Krankenstand: Wirtschaft warnt vor Milliardenkosten, Politik streitet über Lösungen
17.01.2026 - 22:10:12Der anhaltend hohe Krankenstand in Deutschland belastet die Wirtschaft mit Milliardenkosten und spaltet die Politik. Während Arbeitgeberverbände eine Reform der Lohnfortzahlung fordern, sehen Gewerkschaften die Ursachen in krankmachenden Arbeitsbedingungen.
Im Schnitt fehlte jeder Arbeitnehmer 2024 an 22,3 Tagen. Laut dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kosteten die direkten Entgeltfortzahlungen die Unternehmen rund 82 Milliarden Euro. Eine Studie des Pharma-Verbands VFA beziffert die indirekten Kosten durch Produktionsausfälle 2023 auf weitere 26 Milliarden Euro.
Die Gründe sind komplex. Nach dem Wegfall der Corona-Maßnahmen sorgten starke Infektionswellen für einen sprunghaften Anstieg. Zudem erfasst die seit 2022 verpflichtende elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) auch kurzzeitige Ausfälle vollständiger.
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Experten sehen aber tieferliegende Probleme:
* Hohe Arbeitsbelastung und Personalmangel
* Eine älter werdende Belegschaft durch den demografischen Wandel
* Zunehmende psychische Belastungen
Politischer Streit: Generalverdacht vs. Kostendruck
Die Debatte ist entbrannt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte die hohe Zahl der Krankheitstage infrage und forderte eine Diskussion über die telefonische Krankschreibung.
Die Arbeitgeber gehen weiter. BDA-Präsident Rainer Dulger fordert eine grundlegende Reform:
* Abschaffung der telefonischen Krankschreibung als “Einfallstor für Missbrauch”
* Begrenzung der Lohnfortzahlung auf sechs Wochen per Jahr statt pro Erkrankung
* Das IW brachte zudem Karenztage ins Spiel
Gewerkschaften und Oppositionsparteien wehren sich scharf gegen diese Pläne. Sie werfen den Arbeitgebern vor, die Beschäftigten unter Generalverdacht zu stellen und von den wahren Ursachen abzulenken.
Teufelskreis aus Fachkräftemangel und Überlastung
Die Diskussion ist ein Spiegelbild der Arbeitsmarkt-Probleme. Der Fachkräftemangel erhöht die Belastung für das vorhandene Personal – was wiederum das Krankheitsrisiko steigert. Experten wie die Hans-Böckler-Stiftung warnen davor, die Debatte auf die Arbeitsmoral zu reduzieren.
Stattdessen fordern sie einen Fokus auf Prävention:
* Stärkung des betrieblichen Gesundheitsmanagements
* Förderung flexibler Arbeitsmodelle
* Bessere Work-Life-Balance zur Stärkung der psychischen Gesundheit
Die transparente Datenlage durch die eAU könnte helfen, Problemfelder künftig gezielter zu identifizieren. Die Suche nach einem ausgewogenen Weg zwischen Kostendruck und Arbeitnehmerschutz wird die Agenda weiter bestimmen.


