KI- und Cybersicherheits-Zertifikate boomen unter neuem EU-Druck
19.01.2026 - 12:14:12Die verschärfte EU-Regulierung zu Künstlicher Intelligenz und Netzwerksicherheit löst einen Zertifizierungsboom aus. TÜV, DEKRA und Fraunhofer rollen spezielle Programme für KI-Manager und NIS2-Beauftragte aus, um Firmen vor Haftungsrisiken und Millionenstrafen zu schützen.
KI-Manager: Der gefragteste Abschluss 2026
Der EU AI Act schreibt erstmals verbindliche Kompetenznachweise für den Einsatz Künstlicher Intelligenz vor. Artikel 4 der Verordnung verlangt von Unternehmen den Nachweis, dass ihre Mitarbeiter über ausreichendes technisches und ethisches Wissen verfügen. Die Antwort des Bildungsmarkts sind zertifizierte KI-Manager.
Das Fraunhofer-Institut hat seinen Kurs „Certified AI Manager (Basic Level)“ für 2026 ausgeschrieben. Der Fokus liegt auf der Brücke zwischen technischer Umsetzung und strategischer Steuerung von KI-Projekten. Die Nachfrage übertrifft bereits das Angebot: Der März-Kurs ist ausgebucht, Wartelisten für die zweite Jahreshälfte sind geöffnet.
Parallel starten TÜV NORD und TÜV AUSTRIA ihre „KI-Manager (TÜV)“-Zertifizierungen. Diese qualifizieren Fachkräfte, Budgets zu verwalten und als Schnittstelle zwischen Technikteams und Vorstand zu agieren. Die Professional School der Universität Münster bietet im März und April 2026 einen vergleichbaren Zertifikatskurs für etwa 2.650 Euro an – mit flexiblem Online-Examen für Berufstätige.
Passend zum Thema EU AI Act: Seit August 2024 gelten neue Vorgaben zur Risikoklassifizierung und Dokumentation von KI-Systemen — Unternehmen riskieren sonst hohe Bußgelder. Unser kompakter Umsetzungsleitfaden erklärt, welche Pflichten jetzt für Betreiber und Entwickler gelten, inkl. Kennzeichnungspflichten und Übergangsfristen. Ideal für Compliance-Verantwortliche und KI-Manager, die schnell rechtssicher handeln müssen. Kostenlose Checkliste und praxisnahe Handlungsempfehlungen inklusive. KI-Verordnung: Umsetzungsleitfaden jetzt kostenlos herunterladen
NIS2: Persönliche Haftung für Geschäftsführer
Während KI-Schulungen strategisch ausgerichtet sind, geht es bei der NIS2-Richtlinie um handfeste juristische Risiken. Das deutsche Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG) erfasst schätzungsweise 29.000 Unternehmen. Der größte Unterschied zu früheren Regelungen: NIS2 macht Geschäftsführer persönlich haftbar für Cybersecurity-Verstöße.
„Geschäftsleitungsschulungen“ sind daher zum Pflichtprogramm avanciert. Anbieter wie activeMind AG und Grünberger Advisory bieten spezielle Workshops für Vorstände an, um die Anforderungen nach § 38 BSIG zu erfüllen. Die Rechtslage ist klar: Wer als Führungskraft nicht nachweislich geschult ist, riskiert Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
DEKRA schafft den KI-Beauftragten
Neben der Management-Ebene etabliert sich eine neue Spezialistenrolle: der KI-Beauftragte. DEKRA bietet eine kombinierte Qualifikation für „KI-Manager & DEKRA-zertifizierte KI-Beauftragte“ an. Diese zielt auf die operative Umsetzung der KI-Compliance ab – ähnlich der Funktion eines Datenschutzbeauftragten.
Das Curriculum behandelt praktische Anforderungen des AI Act: Datenschutz, Ethik und Dokumentationspflichten für Hochrisiko-KI-Systeme. Mit der Integration von Tools wie Microsoft Copilot oder eigenen generativen KI-Lösungen wird diese Rolle immer wichtiger, um Risiken durch unkontrollierte „Shadow AI“ zu minimieren.
Mittelstand unter Doppelbelastung
Der gleichzeitige Druck durch NIS2 und den AI Act stellt besonders den Mittelstand vor Herausforderungen. Während Großkonzerne eigene Compliance-Abteilungen haben, müssen KMU oft bestehende IT- oder Datenschutzmitarbeiter nachschulen. Die hohen Buchungszahlen für die Frühjahrskurse 2026 zeigen: Viele Unternehmen hetzen nun, ihre Belegschaft zu zertifizieren, da die Übergangsfristen der Verordnungen auslaufen.
Branchenbeobachter sehen 2026 als Wendepunkt: Aus „Problembewusstsein“ wird „operative Compliance“. Dass etablierte Prüforganisationen wie TÜV und DEKRA standardisierte Curricula anbieten, unterstreicht, dass KI- und Cybersicherheitsthemen zum Standardrepertoire jedes Unternehmens gehören.
Was kommt 2026?
Für das zweite Quartal 2026 erwarten Experten eine weitere Spezialisierung. Branchenspezifische Zertifikate wie „KI-Manager für das Gesundheitswesen“ oder „NIS2 für die Fertigungsindustrie“ werden voraussichtlich folgen, um sektorspezifische Regularien abzudecken.
Der Engpass bleibt die Prüfungskapazität. Mit den laufenden NIS2-Registrierungsfristen und den gestaffelten Pflichten des AI Act wird der „Kompetenznachweis“ zur de-facto Betriebserlaubnis für IT- und Compliance-Verantwortliche. Die Empfehlung an Unternehmen ist eindeutig: Trainingsplätze frühzeitig sichern, bevor die Wartelisten noch länger werden.
PS: NIS2 und AI Act erhöhen Haftungsrisiken für Geschäftsführer und KI-Verantwortliche. Wer jetzt nicht dokumentiert und klassifiziert, läuft Gefahr hoher Strafen. Dieser kostenlose Leitfaden zur EU-KI-Verordnung fasst in verständlichen Schritten zusammen, welche Dokumentation verlangt wird, welche Rollen (z. B. KI-Beauftragte) nötig sind und welche Fristen zu beachten sind — perfekt, um Trainings- und Prüfprozesse zu planen. Gratis-Leitfaden zur KI-Verordnung anfordern


