Lebensmittelindustrie, Druck

Lebensmittelindustrie unter Druck: Verbraucher fordern mehr Transparenz

17.01.2026 - 00:39:12

Die verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung in Deutschland wird auf 2027 verschoben, während sich Widerstand gegen EU-Pläne zur Lockerung der Gentechnik-Kennzeichnung formiert.

Verbraucher verlangen immer mehr Klarheit über ihre Lebensmittel. Diese Woche verschob der Bundestag das staatliche Tierhaltungskennzeichnungsgesetz erneut – ein klares Signal für den anhaltenden Druck auf Politik und Industrie. Gleichzeitig formiert sich Widerstand gegen Pläne der EU, die Gentechnik-Kennzeichnung zu lockern.

Tierhaltungskennzeichnung: Start auf 2027 verschoben

Der Deutsche Bundestag beschloss diese Woche, den Start der verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung auf den 1. Januar 2027 zu verschieben. Ursprünglich war der 1. März 2026 geplant. Die Koalition nutzt die Zeit für eine grundlegende Überarbeitung.

Zentrale Punkte der Nachbesserung sind:
* Ausweitung auf Gastronomie und Kantinen (geplant für Mitte 2027)
* Einbeziehung von importiertem Fleisch zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen

Bundesagrarminister Alois Rainer betonte, man suche unkomplizierte Lösungen, die vor allem für kleinere Betriebe keine ausufernde Bürokratie schaffen.

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Breites Bündnis kämpft für Gentechnik-Kennzeichnung

Parallel formiert sich starker Widerstand gegen EU-Pläne, die Kennzeichnung für Produkte aus neuen genomischen Techniken (NGT) zu lockern. Eine Allianz aus 45 Organisationen forderte anlässlich der Grünen Woche in einer Resolution den Erhalt der bestehenden Kennzeichnungspflicht.

„Das vorsätzliche Verschleiern dieser Informationen würde das Vertrauen in Politik und Lebensmittelwirtschaft massiv untergraben“, argumentierte ein Sprecher des führenden Verbands VLOG. Das Bündnis appelliert an die Bundesregierung und das Europaparlament, den Gesetzesvorschlag abzulehnen. Die Bundesregierung hat dem Plan bisher nicht zugestimmt.

Neue EU-Regeln und Forderungen nach Preistransparenz

Die Transparenz-Offensive geht über Tierhaltung und Gentechnik hinaus. Seit Anfang 2026 gelten strengere Regeln für den freiwilligen Nutri-Score. Verbraucherschützer begrüßen die Aktualisierung, kritisieren aber weiter die fehlende Pflicht.

Weitere EU-Regeln treten in Kraft:
* Ab Mitte Juni 2026 muss die Herkunft von Honig detailliert nach Gewichtsanteilen angegeben werden.
* Ab August 2026 verpflichten neue Vorschriften die Industrie zu nachhaltigeren Verpackungen.

Angesichts hoher Preise fordern Verbraucherzentralen zudem mehr Einblick in die Preisgestaltung entlang der gesamten Lieferkette. Sie schlagen eine unabhängige Beobachtungsstelle vor.

Die Weichen werden jetzt gestellt

Die kommenden zwei Jahre sind entscheidend. Während die überarbeitete Tierhaltungskennzeichnung 2027 starten soll, steht die Abstimmung zur Gentechnik-Kennzeichnung im Europaparlament noch im Frühjahr an. Der Druck der Verbraucher nach Ehrlichkeit im Supermarktregal wird voraussichtlich nicht nachlassen.

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