Lithium-Ionen-Batterien: Neue Sicherheitsregeln treffen auf deutsche Betriebe
27.12.2025 - 21:21:12Die Sicherheit im Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien wird zum zentralen Compliance-Thema für deutsche Unternehmen. Neue Leitlinien und EU-Vorgaben zwingen zu sofortigen Aktualisierungen der Sicherheitsunterweisungen.
Die letzten Tage des Jahres 2025 bringen eine klare Botschaft: Wer mit modernen Batterietechnologien arbeitet, muss seine Sicherheitsvorkehrungen jetzt auf den neuesten Stand bringen. Auslöser sind eine Reihe von Vorfällen im Laufe des Jahres und bedeutende regulatorische Updates, die in diesem Monat veröffentlicht wurden. Branchenverbände drängen Unternehmen zum sofortigen Handeln.
Das Herzstück der neuen Anforderungen ist der aktualisierte „Sicherheitsleitfaden für Lithium-Ionen-Großspeicher“ des Bundesverbands Energiespeicher (BVES). Er löst die Version von 2021 ab und reagiert auf den rasanten technologischen Hochlauf. Speichersysteme im Gigawattstunden-Bereich gelten nun nicht mehr als Ausnahme, sondern als Standard-Infrastruktur.
Der Leitfaden verlangt einen ganzheitlichen Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus abdeckt – von der Planung über den Transport bis zum Betrieb, der IT-Sicherheit und der „Second Life“-Nutzung. Besonderes Augenmerk liegt auf konstruktiven Druckentlastungssystemen und fortschrittlicher Gasdetektion. Zwar werden Batterieräume im Normalbetrieb nicht als explosionsgefährdete Zonen eingestuft, doch bei einer Fehlfunktion ist ein strenger Explosionsschutz unerlässlich. Notfallpläne müssen daher spezifische Protokolle für die Erkennung und Behandlung von Entgasung enthalten, noch bevor es zu einem thermischen Durchgehen kommt.
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EU drängt auf strengere Entsorgungsvorgaben
Parallel zur Speichersicherheit erhält das Thema Entsorgung politischen Rückenwind. Deutschland und Österreich haben sich in der EU dafür stark gemacht, europaweit Lösungen gegen Batteriebrände in Entsorgungsanlagen zu finden. Der europäische Abfallwirtschaftsverband FEAD unterstützt diese Initiative und warnt vor einer systemischen Gefahr für kritische Infrastrukturen und die Arbeitssicherheit.
Für die betriebliche Unterweisung bedeutet das: Die getrennte Sammlung von Altbatterien muss strikter kommuniziert und umgesetzt werden. Die unsachgemäße Entsorgung, etwa im allgemeinen Gewerbemüll, birgt erhebliche Haftungs- und Sicherheitsrisiken. Diskutiert werden unter anderem eine verschärfte Herstellerverantwortung und mögliche Pfandsysteme.
Geschwollene Batterien: Erkennen und richtig handeln
Ein Sicherheitshinweis vom 24. Dezember unterstreicht die akute Gefahr durch beschädigte Batterien. „Aufgeblähte“ oder deformierte Akkus stellen ein sofortiges Zündrisiko dar und müssen umgehend isoliert werden. Neue Daten zeigen, dass ein signifikanter Anteil der Betriebsbrände auf beschädigte und dann unbeaufsichtigte Geräte zurückgeht.
Mitarbeiter müssen geschult werden, Warnzeichen zu erkennen:
* Verformung oder Aufblähen des Gehäuses.
* Ungewöhnliche Wärmeentwicklung beim Laden.
* Chemische Gerüche, die auf auslaufenden Elektrolyt hindeuten.
Aktuelle Best Practices empfehlen zudem, Ladestationen für Gabelstapler oder Elektrowerkzeuge auf nicht brennbaren Untergründen zu platzieren und durch feuerfeste Barrieren von brennbaren Materialien zu trennen.
Warum die Eile? Der regulatorische Rückenwind
Die Dringlichkeit der aktuellen Warnungen speist sich aus einem größeren regulatorischen Umbruch. Das deutsche Batterierecht, das im Oktober 2025 vollständig in Kraft trat, hat die Haftungslage für Hersteller und Händler bereits verschärft. Es harmonisiert deutsche Vorgaben mit der EU-Batterieverordnung und schreibt höhere Sammelquoten sowie strengere Sorgfaltspflichten vor.
Der Markt reift, und die Sicherheit wandelt sich vom Nischenthema zur zentralen Compliance-Säule. Die explizite Aufnahme der IT-Sicherheit in den BVES-Leitfaden zeigt zudem, dass auch cyber-physische Bedrohungen als potenzielle Auslöser für Sicherheitsversagen ernst genommen werden.
Ausblick 2026: Der digitale Batteriepass kommt
Für das erste Quartal 2026 müssen sich Unternehmen auf die schrittweise Einführung des digitalen Batteriepasses vorbereiten. Für größere Industrie- und Elektrofahrzeugbatterien wird dieser digitale Lebenslauf verpflichtend. Er liefert transparente Daten zur chemischen Zusammensetzung, zum Gesundheitszustand und zu Demontageanleitungen.
Sicherheitsverantwortliche sollten die ruhige Zeit zwischen den Jahren nutzen, um ihre Gefährdungsbeurteilungen anhand der neuen BVES-Standards zu überprüfen. Es wird erwartet, dass Versicherer ab 2026 zunehmend den Nachweis der Einhaltung dieser Leitlinien als Voraussetzung für die Deckung verlangen werden. Der Fokus im Januar wird daher auf der Implementierung robuster Schulungsmodule liegen, die die Mitarbeiter auf die spezifischen Gefahren moderner Energiespeichersysteme vorbereiten.
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