LEGO Education setzt auf KI und ersetzt SPIKE-Portfolio
13.01.2026 - 07:51:12LEGO Education führt ein neues Lernsystem für Künstliche Intelligenz und Informatik ein – und stellt damit seine erfolgreiche SPIKE-Produktlinie ein. Das umfassende Angebot richtet sich an Schüler vom Kindergarten bis zur achten Klasse und soll abstrakte Technologiethemen durch haptisches Lernen begreifbar machen. Die Auslieferung startet im April 2026.
Hinter dem strategischen Schwenk steht eine klare Diagnose: Das Bildungssystem ist auf das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz nicht vorbereitet. Eine neue globale Studie von LEGO Education zeigt den Widerspruch auf. Zwar halten 69 Prozent der Lehrer KI-Kompetenz für die Zukunftschancen ihrer Schüler für essenziell. Doch 40 Prozent geben an, dass ihre Schulen nicht über die nötigen Ressourcen verfügen, um das Thema verantwortungsvoll zu unterrichten.
Hinzu kommt ein Motivationsproblem. Über die Hälfte der 1.800 befragten Pädagogen berichtet, dass bestehende Informatik-Ressourcen die Schüler langweilen oder sie den Stoff nicht verstehen lassen. Die Lösung des dänischen Spielzeugriesen? Weg vom passiven Lernen am Einzelbildschirm, hin zur aktiven Gruppenarbeit. Die neuen Sets sind explizit für Vierergruppen konzipiert und fördern Teamwork, Kommunikation und gemeinsames Problemlösen mit physischen und digitalen Werkzeugen.
Vom Bauklotz zum KI-Modell: Drei Stufen zum Verständnis
Das LEGO® Education Computer Science & AI-System ist ein komplettes Ökosystem. Es verbindet klassische Steine, interaktive Hardware und eine strukturierte digitale Lernplattform, die neue LEGO® Education Coding Canvas. Diese blockbasierte Programmierumgebung läuft im Browser oder als iOS-App.
Der Lehrplan ist in drei Altersstufen unterteilt:
* Kindergarten bis 2. Klasse (5-7 Jahre): Grundprinzipien der Logik und Informatik werden durch bildschirmfreie Aktivitäten und einfaches Block-Coding vermittelt.
* 3. bis 5. Klasse (8-11 Jahre): Hier werden Kernkonzepte der Künstlichen Intelligenz eingeführt. Die Schüler lernen, wie Maschinenlern-Modelle trainiert und getestet werden.
* 6. bis 8. Klasse (11-14 Jahre): In dieser Stufe wenden die Jugendlichen ihr Wissen in Robotik-Projekten an. Sie erforschen, wie KI dazu genutzt werden kann, Daten zu sammeln und zu interpretieren.
Das Paket umfasst über 30 projektbasierte Lektionen. Ein zentrales Verkaufsargument ist der Datenschutz: Das System arbeitet komplett offline, benötigt keine Schüler-Logins und speichert alle Daten lokal auf den Schulgeräten. So gelangen keine persönlichen Informationen zu LEGO oder Drittanbietern.
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Strategische Neuausrichtung mit Folgen für den Markt
Die Einführung des neuen Systems markiert eine Zäsur für LEGO Education. Das gesamte, beliebte SPIKE™ Portfolio – inklusive der Sets SPIKE Prime und SPIKE Essential – wird eingestellt. Diese radikale Ablösung zeigt, welch hohen strategischen Stellenwert das Unternehmen der KI-Bildung beimisst.
Die Umstellung betrifft auch die etablierte FIRST® LEGO® League. Ab der Saison 2026/2027 wird der renommierte Robotik-Wettbewerb als “Future Edition” mit der neuen Computer Science & AI-Hardware ausgetragen. Ziel ist es, den Zugang und das Engagement für alle Schüler zu vergrößern.
Die Preisgestaltung ist auf die Anschaffung durch Schulen ausgelegt. Ein Klassensatz startet bei umgerechnet etwa 310 Euro. Bei der vorgesehenen Nutzung in Vierergruppen ergibt sich ein Preis von rund 77 Euro pro Schüler. Für Schulbezirke, die ihren MINT- und Technologie-Lehrplan ausbauen wollen, bietet dieses Modell eine skalierbare Lösung.
Branchenanalyse: Haptik gegen die digitale Überforderung
Der Launch erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Debatte über KI in der Bildung hitzig geführt wird. Pädagogen und Politiker suchen nach Wegen, Schüler auf eine von KI geprägte Arbeitswelt vorzubereiten – und müssen gleichzeitig Bedenken hinsichtlich Datenschutz und verantwortungsvollem Technologieeinsatz adressieren.
LEGO Education setzt mit seinem offline-fähigen, haptischen Ansatz einen bewussten Kontrapunkt zu rein softwarebasierten Programmen oder dem direkten Umgang mit generativen KI-Chatbots. Komplexe Themen wie Maschinelles Lernen werden in physisches Bauen und Experimentieren eingebettet. Branchenbeobachter sehen darin einen klugen Schachzug. Ein früher, positiver Zugang zu MINT-Themen gilt als Schlüssel, um langfristig mehr Fachkräfte zu gewinnen.
Mit der Ablösung des SPIKE-Portfolios durch ein integriertes KI-System positioniert sich LEGO Education für eine Zukunft, in der KI-Kompetenz kein Nischenfach, sondern ein Kernbestandteil der Grund- und Mittelschulbildung ist. Der Erfolg dieses Vorstoßes könnte die gesamte Bildungsbranche beeinflussen und ähnliche Modelle fördern, die auf Zusammenarbeit und haptische Erfahrung als Weg zum digitalen Verständnis setzen.


