KI-Verordnung: EU verschafft Mittelstand mehr Zeit bis 2027
08.01.2026 - 04:12:12Die EU hat die Fristen für Hochrisiko-KI-Systeme verschoben. Millionenbetriebe atmen auf – doch die Vorbereitungen müssen jetzt starten.
Die europäischen Unternehmen erhalten deutlich mehr Zeit, um ihre Künstliche Intelligenz auf die neuen EU-Regeln vorzubereiten. Statt im August 2026 müssen sogenannte Hochrisiko-KI-Systeme erst ab Dezember 2027 vollständig konform sein. Diese Verschiebung durch den sogenannten „Digitalen Omnibus“ der EU-Kommission soll vor allem dem Mittelstand zugutekommen und jährlich Hunderte Millionen Euro an Compliance-Kosten sparen.
Die verschärften Fristen des KI-Gesetzes (AI Act), das im August 2024 in Kraft trat, hatten die Wirtschaft unter Druck gesetzt. Ursprünglich sollten Systeme in kritischen Bereichen wie Personalauswahl, Kreditwürdigkeit oder Bildung bereits im Sommer 2026 vollständig den Vorgaben entsprechen. Diese Deadline erwies sich als unrealistisch.
Grund war ein fehlender Fahrplan: Die entscheidenden technischen Normen, an denen europäische Normungsgremien noch arbeiten, wären bis 2026 nicht rechtzeitig fertig geworden. Unternehmen hätten ihre KI gegen ein „bewegliches Ziel“ zertifizieren müssen – ein kostspieliges und innovationshemmendes Szenario, besonders für KMU.
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Die Kommission korrigierte diesen Plan mit ihrem „Digitalen Omnibus“-Paket Ende 2025. Die neue Stufung sieht nun vor:
* Für die meisten Hochrisiko-Systeme (Anhang III) gilt der 2. Dezember 2027 als Stichtag.
* Für KI in Produkten wie Maschinen oder Medizingeräten (Anhang I) gilt sogar der 2. August 2028.
Mittelstand spart Millionen
Die Fristverlängerung ist gezielt als Entlastung für den europäischen Mittelstand konzipiert. Laut einer Folgenabschätzung der Kommission werden die Vereinfachungen und Aufschübe voraussichtlich administrative Einsparungen von rund 225 Millionen Euro pro Jahr für KMU und kleine Mittelständler bringen.
Die Einsparungen entstehen, weil Unternehmen nicht unter Zeitdruck doppelte Arbeit leisten müssen. Sie können abwarten, bis die offiziellen Normen und unterstützenden Tools verfügbar sind, bevor sie ihre Systeme anpassen. So vermeiden sie teure Nachbesserungen.
„Vereinfachung bedeutet nicht, dass wir die Standards senken“, betonte Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen bei der Vorstellung des Pakets. Vielmehr solle die Infrastruktur – inklusive regulatorischer Sandkästen und klarer Leitlinien – erst vollständig stehen, bevor die strikten Regeln greifen. Das Paket erlaubt es Hochrisiko-KI zudem, sensible Daten gezielt zur Erkennung und Korrektur von Verzerrungen zu verarbeiten – ein wichtiger Schritt für faire Algorithmen.
Warum der „Omnibus“ notwendig wurde
Die Verschiebung ist Teil des größeren „Digitalen Omnibus“, der Überschneidungen zwischen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), dem Data Act und Cybersicherheitsvorschriften bereinigen soll.
Für die KI-Branche schließt er eine gefährliche Lücke. Die neuen Regeln sehen nun ein dynamisches Element vor: Die Pflichten für Hochrisiko-KI greifen erst, wenn die Kommission bestätigt, dass die notwendigen Normen und Tools verfügbar sind. Spätestens jedoch im Dezember 2027. Dies schafft Planungssicherheit.
2026 wird zum Vorbereitungsjahr
Trotz der Entwarnung bleibt 2026 ein entscheidendes Jahr. Die Verbote für KI mit „inakzeptablem Risiko“ – wie Social Scoring oder bestimmte biometrische Kategorisierung – gelten bereits seit Februar 2025. Auch die Transparenz- und Urheberrechtsregeln für leistungsstarke Generelle KI-Modelle (GPAI) laufen seit August 2025 schrittweise an.
Rechtsexperten raten Unternehmen, die gewonnene Zeit klug zu nutzen. KMU sollten jetzt eine Bestandsaufnahme ihrer KI-Systeme machen und sich am freiwilligen „KI-Pakt“ der Kommission beteiligen, der eine frühe Anwendung der Grundprinzipien fördert. Zudem haben nationale Aufsichtsbehörden mehr Zeit, ihre „regulatorischen Sandkästen“ aufzubauen. In diesen Testumgebungen können Unternehmen innovative KI vor der Markteinführung erproben.
Die Frist bis 2027 bietet eine realistische Atempause. Doch die Komplexität der KI-Verordnung bedeutet: Für viele Unternehmen beginnt die eigentliche Umsetzungsarbeit jetzt erst.
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