Lancet-Kommission: 14 Risikofaktoren für Demenz identifiziert
17.01.2026 - 20:24:11Ein aktueller Bericht der Lancet-Kommission erweitert die Liste der bekannten, modifizierbaren Risikofaktoren für Demenzerkrankungen auf 14. Experten betonen, dass durch die Adressierung dieser Faktoren fast die Hälfte aller Fälle verhindert oder verzögert werden könnte, was die immense Bedeutung der Prävention für die Gehirngesundheit unterstreicht.
Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Demenzerkrankungen kein unabwendbares Schicksal sind, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ein im Jahr 2024 aktualisierter Bericht der renommierten “Lancet Commission on dementia prevention, intervention, and care” identifiziert nun 14 beeinflussbare Risikofaktoren. Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass durch eine theoretische Eliminierung dieser Faktoren bis zu 45 Prozent aller weltweiten Demenzfälle verhindert oder ihr Eintreten verzögert werden könnte. Diese Entwicklung rückt die präventive Rolle von Lebensstiländerungen und medizinischer Vorsorge stärker in den Fokus und bietet neue Hoffnung im Kampf gegen den kognitiven Verfall.
Die erweiterte Liste: Von Cholesterin bis Sehvermögen
Der jüngste Bericht der Lancet-Kommission fügte zwei neue, entscheidende Faktoren zu der bereits bestehenden Liste von zwölf hinzu: ein hoher LDL-Cholesterinspiegel im mittleren Lebensalter und ein unbehandelter Sehverlust im späteren Leben. Allein diese beiden Faktoren werden mit neun Prozent aller Demenzfälle in Verbindung gebracht. Schätzungen zufolge sind sieben Prozent der Fälle auf hohe LDL-Cholesterinwerte ab einem Alter von etwa 40 Jahren zurückzuführen und zwei Prozent auf eine unkorrigierte Sehschwäche. Die weiteren zwölf bereits bekannten Risikofaktoren umfassen ein niedriges Bildungsniveau in der Jugend, Bluthochdruck, Übergewicht, übermäßigen Alkoholkonsum, traumatische Hirnverletzungen, Hörverlust, Rauchen, Depression, soziale Isolation, körperliche Inaktivität, Diabetes und Luftverschmutzung.
Lebensstil im Fokus: Ein Leben lang für das Gehirn vorsorgen
Die Prävention von Demenz ist ein lebenslanger Prozess, der bereits in der Kindheit beginnt und bis ins hohe Alter andauert. Ein niedrigeres Bildungsniveau in frühen Jahren gilt als einer der signifikantesten Risikofaktoren. Im mittleren Lebensalter, etwa zwischen 40 und 65 Jahren, haben die meisten modifizierbaren Faktoren den größten Einfluss. Dazu gehören die Kontrolle von vaskulären Risiken wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und hohen Cholesterinwerten. Ein gesunder Lebensstil, der regelmäßige körperliche Aktivität, den Verzicht auf das Rauchen und nur mäßigen Alkoholkonsum einschließt, ist entscheidend. Übermäßiger Alkoholkonsum, definiert als mehr als drei Liter Bier oder zwei Liter Wein pro Woche, kann zum Verlust von grauer Hirnsubstanz führen.
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Sensorische Gesundheit und soziale Einbindung als Schutzfaktoren
Die neuen Erkenntnisse heben die Bedeutung der sensorischen Gesundheit hervor. Sowohl ein unbehandelter Hörverlust als auch eine nachlassende Sehkraft können das Demenzrisiko erhöhen. Der Mechanismus dahinter ist komplex: Menschen, die schlechter hören oder sehen, ziehen sich oft sozial zurück. Diese soziale Isolation führt dazu, dass das Gehirn weniger Reize verarbeitet und stimuliert wird, was die kognitive Leistungsfähigkeit mindern kann. Soziale Isolation und die daraus resultierende kognitive Inaktivität gelten als eigenständige Risikofaktoren. Experten empfehlen daher dringend, Hör- und Sehhilfen zu nutzen und soziale Kontakte aktiv zu pflegen, um das Gehirn fit zu halten.
Kontext und Analyse: Das große Potenzial der Prävention
Die Modellrechnungen der Lancet-Kommission, die von einem Präventionspotenzial von 45 Prozent ausgehen, sind als theoretischer Idealfall zu verstehen, bei dem alle 14 Risikofaktoren vollständig eliminiert werden. Auch wenn dies in der Realität kaum umsetzbar ist, unterstreicht die Zahl das enorme Potenzial, das in der Prävention liegt. Experten wie Stefanie G. Riedel-Heller vom Universitätsklinikum Leipzig betonen, dass bereits eine realistische Reduktion der Risikofaktoren auf Bevölkerungsebene eine große Wirkung hätte. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind vielfältig: Viele der Risikofaktoren schädigen die Blutgefäße und den Stoffwechsel, fördern Entzündungen im Gehirn oder schwächen die “kognitive Reserve” – die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegenüber Schäden.
Zukunftsausblick: Von der Forschung in die Praxis
Die Erkenntnisse der Lancet-Kommission sollen Politik, klinische Praxis und die Forschungsagenda maßgeblich beeinflussen. Es wird erwartet, dass zukünftige Berichte weitere modifizierbare Risikofaktoren identifizieren werden; Schlafmangel wird bereits als ein möglicher Kandidat diskutiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ebenfalls Leitlinien herausgegeben, die die Bedeutung von Public-Health-Maßnahmen unterstreichen. Für den Einzelnen lautet die Botschaft, dass es nie zu früh oder zu spät ist, mit präventiven Maßnahmen zu beginnen. Die Kontrolle des Blutdrucks, eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und die Pflege sozialer sowie geistiger Aktivitäten sind konkrete Schritte, die jeder für seine Gehirngesundheit unternehmen kann.


