KTM, Rheinmetall

KTM und Rheinmetall planen massiven Stellenabbau

30.01.2026 - 09:44:12

Der Motorradhersteller KTM streicht 500 Stellen, während bei Rheinmetall in Sachsen 380 Jobs durch den Verkauf der Autosparte gefährdet sind. Beide Konzerne reagieren auf Branchendruck.

Die deutsche Industrie steht vor einer turbulenten Woche: Zwei große Mobilitätskonzerne treiben Pläne für einen massiven Stellenabbau voran. In Österreich verhandelt der Motorradhersteller KTM über einen Sozialplan für Hunderte Mitarbeiter. In Sachsen bangen Beschäftigte eines Rheinmetall-Werks um ihre Zukunft.

KTM: Sozialplan für 500 Stellen in Finalisierung

In Mattighofen herrscht angespannte Stimmung. Management und Betriebsrat verhandeln über die Details eines umfassenden Sozialplans. Bestätigt ist: Rund 500 Stellen werden gestrichen. Betroffen sind vor allem administrative Positionen und das mittlere Management, nicht die Produktion.

Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft GPA laufen konstruktiv, aber sind aufgrund des Umfangs schwierig. Ziel ist ein Abschluss bis Mitte Februar. Dann erhalten die betroffenen Mitarbeiter ihre Kündigungen.

Der Hintergrund ist ein komplexes Geschäftsjahr für den Konzern, der nach einer Umstrukturierung jetzt Bajaj Mobility AG heißt. Vorläufige Zahlen zeigen ein gemischtes Bild: Der Nettoverschuldung halbierte sich 2025 auf 800 Millionen Euro. Der Umsatz brach jedoch um fast 46 Prozent auf rund eine Milliarde Euro ein. Ein positives Ergebnis von 590 Millionen Euro ist größtenteils auf einen einmaligen Sanierungsgewinn aus Insolvenzverfahren zurückzuführen.

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„Die Maßnahmen sind notwendig, um das Unternehmen für die Zukunft zu stabilisieren“, so CEO Gottfried Neumeister. Als Teil der Sparmaßnahmen räumt KTM auch seinen „House of Brands“-Komplex in Munderfing und zieht Teams zurück nach Mattighofen.

Rheinmetall: 380 Jobs in Hartha in Gefahr

Während bei KTM Klarheit herrscht, herrscht in einem Rheinmetall-Werk in Sachsen akute Unsicherheit. Im Werk Hartha, das Automobilkomponenten wie Pumpen (Marke Pierburg) fertigt, sind etwa 380 Arbeitsplätze bedroht.

Grund ist die strategische Neuausrichtung des Düsseldorfer Konzerns. Rheinmetall will sein Autozulieferergeschäft verkaufen, um sich fast ausschließlich auf das boomende Verteidigungsgeschäft zu konzentrieren.

Die IG Metall schlägt Alarm und fordert robuste Sicherheitsgarantien für die Belegschaft. Ein Sozialplan und langfristige Standortzusagen müssten im Falle eines Verkaufs vereinbart werden. Das Schicksal des Werks zeigt die gespaltene Realität bei Rheinmetall: Während der Rüstungsbereich Rekordaufträge einfährt und Tausende neue Mitarbeiter sucht, schrumpft das traditionelle Autogeschäft.

Trend: Druck auf traditionelle Mobilitätsbranche

Die parallelen Entwicklungen bei KTM und Rheinmetall unterstreichen einen breiteren Trend. Traditionelle Fahrzeughersteller und Zulieferer stehen 2026 unter immensem Druck, Fixkosten zu senken und schlanker zu werden.

Die Restrukturierung bei KTM ist bemerkenswert, weil sie gezielt Angestelltenpositionen betrifft. Dies gilt oft als letztes Mittel, wenn Einsparungen in der Produktion ausgeschöpft sind. Der Konzern baut nicht nur Stellen ab, sondern vereinfacht seine gesamte Unternehmensstruktur.

Bei Rheinmetall zeigt sich die rasante Transformation der Branche. Die massive Verlagerung von Kapital in Zukunftstechnologien wie Rüstung stellt Standorte mit Verbrenner-Kompetenz vor existenzielle Fragen. Für die Mitarbeiter in Hartha geht es nicht nur um Nachfrage, sondern darum, in einer Unternehmensstrategie noch einen Platz zu finden, die sich von Verbrennerkomponenten abwendet.

Was kommt als Nächstes?

Für die KTM-Belegschaft sind die nächsten zwei Wochen entscheidend. Der Sozialplan soll Mitte Februar stehen. Das Land Oberösterreich und das AMS signalisierten bereits Unterstützung, etwa durch eine Arbeitsstiftung zur Weiterqualifizierung.

In Sachsen ist der Zeitplan ungewisser. Verhandlungen über den Verkauf der Rheinmetall-Autosparte könnten Monate dauern. Die IG Metall kündigte an, den Druck auf das Management hochzuhalten, um Job- und Tarifschutz bei einem Verkauf durchzusetzen.

Beide Fälle sind ein deutliches Signal für die Volatilität im verarbeitenden Gewerbe. Strategische Kehrtwenden und finanzielle Restrukturierungen werden die Personalpolitik 2026 weiter prägen.

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