Krankenhausreform startet mit Insolvenzwarnungen
04.01.2026 - 02:21:12Die deutsche Krankenhauslandschaft steht am Scheideweg. Mit dem Jahreswechsel sind zentrale Teile der großen Reform in Kraft getreten – doch parallel warnen Ärztevertreter vor einer Welle von Pleiten. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Seit dem 1. Januar 2026 fließen erstmals Gelder aus dem neuen Krankenhaus-Transformationsfonds. Bis 2035 stehen bis zu 50 Milliarden Euro bereit, um Kliniken zu modernisieren und zu spezialisieren. Die Hälfte trägt der Bund, die andere Hälfte die Länder.
Doch die milliardenschwere Starthilfe wird von düsteren Prognosen überschattet. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, warnte am vergangenen Samstag vor einer drohenden Insolvenzwelle. Viele Häuser seien akut zahlungsunfähig, der Fonds komme für sie zu spät.
„Das ist zu wenig, zu spät“, zitiert die Neue Osnabrücker Zeitung den KBV-Chef. Das Kernproblem: Der Fonds finanziert langfristige Umbauten, löst aber nicht die akuten Liquiditätsengpässe. Für Klinikgeschäftsführer bedeutet das eine Zwickmühle: Sie müssen langfristige Transformationsanträge stellen, während sie gleichzeitig um ihre kurzfristige Zahlungsfähigkeit kämpfen.
Digitale Pflichten: ePA wird zur Hürde
Parallel zum finanziellen Neustart treten harte technische Vorgaben in Kraft. Seit Jahresbeginn müssen alle Abrechnungssysteme in Vertragsarztpraxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) „ePA-ready“ sein. Systeme ohne Konformitätsbestätigung für die elektronische Patientenakte (ePA) dürfen nicht mehr für die Abrechnung genutzt werden.
Kliniken und MVZ, die die notwendigen Updates verschleppt haben, drohen empfindliche Kürzungen ihrer Pauschalen für die Telematikinfrastruktur. Zudem gilt seit dem 1. Januar ein neuer Sicherheitsstandard: Die Telematikinfrastruktur unterstützt ausschließlich noch ECC-Zertifikate für die elektronische Heilberufsausweise.
Praxisverwaltungssysteme, die nicht bis zum 31. Dezember 2025 migriert wurden, könnten nun Verbindungsabbrüche erleiden. Die Folge: Digitale Rezepte oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen lassen sich nicht mehr ausstellen. Compliance-Abteilungen sind aufgefordert, ihre IT-Infrastruktur umgehend zu überprüfen.
NIS2: Cybersicherheit wird Pflicht
Ab dieser Woche kommt zusätzlicher regulatorischer Druck hinzu. Die Umsetzung der NIS2-Richtlinie erreicht einen kritischen Meilenstein. Ab Dienstag, dem 6. Januar 2026, geht die Registrierungsplattform für betroffene Einrichtungen live.
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Dazu zählen viele größere Gesundheitsversorger und Betreiber kritischer Infrastrukturen. Sie müssen sich beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) registrieren und fortan strenge Risikomanagement- und Meldepflichten für Cybervorfälle einhalten.
Für IT-Leiter in Kliniken bedeutet dies den Start in eine neue Ära der Verantwortung. Versäumnisse bei der Absicherung digitaler Infrastrukturen können hohe Geldstrafen und sogar persönliche Haftung für das Management nach sich ziehen.
Reform paradox: Stärkung der Investoren?
Die Gleichzeitigkeit dieser Neuerungen zeigt einen grundlegenden Wandel: Aus „Compliance als Bürokratie“ wird „Compliance als Überlebensstrategie“. Die Krankenhausreform zwingt Einrichtungen zu schnellen strategischen Entscheidungen über ihr Leistungsportfolio.
Analysten beobachten ein paradoxes Phänomen: Die Kombination aus strengen technischen Vorgaben und den kommenden NIS2-Anforderungen begünstigt große, professionell geführte Strukturen. Diese können die hohen Verwaltungskosten besser schultern.
Ironischerweise stärkt das genau die investorengetragenen MVZ, die eigentlich stärker reguliert werden sollten. Kleineren, ärztlich geführten Praxen fällt es dagegen schwerer, mit dem wachsenden Compliance-Aufwand Schritt zu halten.
Drei Prioritäten für Kliniken
Für die erste Arbeitswoche 2026 ergeben sich drei dringende Handlungsfelder für Klinikmanager:
- Liquiditätsmanagement: Cashflow im Blick behalten und parallel Anträge für den Transformationsfonds vorbereiten.
- IT-Check: ePA- und ECC-Funktionalität sofort überprüfen, um Abrechnungsunterbrechungen zu vermeiden.
- NIS2-Vorbereitung: Bereitschaft für die Registrierung ab dem 6. Januar sicherstellen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Transformationsfonds wirkt. Sollten die prognostizierten Insolvenzen eintreten, dürfte der Druck auf das Bundesgesundheitsministerium steigen, zusätzliche Notliquidität bereitzustellen. Die Reform wäre dann schon in ihrer ersten Bewährungsprobe.
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