LEAG-Betriebsrat fordert konkrete Jobs für Kohle-Aus
19.01.2026 - 21:40:12Der Ruf nach einer echten Zukunft für die Kohle-Regionen wird lauter. Kurz vor einer wichtigen Konferenz zur Nachnutzung von Kraftwerksstandorten fordern der LEAG-Betriebsrat und die IGBCE Lausitz konkrete Zusagen für hochwertige Industriearbeitsplätze. Sie wollen einen „Beschäftigungs-Blackout“ verhindern.
Die Forderung richtet sich an die Teilnehmer der Konferenz „Nachnutzung stillgelegter Kraftwerksstandorte“ am 22. Januar in Cottbus. Dort treffen sich Vertreter von Bundesministerien, Landesregierungen und Energiekonzernen. Die Beschäftigtenvertreter kündigten eine Demonstration an, um auf die prekäre Lage – besonders am Kraftwerk Jänschwalde, das Ende 2028 vom Netz geht – aufmerksam zu machen.
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Vertrauen in Versprechungen schwindet
Im Kern geht es um die Angst vor einem wirtschaftlichen Kollaps in der Lausitz und im Rheinischen Revier. Das Vertrauen der Belegschaften und der Bevölkerung in politische und unternehmerische Zusagen schwinde besorgniserregend, so eine gemeinsame Erklärung. Pläne für Batteriespeicher oder Gewerbeparks seien zwar richtige Schritte, reichten aber nicht aus, um die zahlreichen tarifgebundenen Industriearbeitsplätze zu ersetzen.
Die zentrale Forderung lautet: Es müssen neue, nachhaltige Industriearbeitsplätze mit Perspektive für die junge Generation geschaffen werden. Andernfalls drohe eine Abwanderung qualifizierter Fachkräfte, die die wirtschaftliche Zukunft der Regionen gefährden würde. Gewerkschaften wie ver.di fordern seit langem umfassende Umschulungsprogramme, um das hochqualifizierte Personal etwa für die Erneuerbaren Energien fit zu machen.
Alte Kraftwerksstandorte als Chance
Die stillgelegten Industriestandorte bergen enormes Potenzial für die Energiewende. Sie verfügen über starke Netzanbindungen, große Flächen und eine vor Ort ansässige Facharbeiterschaft – ideale Voraussetzungen für die Energieinfrastruktur der Zukunft.
Studien, etwa des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), unterstreichen das. Ehemalige Kraftwerksstandorte in Deutschland böten mit einer Anschlussleistung von 67,6 Gigawatt genug Kapazität, um rund 65 Prozent des prognostizierten stationären Batteriespeicherbedarfs bis 2030 zu decken. Der Betriebsrat teilt diese Vision: Die Standorte sollten zu Zentren für grünen Wasserstoff, Energiespeicher und andere zukunftssichere Industrien werden.
Die Nagelprobe für den „Strukturwandel“
Deutschlands gleichzeitiger Ausstieg aus Atom und Kohle ist einzigartig. Der Konsens der „Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ und milliardenschwere Hilfen sollten den Wandel sozial abfedern. Doch für die Betroffenen vor Ort müssen aus diesen Zusagen jetzt verbindliche, standortspezifische Investitionspläne und Job-Garantien werden.
Die Forschung zeigt: Die Energiewende kann mehr Jobs schaffen, als im fossilen Sektor verloren gehen. Dafür braucht es aber gezielte Investitionen und politischen Willen. Das hohe Durchschnittsalter in der Braunkohle mag den Übergang durch Renteneintritte erleichtern, löst aber nicht das Problem der Perspektiven für Jüngere.
Von der Diskussion zur Umsetzung
Die Konferenz in Cottbus wird zur Nagelprobe. Der Betriebsrat und die Gewerkschaften stellen klar: Es reicht nicht mehr, über Konzepte zu diskutieren. Sie fordern einen verbindlichen Fahrplan für die industrielle Neuaufstellung mit Tarifbindung und guten Arbeitsbedingungen.
Das Ergebnis der Verhandlungen um Standorte wie Jänschwalde wird zum Gradmesser für den gesamten deutschen Strukturwandel. Es geht nicht mehr um das Ob der Energiewende, sondern um das Wie. Und dabei ist die menschliche Komponente entscheidend für ihren Erfolg.
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