KI-Verordnung: EU lehnt Aufschub für Hochrisiko-KI ab
04.01.2026 - 00:51:12Die EU-Kommission macht ernst: Trotz massiver Industrielobbyarbeit gibt es keine Gnadenfrist für die Regulierung riskanter Künstlicher Intelligenz. Tausende Unternehmen müssen ihre Systeme bis August 2026 zertifizieren lassen – doch es fehlen Prüfer.
Brüssel. Das neue Jahr beginnt mit einer klaren Ansage aus Brüssel. Die Europäische Kommission hat am 1. Januar offiziell alle Hoffnungen auf eine Verschiebung der KI-Verordnung begraben. Der sogenannte „Stop-the-Clock“-Mechanismus, der eine zweijährige Pause bei den Vorgaben für Hochrisiko-KI bringen sollte, wurde abgelehnt. Damit startet der Countdown: Bis zum 2. August 2026 müssen Unternehmen ihre kritischen KI-Systeme vollständig konform machen.
Die Entscheidung trifft eine Branche, die bereits unter einem massiven Prüfer-Engpass leidet. Zugelassene Zertifizierungsstellen sind rar, die Wartelisten lang. Juristen warnen vor einer „Compliance-Krise“, die den europäischen Markt lähmen könnte. Wer die Frist verpasst, riskiert saftige Strafen: bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Viele Unternehmen stehen wegen der EU-KI-Verordnung vor harten Fristen — bis August 2026 müssen Hochrisiko-Systeme zertifiziert sein. Der Engpass bei den „Benannten Stellen“ macht die Umsetzung besonders dringlich. Ein kompakter Umsetzungsleitfaden erklärt die Pflichten, Risikoklassen, Kennzeichnungs- und Dokumentationsanforderungen sowie konkrete Schritte, wie Sie Konformität planen und Prüfungen vorbereiten. Kostenloser Download mit Checklisten und Praxistipps. Jetzt kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung herunterladen
Monatelang hatten Industrieverbände und Tech-Giganten auf eine Atempause gedrängt. Ihre Argumentation: Die technischen Normen für die Konformitätsbewertung seien noch nicht final, eine Zertifizierung daher unmöglich. Die Kommission ließ diese Einwände nicht gelten.
„Die Ära der freiwilligen KI-Ethik ist beendet“, heißt es in der am Neujahrstag veröffentlichten Erklärung. Der rechtliche Zeitplan der KI-Verordnung bleibe verbindlich. Zwar könne über technische Anpassungen diskutiert werden, doch der Kern des Rechtsrahmens für Hochrisiko-KI tritt wie geplant in Kraft. Betroffen sind Systeme in sensiblen Bereichen wie kritischer Infrastruktur, Personalwesen oder Strafverfolgung.
Damit beginnt ein siebenmonatiger Sprint für Unternehmen. Die Schonfrist für allgemeine KI-Modelle (GPAI) endete bereits 2025. Jetzt liegt der Fokus voll auf den anspruchsvollen Anforderungen für Systeme, die im Anhang III der Verordnung gelistet sind.
Prüfer-Lücke bedroht Marktzugang
Während die Deadline feststeht, hinkt die notwendige Infrastruktur hinterher. Ein akuter Mangel an „Benannten Stellen“ – den zugelassenen Prüforganisationen – entwickelt sich zum größten Engpass. Rechtsanalysten veröffentlichten am 2. Januar besorgniserregende Daten: Die Warteschlangen für Audits sind monatelang, einige Anbieter können vor dem August-Termin keine Prüfplätze mehr anbieten.
Was bedeutet das praktisch? Unternehmen, die bis zum Stichtag keine Zertifizierung vorweisen können, dürfen ihre KI-Systeme nicht mehr in der EU vermarkten. Der Betrieb nicht-konformer Systeme würde dann jene hohen Geldstrafen nach sich ziehen. Für Vorstände wird die Suche nach Prüfkapazitäten zur Top-Priorität.
Verwirrung um „Digital Omnibus“
Die Unsicherheit wird durch die unklare Zukunft des „Digital Omnibus“ verstärkt. Dieses Gesetzespaket wurde Ende 2025 intensiv diskutiert und sollte gezielte Aufschübe für bestimmte Hochrisiko-Pflichten bringen – geknüpft an die Verfügbarkeit harmonisierter europäischer Normen.
Die Kommission hat durch ihre Ablehnung des pauschalen „Stop-the-Clock“ jedoch klar gemacht, dass sich Unternehmen nicht auf großzügige gesetzliche Nachlässe verlassen sollten. Der Omnibus-Prozess ist zu langsam, um jetzt Planungssicherheit zu bieten. Experten raten Firmen deshalb, ihre Konformitätsmaßnahmen auf Basis der aktuellen Normenentwürfe voranzutreiben, statt auf endgültige Harmonisierung zu warten. Lediglich für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden noch vereinfachte Regelungen erwartet.
Letzte Chance: Konsultation zum Verhaltenskodex endet
Parallel zum Countdown läuft die Finalisierung des Verhaltenskodex für allgemeine KI (GPAI). Der erste Entwurf der Kommission vom 17. Dezember 2025 legt Transparenz- und Kennzeichnungspflichten für generative KI-Modelle fest.
Die Konsultationsphase dazu endet am 23. Januar 2026. Dieser Kodex wird der primäre Mechanismus sein, mit dem Anbieter die Einhaltung der Transparenzregeln nachweisen. Branchenverbände drängen ihre Mitglieder zur umgehenden Stellungnahme. Die technischen Spezifikationen – insbesondere zur maschinenlesbaren Kennzeichnung KI-generierter Inhalte – erfordern erheblichen technischen Vorlauf.
Der Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen
Die erste Woche 2026 hat die Lage verdeutlicht: Die Übergangsphase der KI-Regulierung ist vorbei. Die kommenden Monate werden von einem Wettrennen um Prüfkapazitäten und der raschen Implementierung risikobasierter Managementsysteme geprägt sein.
Die EU zeigt sich entschlossen, ihre Rolle als globaler Vorreiter in der KI-Regulierung zu behaupten – auch um den Preis kurzfristiger Friktionen für die Wirtschaft. Für Unternehmen heißt das: Lobbying für Aufschub war gestern. Heute zählt nur noch die konkrete Umsetzung. Das Rennen um die Konformität ist eröffnet, und die Uhr tickt unerbittlich.
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