Marktraum-Eröffnung: Wiener Gastronomie am Scheideweg
26.11.2025 - 20:29:12Wien eröffnet ein Kulinarik-Juwel, während Spitzenköche vor einer Pleitewelle warnen. Zwei Welten prallen aufeinander: Champagnerlaune trifft auf nackten Überlebenskampf.
Am vergangenen Wochenende übergaben Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS) den neuen “Marktraum” am Naschmarkt seiner Bestimmung. Nach jahrelangen politischen Debatten steht nun eine moderne Ergänzung zur traditionsreichen Institution. Doch ausgerechnet in dieser Woche schlagen TV-Köche und Insolvenzexperten Alarm: Die Branche drohe zu zerbrechen.
Wo früher Autos auf heißem Asphalt parkten, locken jetzt 13 neue Marktstände mit regionalem Fokus. Eine begrünte, barrierefreie Dachterrasse bietet Ausblicke auf die Wienzeile. Von der Workshopküche bis zu Verkostungszonen orientiert sich das Konzept am Londoner Borough Market.
Das Projekt ist Teil eines 27-Millionen-Euro-Gesamtbudgets zur Umgestaltung des Areals. Die rot-pinke Stadtregierung will beweisen: Klimaanpassung und wirtschaftliche Nutzung schließen sich nicht aus. Kritiker bemängeln allerdings die hohen Kosten und die jahrelange Baustellenbelastung für umliegende Betriebe.
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“Es geht ans Eingemachte”
Ausgerechnet heute meldeten sich Frank Rosin und Alexander Kumptner mit dramatischen Appellen zu Wort. Die beiden TV-Köche nutzten ihre neue Kooperation, um auf die prekäre Lage der Wirte aufmerksam zu machen.
“Wir müssen das nicht schönreden”, sagte Kumptner. “Es geht gerade ans Eingemachte für viele Branchen, auch die Gastronomie.” Sein Kollege Rosin sekundierte: “Ich sehe gerade schwarz.”
Die Warnungen reflektieren eine harte Realität. Gestiegene Energiepreise, höhere Personalkosten und inflationsbedingte Kaufzurückhaltung haben die Margen fast vollständig aufgefressen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Der KSV1870 prognostiziert für 2025 rund 7.000 Unternehmensinsolvenzen in Österreich. Besonders hart trifft es den Sektor Gastronomie und Beherbergung. Bereits im ersten Halbjahr verzeichnete die Branche einen Anstieg der Pleiten um über 5 Prozent.
Wien entwickelt sich zum Insolvenz-Hotspot: Experten rechnen allein in der Bundeshauptstadt mit bis zu 2.650 Firmenpleiten bis Jahresende.
Ein weiteres Phänomen belastet die Wirte zusätzlich: No-Shows. Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien, warnte kürzlich vor kurzfristigen Stornos bei Weihnachtsfeiern. Wenn große Gruppen am selben Tag absagen, bleiben Betriebe auf den Kosten für Personal und Wareneinsatz sitzen – in der aktuellen Lage existenzbedrohend.
Die Schere geht auseinander
Die Entwicklungen zeigen eine deutliche Zweiteilung des Marktes. Luxus- und Event-Gastronomie wie der neue Marktraum profitieren vom Städtetourismus und zahlungskräftiger Klientel. Hier wird investiert, hier wird gefördert.
Die traditionelle Mittelstandsgastronomie kämpft dagegen ums Überleben. Das klassische Wiener Beisl oder familiengeführte Restaurant verfügt oft nicht über die Kapitaldecke für Durststrecken. Diese breite Basis der österreichischen Esskultur droht still und leise wegzubrechen.
Ein entscheidender Winter
Die kommenden Wochen werden zur Schicksalsfrage für viele Wiener Gastronomen. Das Weihnachtsgeschäft muss die Verluste des Jahres kompensieren. Die Wirtschaftskammer appelliert an die Fairness der Gäste, Reservierungen einzuhalten.
Der neue Marktraum mag ein Symbol für die Zukunft der Stadt sein – modern, grün und chic. Doch ob die traditionelle Wiener Gastlichkeit den Winter überlebt, ist unsicherer denn je. Wie Frank Rosin es formulierte: Viele Unternehmer sind derzeit schlichtweg verzweifelt.
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