Lonza-Aktie, Neubewertung

Lonza-Aktie zwischen Neubewertung und Hoffnung: Wie viel Turnaround steckt im Schweizer Pharmazulieferer?

13.01.2026 - 10:08:37

Die Lonza Group AG ringt nach einem schwierigen Jahr um Vertrauen an der Börse. Analysten sehen Chancen im Biotech-Geschäft, doch der Weg zurück zu alter Stärke bleibt steinig.

Die Lonza Group AG ist wieder zu einem der spannendsten, aber auch kontroversesten Titel im europäischen Gesundheitssektor geworden. Nach einem tiefgreifenden Strategiewandel, Gewinnwarnungen und einem deutlichen Kursrutsch versucht der Schweizer Pharmazulieferer, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Am Markt schwankt das Sentiment derzeit zwischen vorsichtigem Optimismus und hartnäckiger Skepsis: Während die einen in der bereinigten Bewertung eine Einstiegschance sehen, fürchten andere weitere operative Rückschläge im margenstarken Biologika-Geschäft.

Mehr zur Lonza Group AG und ihrer aktuellen Entwicklung als Aktie direkt beim Unternehmen

Im aktuellen Handel notiert die Lonza-Aktie (ISIN CH0013841017) gemäss Daten von Yahoo Finance und der SIX Swiss Exchange bei rund 420 CHF. Der Kursverlauf der vergangenen Tage zeigt eine nervöse Seitwärtsbewegung mit leicht positiver Tendenz, nachdem die Aktie zuvor mehrere Monate unter starkem Druck gestanden hatte. Auf Sicht von drei Monaten steht weiterhin ein deutliches Minus zu Buche, doch kurzfristig stabilisiert sich der Titel – ein klassisches Bild für eine mögliche Bodenbildungsphase, die allerdings noch nicht bestätigt ist.

Der Blick auf die 52-Wochen-Spanne verdeutlicht die noch immer fragile Lage: Zwischen einem Tief im Bereich um 320 CHF und einem Hoch von etwa 515 CHF hat die Aktie enorme Schwankungen hinter sich. Damit handelt Lonza aktuell deutlich unter ihrem Jahreshoch, aber komfortabel über dem Jahrestief. Aus Marktsicht ergibt sich daraus ein gemischtes Bild: Das Abwärtspotenzial scheint zunächst begrenzt, doch für einen nachhaltigen Aufwärtstrend braucht es überzeugende operative Belege, dass das neue Geschäftsmodell trägt.

Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr in die Lonza Group AG eingestiegen ist, blickt auf eine holprige Reise zurück. Ausgehend von einem damaligen Schlusskurs im Bereich von ungefähr 460 CHF ergibt sich bis heute ein Kursrückgang von grob 8 bis 10 Prozent – je nach exaktem Einstiegsniveau und Rundung. In Zahlen bedeutet das: Aus 10.000 CHF Investment wären heute nur noch rund 9.000 bis 9.200 CHF geworden, Dividenden außen vor gelassen.

Emotional fühlt sich das für viele Langfrist-Anleger eher wie eine verpasste Chance als wie ein dramatischer Verlust an. Denn der Kursverlauf war zwischendurch deutlich schmerzhafter: Phasenweise lag die Aktie im vergangenen Jahr 20 bis 25 Prozent tiefer als noch zwölf Monate zuvor. Wer in solchen Momenten die Nerven behalten und nicht verkauft hat, konnte immerhin einen Teil der Verluste wieder gutmachen. Dennoch: Von der einstigen Erfolgsgeschichte des Biotech-Zulieferers, der während der Pandemie zu den grossen Profiteuren zählte, ist an der Börse nicht mehr viel Glanz übrig.

Unter Performance-Gesichtspunkten war ein Investment in Lonza in den vergangenen zwölf Monaten damit deutlich weniger attraktiv als ein Engagement in einem breiten Schweizer Aktienindex oder einem globalen Gesundheits-ETF. Während viele Pharma- und Medtech-Konzerne dank stabiler Geschäftsmodelle und solider Dividendenrenditen zumindest seitwärts oder leicht positiv tendierten, musste Lonza einen Bewertungsaufschlag abgeben, der zuvor jahrelang als nahezu selbstverständlich galt.

Für antizyklische Anleger könnte darin allerdings auch eine Chance liegen: Ein wesentlicher Teil der schlechten Nachrichten scheint eingepreist, und die Bewertung hat sich normalisiert. Entscheidend wird jedoch sein, ob es dem Management gelingt, im kommenden Jahr wieder kontinuierlich zu liefern – sowohl operativ als auch kommunikativ.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

In den vergangenen Tagen stand Lonza erneut im Fokus der Finanzpresse. Mehrere Meldungen betreffen vor allem die strategische Ausrichtung des Unternehmens und die Dynamik im margenstarken Segment der Auftragsentwicklung und -produktion für Biopharmazeutika (CDMO). Nachdem Lonza bereits im vergangenen Jahr mit dem vollständigen Verkauf des Spezialchemie-Geschäfts und der Fokussierung auf den Gesundheits- und Biotechbereich Schlagzeilen gemacht hatte, richtet sich der Blick nun verstärkt auf die Kapazitätsauslastung in den grossen Biologika-Anlagen.

Analystenberichten zufolge ist besonders die Nachfrageentwicklung im Bereich Biotech und Zell- und Gentherapien von zentraler Bedeutung. Vor wenigen Tagen verwiesen mehrere Häuser auf eine zunehmende Zurückhaltung kleinerer Biotech-Unternehmen bei neuen Entwicklungsmandaten – ein Effekt der schwächeren Finanzierungsbedingungen in der Branche. Das trifft einen Teil von Lonzas Kundenbasis und erhöht den Druck, mehr Geschäft mit grossen Pharmakonzernen zu generieren, um die Auslastung hochprofitabler Produktionslinien zu sichern.

Anfang der Woche berichteten Agenturen zudem über neue, wenn auch selektive, Vertragsabschlüsse im Bereich Biopharma, die als positives Signal für das Vertrauen der Industrie in Lonzas Technologie- und Qualitätskompetenz gewertet werden. Details zu Volumen und Margen werden traditionell nur begrenzt veröffentlicht, doch allein die Tatsache, dass Lonza weiterhin als strategischer Partner grosser Pharmakonzerne auftritt, beruhigt einen Teil des Marktes. Finanzportale wie Reuters und Bloomberg hoben hervor, dass diese Nachrichten dazu beigetragen haben, den Kurs von den jüngsten Tiefständen etwas zu lösen.

Auf der anderen Seite nageln Investoren das Management weiterhin an früheren Versprechen fest. Die in den vergangenen Quartalen kommunizierten Anpassungen der Mittelfristziele und die Zurücknahme überoptimistischer Wachstumsannahmen hatten das Vertrauen erheblich beschädigt. Vor wenigen Tagen erinnerten mehrere Kommentatoren daran, dass Lonza nun in einer Bringschuld steht: Jede neue Prognose wird genau darauf abgeklopft, ob sie konservativ genug ist, um weitere Enttäuschungen zu vermeiden. Technische Analysten verweisen derweil auf ein Bild der Konsolidierung: Die Aktie schwankt in einer breiten Handelsspanne, leichte Erholungsversuche stossen bislang regelmässig auf Widerstand im Bereich um 440 bis 450 CHF.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Das Analystensentiment zur Lonza Group AG ist derzeit überwiegend verhalten positiv, jedoch mit klaren Vorbehalten. Gemäss aktuellen Erhebungen von Finanzportalen wie Yahoo Finance, MarketScreener und Refinitiv überwiegen Kauf- und Halteempfehlungen, während explizite Verkaufsempfehlungen in der Minderheit bleiben. In den vergangenen Wochen haben mehrere grosse Häuser ihre Einschätzungen aktualisiert – teils nach unten angepasste Kursziele, aber dennoch mit der Botschaft, dass die Talsohle bei der Bewertung zumindest näher gerückt sei.

Eine Reihe internationaler Banken, darunter JPMorgan, Morgan Stanley und UBS, stufen die Aktie weiterhin mit "Overweight" oder "Buy" ein, wenngleich mit reduzierten Kurszielen. Die Spannbreite der bekannten Ziele liegt grob zwischen 430 und 520 CHF je Aktie. Im Schnitt bewegt sich das Konsenskursziel knapp über dem aktuellen Kursniveau, was einem moderaten Aufwärtspotenzial im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich entspricht. Besonders hervorgehoben wird dabei das langfristige strukturelle Wachstum im CDMO-Markt: Der Trend zu Biologika, komplexen Wirkstoffen und individualisierter Medizin spielt Lonza strategisch in die Karten.

Deutsche Bank und Credit Suisse (beziehungsweise deren Nachfolgeorganisationen) zeigen sich in ihren jüngsten Einschätzungen etwas vorsichtiger. Sie verweisen auf operative Risiken bei der Auslastung, auf steigende Kosten und auf den zunehmenden Wettbewerb, speziell im Standard-Biologika-Segment. Ihre Empfehlungen tendieren eher Richtung "Hold" beziehungsweise "Neutral", mit Kurszielen, die nur geringfügig über dem aktuellen Kurs liegen. Aus ihrer Sicht bleibt der Bewertungsabschlag gegenüber früheren Jahren gerechtfertigt, bis Lonza wieder eine verlässliche Historie operativer Planerfüllung vorweisen kann.

Goldman Sachs und andere US-Häuser betonen dagegen stärker die Turnaround-Story: In ihren Modellen wird unterstellt, dass sich die Nachfrageschwäche im Biotech-Sektor allmählich normalisiert und Lonza dank seiner technologischen Breite und globalen Präsenz überproportional davon profitiert. In dieser optimistischeren Sichtweise ist der aktuelle Kursrückgang eher eine temporäre Delle in einem intakten strukturellen Wachstumstrend. Das führt zu ambitionierteren Kurszielen im oberen Bereich der Spanne, verbunden mit klaren Kaufempfehlungen.

Unterm Strich ergibt sich damit ein geteiltes Bild: Die "Wall Street" sieht mehrheitlich Potenzial, aber längst nicht mehr um jeden Preis. Die Zeiten, in denen Lonza mit deutlichen Bewertungsprämien gegenüber dem Sektor gehandelt wurde, scheinen vorerst vorbei. Der Markt verlangt sichtbare operative Beweise, bevor er bereit ist, wieder einen hohen Zukunftsbonus zu zahlen.

Ausblick und Strategie

Entscheidend für den künftigen Kursverlauf wird sein, ob Lonza seinen strategischen Fokus erfolgreich umsetzt. Das Unternehmen hat sich klar als globaler Auftragshersteller und Entwicklungspartner für die Pharma- und Biotechindustrie positioniert. Der Ausstieg aus der klassischen Spezialchemie war konsequent, hat aber gleichzeitig den Druck erhöht: Die Profitabilität hängt nun stärker an der Auslastung weniger, dafür hochkapitalintensiver Geschäftsbereiche. Aus Sicht professioneller Investoren ist dies eine Wette auf Skaleneffekte und technologische Führerschaft – mit entsprechend höherem Risiko, falls die Nachfrage hinter den Kapazitätserweiterungen zurückbleibt.

Für die kommenden Monate zeichnen sich drei zentrale Themenkomplexe ab. Erstens: die Visibilität der Auftragsbücher. Anleger werden sehr genau darauf achten, welche Signale das Management zur Pipeline neuer Projekte, zum Mix aus grossen Pharma- und kleineren Biotechkunden sowie zu Vertragslaufzeiten und -konditionen sendet. Eine verbesserte Transparenz in dieser Frage könnte das Vertrauen deutlich stärken und die Volatilität verringern.

Zweitens rückt die Kostenkontrolle in den Mittelpunkt. Die vergangenen Investitionszyklen haben erhebliche Mittel gebunden; nun geht es darum, diese Anlagen effizient zu nutzen. Gleichzeitig steht Lonza wie die gesamte Branche unter dem Einfluss steigender Lohn- und Energiekosten sowie verschärfter regulatorischer Anforderungen. Gelingt es, Produktivität und Margen zu stabilisieren, könnte der Markt seine derzeit eher vorsichtige Haltung sukzessive aufgeben.

Drittens stellt sich die strategische Frage, wie stark Lonza in Zukunft auf wachstumsstarke, aber technologisch und regulatorisch anspruchsvolle Felder wie Zell- und Gentherapien oder Antikörper-Wirkstoff-Konjugate setzen will. In diesen Segmenten winken hohe Margen und langfristige Kundenbindungen, zugleich sind die Investitionen beträchtlich und die Erfolgswahrscheinlichkeit einzelner Projekte teilweise schwer kalkulierbar. Die Fähigkeit, Risiken zu streuen und dennoch ein attraktives Renditeprofil zu wahren, wird zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal.

Aus Sicht privater Anleger ergibt sich damit ein klares Profil: Lonza ist derzeit kein klassischer Defensivtitel mehr, der in jedem Marktumfeld als sicherer Hafen gilt. Vielmehr handelt es sich um eine zyklischere Wachstumsstory innerhalb des Gesundheitssektors – mit spürbarer Abhängigkeit von Investitionsentscheidungen der Biotech-Branche, von regulatorischen Trends und von der globalen Konjunktur im Pharmasektor. Wer einsteigt, sollte bereit sein, deutliche Kursschwankungen auszuhalten und einen mehrjährigen Anlagehorizont mitbringen.

Taktisch orientierte Investoren beobachten vor allem die technischen Marken: Auf der Unterseite gilt der Bereich um 360 bis 380 CHF als wichtige Unterstützungszone, die bereits mehrfach getestet wurde. Auf der Oberseite bildet die Region um 450 bis 470 CHF einen Widerstand, dessen Überwindung ein erstes charttechnisches Signal für einen stärkeren Rebound liefern könnte. Solange sich die Aktie zwischen diesen Marken bewegt, spricht vieles für eine anhaltende Phase der Konsolidierung und Positionsbereinigung.

Strategisch bleibt der langfristige Investment-Case unverändert: Die weltweite Nachfrage nach Biologika, komplexen Wirkstoffen und innovativen Therapieformen wächst, und der Trend zur Auslagerung von Produktion und Entwicklung an spezialisierte Partner wie Lonza hält an. Noch ist allerdings offen, in welchem Ausmass Lonza von diesem Wachstum tatsächlich profitieren kann – und wie hoch der Preis ist, der in Form von Investitionen, Margendruck und zeitweiser Unterauslastung zu zahlen ist.

Für Anleger, die an die strukturelle Stärke des Geschäftsmodells glauben und mit Zwischenkorrekturen leben können, kann die aktuell deutlich niedrigere Bewertung ein Einstiegsfenster öffnen. Wer hingegen vor allem Stabilität und berechenbaren Cashflow sucht, dürfte sich mit klassischeren Pharmawerten wohler fühlen. Die Lonza-Aktie bleibt damit eine selektive, aber potenziell lohnende Beimischung für Portfolios, die gezielt auf Wachstumschancen im Biotech-Ökosystem setzen – mit der klaren Prämisse, dass Geduld und Risikobewusstsein gefragt sind.

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