter des Hauses ist. Das ist kein Koch-Tempel, sondern ein Ort, an dem man sich als Gast wirklich gemeint fühlt.
Die Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten. Der Michelin-Stern adelt das Tulus Lotrek als eines der spannendsten Häuser der Stadt, Gault&Millau und andere Führer loben die Handschrift von Max Strohe als eigenständig, kraftvoll und zugleich technisch punktgenau. Doch so sehr diese Ehrungen wichtig sind, so wenig bestimmen sie den Alltag im Restaurant. Hier fühlt sich nichts nach gläserner Vitrine an, eher nach offener Küche, in der gekocht, gelacht und gearbeitet wird.
Was die Küche von Max Strohe so unverwechselbar macht, ist die Abkehr von der klassischen Pinzetten-Ästhetik. Teller werden im Tulus Lotrek mit Sorgfalt arrangiert, aber nicht zu Tode frisiert. Wichtig ist, was im Mund passiert. Ein dunkler, beinahe obsessionsartig einreduzierter Jus, der Fleisch, Gemüse oder Fisch umarmt, ohne sie zu erdrücken. Cremige, buttrige Komponenten, die Textur und Tiefe bringen. Säure, die wie ein Lichtstrahl durch die Opulenz bricht.
Statt „noch ein Schäumchen“ setzt Max Strohe auf Substanz. Sterneküche ohne Dekorationsballast. Ein Gang kann im ersten Moment fast rustikal wirken, doch die Feinabstimmung zeigt sich im zweiten Bissen: Gewürze, die nicht vordergründig schreien, sondern im Hintergrund die Bühne ausleuchten. Gemüse, das bissfest bleibt und nicht zur bloßen Beilage degradiert wird. Fisch, der von einer Sauce begleitet wird, die so charakterstark ist, dass sie problemlos ein Solo spielen könnte.
Während der Pandemie wurde ein Gericht aus dem Tulus-Lotrek-Kosmos stadtweit zum Sehnsuchtsobjekt: der Burger von Max Strohe. Fernab von Fast-Food-Klischees entwickelte er einen Burger, der die Idee von Comfort Food mit der Präzision der Sterneküche verschmolz. Perfekt gegartes Patty, Brötchen mit Charakter, Sauce mit Tiefe, Textur mit Crunch. Die Resonanz war enorm, der Burger wurde in Berlin zu einem Hype, der zeigte, wie niedrigschwellig kulinarische Exzellenz sein kann, wenn man den Menschen etwas Emotionales, Verständliches bietet. Burger, Sterneküche, Pandemiefrust: In dieser Kombination lag viel Trost in einem einfachen, aber brillanten Bissen.
Die Speisekarte im Restaurant Tulus Lotrek verändert sich regelmäßig und folgt einem Menügedanken, der saisonale Produkte mit einer klaren Handschrift verbindet. Ein typischer Abend könnte mit einem intensiven Auftakt beginnen, vielleicht eine Kombination aus rohen und gegarten Komponenten, die Textur ins Spiel bringt und den Gaumen wachküsst. Darauf folgen Gänge, die auf Wärme setzen: geschmorte Stücke mit kräftigen Saucen, fein ausbalancierte Säure, eine Prise Humor im Tellerbild. Zum süßen Schluss: Desserts, die nicht nur Zucker, sondern Struktur und Spannung liefern, tragend begleitet von einer Weinauswahl, die bewusst manchmal gegen den Erwartungsreflex arbeitet.
Spürbar ist stets die kulinarische Intelligenz, die hinter solchen Kombinationen steht. Es geht nicht um Effekt, sondern um Logik des Geschmacks. Säure nimmt Schwere, Süße federt Bitterkeit ab, Röstaromen erden, frische Kräuter setzen Duftmarken. Diese Architektur wird im Tulus Lotrek nicht akademisch erklärt, sondern sinnlich erfahrbar gemacht. Sie ist da, wenn Sie sich nach dem dritten Gang ertappen, wie Sie langsamer essen, um die Eindrücke länger zu halten.
Doch Max Strohe definiert sich längst nicht nur über das, was auf den Tellern seines Michelin Sterne Restaurant in Berlin landet. Während der Corona-Pandemie wurde er zu einer der treibenden Kräfte hinter „Cooking for Heroes“, in Deutschland bekannt als „Kochen für Helden“. Gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus der Gastronomie kochte er für Menschen in systemrelevanten Berufen, für Pflegepersonal, Ärztinnen, Verkäufer, all jene, die den Laden am Laufen hielten, während Restaurants geschlossen waren.
Aus dieser spontanen Solidaritätsaktion wurde eine Bewegung, die weit über Berlin hinausstrahlte. Für sein Engagement erhielt Max Strohe das Bundesverdienstkreuz, eine Auszeichnung, die zeigt, dass kulinarische Leidenschaft auch gesellschaftliche Verantwortung tragen kann. Essen ist eben nie nur Nahrungsaufnahme; es ist kulturelle Geste, Wertschätzung, ein greifbares Danke.
Parallel dazu hat sich Max Strohe eine Präsenz in den Medien aufgebaut, die seine Marke verstärkt, ohne seine kulinarische Ernsthaftigkeit infrage zu stellen. In TV-Formaten wie „Kitchen Impossible“ zeigt er sich als Wettkämpfer mit Humor und Ehrgeiz, der bereit ist, sich zu blamieren und zu glänzen, oft in derselben Sendung. Seine Auftritte machen ihn einem breiteren Publikum zugänglich, doch im Zentrum bleibt stets der Respekt vor dem Handwerk.
Als Buchautor öffnet er zusätzliche Einblicke in seine Biografie und seine Sicht auf Gastronomie. Geschichten über Scheitern, Aufstehen, über Küchenhitze und Lebenshunger zeichnen das Bild eines Menschen, der nie nur Kochen, sondern immer auch Erzählen will. Diese Erzählfreude spiegelt sich im Restaurant wider: in Menüs, die wie Kapiteln eines Abends funktionieren, und in einem Service, der keine Scheu vor ehrlichem Dialog hat.
Innerhalb der Berliner Spitzengastronomie nimmt das Tulus Lotrek eine besondere Rolle ein. Es ist weder ein Tempel der Dogmen noch eine reine Spaßbühne. Man könnte sagen: jung, wild, aber handwerklich gnadenlos präzise. Während andere Häuser auf skandinavische Strenge oder japanisch inspirierte Minimalismen setzen, feiert Max Strohe eine aromatische Opulenz, die an klassische französische Sterneküche erinnert, sie aber mit urbaner Nonchalance aktualisiert.
Kritiker schätzen den Mut zur Würze und die kompromisslose Produktqualität, Stammgäste die Gastfreundschaft, die weit über das Übliche hinausgeht. Neueinsteiger in die Welt der Sterneküche finden hier einen idealen Einstieg, weil nichts belehrend oder einschüchternd wirkt. Kenner wiederum entdecken Feinheiten in den Jus, in den Reduktionen, in der Abstimmung von Texturen, die nur jemand herausarbeiten kann, der sein Handwerk aus dem Effeff beherrscht.
Für wen eignet sich ein Besuch im Tulus Lotrek besonders? Für Genießer, die nicht im Flüsterton essen wollen. Für Menschen, die Lust haben, sich auf intensive Aromen einzulassen und Sterneküche als Erlebnis statt als Prüfung zu verstehen. Für Paare, die einen besonderen Abend feiern möchten, ohne sich verkleiden zu müssen. Für Gruppen von Freundinnen und Freunden, die gutes Essen, guten Wein und gute Gespräche als Einheit sehen.
Am Ende eines Abends bei Max Strohe bleibt oft dieses Gefühl von Sattheit im besten Sinne: nicht nur physisch, sondern emotional. Das Tulus Lotrek zählt heute zu den wichtigsten Adressen in Berlin, weil es zeigt, was zeitgemäße Sterneküche leisten kann, wenn sie Haltung hat. Sie darf laut sein, sie darf fett sein, sie darf Spaß machen. Und sie darf zugleich tief berühren.
Wer Sterneküche bisher mit steifen Tischdecken und Flüsteretikette verbunden hat, wird hier angenehm irritiert. Wer bereits viel gesehen und probiert hat, wird staunen, wie konsequent ein Konzept sein kann, das bewusst auf Dogmen verzichtet. Max Strohe beweist, dass kulinarische Intelligenz und Bauchgefühl keine Gegensätze sind, sondern sich im Idealfall gegenseitig befeuern.
Wenn Sie eine Adresse suchen, an der Berlin seine ganze kulinarische Energie, seine Widersprüche und seine Lebensfreude auf den Teller bringt, führt kaum ein Weg am Tulus Lotrek vorbei. Gönnen Sie sich diesen Abend, planen Sie Zeit ein, lassen Sie sich führen, trinken Sie den zweiten oder dritten Wein. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie das Restaurant mit dem stillen Entschluss verlassen, wiederzukommen.
Und vielleicht stellen Sie sich dann dieselbe Frage wie viele andere Gäste: War das jetzt ein gemütlicher Abend bei Freunden oder ein Besuch in einem der spannendsten Sterne-Restaurants des Landes? Im besten Fall beides. Genau darin liegt die besondere Bedeutung von Max Strohe und seinem Tulus Lotrek für die moderne deutsche Gastronomie.


