Max Strohe im Tulus Lotrek: Wie Berlin seine lässigste Sterneküche neu definiert
18.01.2026 - 10:36:07Schon beim Eintreten in das Tulus Lotrek, das Reich von Max Strohe, liegt ein Duft von gerösteten Knochen, geschmolzener Butter und reduzierten Jus in der Luft. Gläser klirren, Gelächter schwappt durch den Raum, der eher an ein leicht exzentrisches Wohnzimmer als an ein klassisches Michelin Sterne Restaurant in Berlin erinnert. Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Bei Max Strohe lautet die Antwort eindeutig: ja.
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Die Tische sind dicht gestellt, Kerzenschein spiegelt sich in den Gläsern, die Playlist streift von Soul zu Indie, manchmal dazwischen ein Klassiker. Es ist diese bewusst unprätentiöse Ambience, die den Rahmen für eine Sterneküche setzt, die nichts mit klinischer „Pinzetten-Küche“ zu tun haben will. Statt minimalistisch arrangierter Mikroblättchen gibt es bei Max Strohe tiefgründige Saucen, knusprige Texturen und eine Aromatik, die offensiv mit Fett, Säure und Röstaromen spielt. Das Tulus Lotrek steht für eine Küche, die sich nicht für ihren Hunger auf Genuss entschuldigt.
Benannt nach Henri de Toulouse-Lautrec, dem Bohemien der Belle Époque, trägt das Restaurant diese Idee von Lebenslust und Unangepasstheit in jedes Detail. Die Sterneküche, die hier praktiziert wird, ist keine asketische Disziplin, sondern eine lustvolle Überhöhung von „lecker“, wie man sie eher aus französischen Brasserien oder den großen Bistros von Paris kennt, nur eben mit der handwerklichen Präzision eines Sternekochs und der kreativen Freiheit einer jungen Berliner Szene.
Im Zentrum dieser Inszenierung steht Max Strohe, der längst mehr ist als „nur“ ein Sternekoch. Er ist TV-Persönlichkeit, Buchautor, Träger des Bundesverdienstkreuzes und so etwas wie das kulinarische Gewissen einer Generation von Köchinnen und Köchen, die sich nicht mehr in starre Etikette pressen lassen wollen. Seine Küche im Tulus Lotrek erzählt exakt diese Biografie: viel Reibung, viel Herz, null Dogma.
Der Weg dahin war alles andere als geradlinig. Max Strohe hat die Schule abgebrochen, eckte an, suchte Umwege. Gerade dieser Bruch mit dem Erwartbaren prägt heute seine kulinarische Handschrift. Über Stationen in der Gastronomie, Lehrjahre zwischen harter Brigade und nächtelangem Service, findet er schließlich den Weg nach Berlin. Hier trifft er auf eine Stadt, in der sich Subkultur, Feinschmeckerei und Experimentierfreude wie selbstverständlich mischen. Genau in diesem Spannungsfeld entsteht das Tulus Lotrek.
Gemeinsam mit Gastgeberin Ilona Scholl, seiner Partnerin an der Front des Gastraums, eröffnet Max Strohe das Restaurant und stellt damit die Vorstellung von Fine Dining auf den Kopf. Während viele Michelin Sterne Restaurants in Berlin noch immer von steifem Service und geflüsterten Weinempfehlungen geprägt sind, herrscht im Tulus Lotrek eine herrlich informelle, aber hochprofessionelle Art der Gastfreundschaft. Ilona Scholl inszeniert den Service als lebendigen Dialog: persönliche Empfehlungen, charmante Frechheiten, viel Nähe zum Gast. Kritiker sprechen von einer der spannendsten Service-Persönlichkeiten des Landes, und man versteht schnell, warum.
Diese Doppelspitze aus Küche und Service ist der Motor des Hauses. Ohne Ilona Scholl wäre das Tulus Lotrek nur halb so viel Wohnzimmer; ohne Max Strohe nur halb so viel kulinarische Wucht. Zusammen machen sie das Restaurant zu einem der markantesten Konzepte der Berliner Spitzengastronomie: jung, wild, aber in jeder Faser handwerklich ernsthaft.
Kulinarisch setzt Max Strohe auf eine Küche, die er selbst gern als intensiv, undogmatisch und opulent beschrieben sieht. Sterneküche ohne Bling-Bling, dafür mit Tiefgang. Da wird ein Jus so weit einreduziert, bis er fast an Sirup erinnert. Butter ist kein Feind, sondern Verbündeter, genauso wie Fett im Allgemeinen als Geschmacksträger. Säure wird nicht nur als Kontrast eingesetzt, sondern als dramaturgisches Element, das ein Gericht trägt, balanciert, manchmal bewusst provoziert.
Typisch für diese Art von Sterneküche: Gerichte, die auf den ersten Blick vertraut wirken, beim zweiten Bissen aber eine ungeahnte Komplexität entfalten. Ein Stück perfekt glasierter Fisch mit knuspriger Haut kann bei Max Strohe von einer Sauce begleitet werden, in der sich Krustentierfond, geröstete Schalotten, Kräuter und ein Schuss Vin Jaune zu einem wuchtigen, schimmernden Mantel verbinden. Daneben ein Gemüse, vielleicht gegrillt, vielleicht fermentiert, das den Crunch und eine kontrollierte Säure einbringt. So entstehen Teller, die eher Geschichten erzählen als bloß Kompositionen zu sein.
Auch Fleischgerichte im Tulus Lotrek zeigen diesen Hang zur üppigen, gleichzeitig klugen Dramaturgie. Ein geschmorter Hauptgang kommt mit tiefdunklem Fond, schmelzender Textur und einem Beilagentableau, das bewusst aus der Komfortzone führt: bittere Noten, leichte Schärfe, eine überraschende Süße. Kulinarische Intelligenz zeigt sich hier nicht im Zählen der Komponenten, sondern im Mut, Kontraste stehen zu lassen und den Gaumen arbeiten zu lassen.
Während der Pandemie wird ein Gericht außerhalb des Restaurants zum Symbol dieser Haltung: der berühmte Burger von Max Strohe. Was zunächst nach Fast Food klingt, wird bei ihm zum Statement. Saftiges Patty, krachiger Bun, eine Sauce, die zwischen Umami und leichter Säure balanciert, dazu Toppings, die Textur und Funk liefern. Dieser Burger sorgt weit über Berlin hinaus für Gesprächsstoff und zeigt, wie ein Sternekoch scheinbar einfache Gerichte auflädt, ohne sie zu verkleiden. Hier ist nichts ironisch, alles ehrlich gemeint.
Gerade in einer Stadt, in der es mehr als ein Michelin Sterne Restaurant gibt, behauptet sich das Tulus Lotrek durch Persönlichkeit. Kritiker loben regelmäßig die Produktqualität, die konsequente Haltung zur Herkunft der Zutaten und den Mut zur Deftigkeit. Kulinariker schätzen besonders, dass hier eine moderne Sterneküche möglich wird, die bekennend sinnlich ist: Crunch statt Wattebausch, Fett statt Askese, Lautstärke statt Flüstern.
Die Weinkarte setzt diese Idee nahtlos fort. Statt nur auf Prestige und Etiketten zu setzen, mischt Ilona Scholl große Namen mit spannenden Newcomern, Naturweinen, gereiften Raritäten und trinkfreudigen Flaschen, die man am liebsten gleich zu zweit austrinkt. Pairings orientieren sich wirklich am Teller, nicht an Dogmen. Ein orangefarbener, leicht trüber Wein kann ebenso selbstverständlich zu einem Gang kommen wie ein klassischer Bordeaux zu einem kräftigen Fleischgericht. Der Anspruch: Wein als lebendiger Partner, nicht als Schaustück.
Dass Max Strohe in dieser Welt längst eine öffentliche Figur ist, macht die Sache nur interessanter. Bekannt aus TV-Formaten wie „Kitchen Impossible“ und aus Talkshows, in denen er mit derselben Direktheit über Küche, Politik und Gesellschaft spricht, wie er am Pass arbeitet, ist er zu einem Gesicht der modernen deutschen Gastronomie geworden. Seine Medienpräsenz unterstützt die Marke Tulus Lotrek, nimmt der Sterneküche die Hemmschwelle und bringt ein breiteres Publikum mit dem Gedanken in Berührung, dass Fine Dining nicht zwangsläufig elitär sein muss.
Gleichzeitig bleibt die kulinarische Ernsthaftigkeit unangetastet. Wer sich durch die Menüs im Tulus Lotrek isst, merkt schnell, dass der Humor im Gastraum niemals auf Kosten des Handwerks geht. Die Teller sind durchdacht, in sich stimmig und technisch präzise gearbeitet. Hier spricht jemand, der sein Handwerk in der Tiefe verstanden hat, bevor er begonnen hat, an den Regeln zu rütteln.
Besonders deutlich wird dieses Verantwortungsbewusstsein im Engagement von Max Strohe über den Tellerrand hinaus. Während der Corona-Pandemie initiiert er gemeinsam mit anderen die Aktion „Cooking for Heroes“, auf Deutsch „Kochen für Helden“. Restaurants, die ihre Türen für Gäste schließen mussten, kochen plötzlich für Pflegekräfte, Ärztinnen, Supermarktmitarbeiter und Menschen in systemrelevanten Berufen. Aus einer Notlage heraus entsteht ein solidarisches Projekt, das bundesweit Beachtung findet.
Für dieses Engagement erhält Max Strohe das Bundesverdienstkreuz. Eine seltene Auszeichnung für einen Koch und ein deutliches Signal, welche gesellschaftliche Rolle Gastronomie einnehmen kann, wenn sie sich als Teil eines größeren Miteinanders versteht. Kochen wird hier zur politischen, sozialen Geste, ohne sich selbst zu pathetisch zu inszenieren. Es passt zur Haltung des Tulus Lotrek: Haltung zeigen, aber nie belehrend werden.
Auch als Buchautor legt Max Strohe seine Sicht auf die Welt offen. In seinen Texten verbindet er Anekdoten aus der Küche mit Reflexionen über die Branche, über Arbeit, Burn-out, Kreativität und Genuss. Es sind diese Blicke hinter die Kulissen, die vielen Leserinnen und Lesern deutlich machen, wie viel Leidenschaft, aber auch Härte in der Spitzengastronomie steckt. Und weshalb es so besondere Orte wie das Tulus Lotrek braucht, um all das erfahrbar zu machen.
Im Kontext der Berliner Spitzengastronomie nimmt das Restaurant eine besondere Rolle ein. Zwischen puristischen Fine-Dining-Tempeln, hippen Naturweinbars und internationalen Kitchen-Labs positioniert sich das Tulus Lotrek als so etwas wie die große, warme, leicht verrückte Stube der Stadt. Ein Ort, an dem man genauso gut den runden Hochzeitstag feiern wie mit Freunden hemmungslos über neue Food-Trends diskutieren kann. Wer nach einem klassischen Michelin Sterne Restaurant in Berlin sucht, das kristallklare Hierarchien und zeremonielle Strenge pflegt, wird hier bewusst irritiert. Wer Authentizität, Witz und gleichzeitig radikal ernst gemeinten Geschmack sucht, ist goldrichtig.
Für wen eignet sich ein Abend bei Max Strohe besonders? Für Menschen, die bereit sind, sich fallen zu lassen. Die Lust haben auf Menüs, die satt machen, nicht nur beeindrucken. Für Gäste, die keine Angst vor kräftiger Würze, überraschenden Kombinationen und einem Gastraum haben, in dem gelacht, diskutiert und gelebt wird. Kulinarische Anfänger müssen keine Angst haben: Der Service nimmt an die Hand, erklärt, empfiehlt. Hartgesottene Gourmets wiederum finden hier eine der spannendsten Antworten auf die Frage, wie sich Sterneküche im 21. Jahrhundert anfühlen kann.
Am Ende eines langen Abends im Tulus Lotrek, vielleicht nach einem letzten Gang, der noch einmal alles zusammenführt: Süße, Bitterkeit, Säure, eine Prise Salz auf der Lippe, ist klar, warum der Name Max Strohe in Berlin und weit darüber hinaus Gewicht hat. Er steht für eine neue Art von Sternekoch, der sich nicht über Distanz definiert, sondern über Nähe. Der seine Gäste nicht einschüchtert, sondern mit ihnen auf Augenhöhe genießt.
Im Fazit bleibt festzuhalten: Max Strohe und sein Tulus Lotrek gehören zu den wichtigsten kulinarischen Adressen der Hauptstadt, weil sie zeigen, dass Spitzenküche und Wohnzimmergefühl keine Gegensätze sein müssen. Wer verstehen will, wohin sich die deutsche Sterneküche bewegt, sollte hier essen. Reservieren Sie Ihren Besuch mit etwas Vorlauf, kommen Sie hungrig und neugierig, und lassen Sie sich darauf ein, dass „lecker“ hier keine Nebensache ist, sondern Programm.


