KI-Transparenz: EU plant Aufschub, Kalifornien drängt zur Offenlegung
06.01.2026 - 04:24:12Unternehmen stehen 2026 vor einer regulatorischen Zange: Während die EU Transparenzpflichten verschieben könnte, zwingt ein neues kalifornisches Gesetz bereits zur Offenlegung von KI-Trainingsdaten.
Die Regulierung von Künstlicher Intelligenz tritt 2026 in eine entscheidende Phase. Während Brüssel Fristen verschieben will, zwingt ein neues Gesetz aus Kalifornien Unternehmen weltweit zur sofortigen Transparenz.
Brüssel – Für europäische Unternehmen beginnt das KI-Jahr 2026 im Spannungsfeld zwischen Aufschub und Druck. Die EU-Kommission plant, technische Transparenzpflichten für generative KI-Systeme zu verschieben. Gleichzeitig treibt ein kalifornisches Gesetz, das seit 1. Januar gilt, die Offenlegung von Trainingsdaten voran. Diese „Zweigleisigkeit“ stellt Compliance-Abteilungen vor komplexe Entscheidungen.
Digital Omnibus: EU plant Gnadenfrist bis 2027
Ende 2025 legte die Kommission den „Digital Omnibus“ vor. Dieses Gesetzespaket soll den digitalen Rechtsrahmen straffen und Bedenken der Industrie zu Umsetzungsfristen adressieren. Der Vorschlag dominiert aktuell die Vorstandsetagen auf dem Kontinent.
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Rechtsanalysen dieser Woche zeigen: Der Omnibus sieht eine wesentliche Anpassung des Zeitplans des KI-Gesetzes vor. Konkret schlägt er eine Übergangsfrist für bestimmte Transparenzpflichten bei generativer KI vor. Die ursprünglich für August 2026 geplante Verpflichtung, KI-generierte Inhalte maschinenlesbar und erkennbar zu machen (Wasserzeichen), könnte auf den 2. Februar 2027 verschoben werden – allerdings nur für Systeme, die bereits auf dem Markt sind.
Beobachter sehen in dieser möglichen Verzögerung den Versuch, Fristen mit der Verfügbarkeit harmonisierter technischer Standards abzustimmen, die noch entwickelt werden. Doch Experten warnen: Diese „Verschnaufpause“ ist keine Absage. The Kernpflichten für Allzweck-KI-Modelle – einschließlich der Veröffentlichung detaillierter Zusammenfassungen der Trainingsdaten – bleiben prioritär. Dies gilt besonders, da die neu eingerichtete KI-Behörde ihre Erwartungen an den „Verhaltenskodex“ weiter präzisiert.
Globaler Druck: Kaliforniens Gesetz wird zum De-facto-Standard
Während in Brüssel über Aufschübe debattiert wird, zwingt ein neues Gesetz aus Übersee globale KI-Unternehmen zum Handeln. Kaliforniens AB 2013 trat am 1. Januar 2026 in Kraft. Es verpflichtet Entwickler generativer KI-Systeme, detaillierte Informationen über die zum Training verwendeten Datensätze offenzulegen.
Da die meisten großen europäischen Unternehmen global agieren oder US-amerikanische Basismodelle nutzen, schafft dieses kalifornische Mandat einen de-facto-Weltstandard für Transparenz. Rechtsexperten betonen: Unternehmen können es sich nicht leisten, auf mögliche EU-Gnadenfristen zu warten, wenn sie bereits nach US-Recht Daten offenlegen müssen.
„Die regulatorische Zange schließt sich“, kommentierten Marktanalysten in einem Bericht vom 31. Dezember. Die Kombination aus der extraterritorialen Reichweite des EU-KI-Gesetzes und Kaliforniens Offenlegungsregeln bedeutet: 2026 markiert den Übergang von „theoretischer Regulierung“ zu „operativer Compliance“. Für EU-Unternehmen ist die reine Vorbereitungsphase damit vorbei. Die Herkunft von KI-Komponenten zu verstehen und zu dokumentieren, ist jetzt unmittelbare Marktrealität.
Urheberrecht: Hamburger Urteil schafft Klarheit
Eine entscheidende Entwicklung für die Transparenzpflichten zeichnete sich in den ersten Januartagen ab. Rechtsupdates vom 5. Januar verwiesen auf ein wegweisendes Urteil des Hamburger Oberlandesgerichts zur Nutzung urheberrechtlich geschützter Bilder für das KI-Training.
Das Gericht bestätigte, dass die Nutzung eines Fotografenbildes im LAION-Datensatz – einer riesigen Sammlung von Bild-Text-Paaren, die zum Training von Modellen wie Stable Diffusion genutzt wird – unter die Ausnahme für Text- und Data-Mining im Urheberrecht fällt. Dieses Urteil schafft dringend benötigte Rechtssicherheit für KI-Entwickler hinsichtlich der Legalität ihrer Trainingsdaten. Gleichzeitig unterstreicht es die Notwendigkeit der Transparenzanforderungen des KI-Gesetzes.
Für Unternehmen verdeutlicht das Urteil eine zentrale Unterscheidung: Die Nutzung von Daten zum Training mag unter bestimmten Ausnahmen legal sein. Die Verpflichtung, über diese Nutzung transparent zu sein, ist jedoch nicht verhandelbar. Das KI-Gesetz verlangt von Anbietern eine „hinreichend detaillierte Zusammenfassung“ der Trainingsinhalte. Die Hamburger Entscheidung validiert die Data-Mining-Praxis, impliziert aber, dass Rechteinhaber die Transparenz benötigen, um wirksam widersprechen zu können – ein Mechanismus, der vollständig auf den vom KI-Gesetz geforderten Offenlegungen beruht.
Ausblick: Unternehmen navigieren durch die Unsicherheit
Die kommenden Monate werden von einer „Compliance-Lücke“ geprägt sein, in der Rechtsvorschriften und technische Realitäten schwer in Einklang zu bringen sind. Der Digital-Omnibus-Vorschlag muss noch das Europäische Parlament und den Rat passieren. Berichterstatter gehen davon aus, dass dieser Prozess bis Mitte 2026 dauern könnte.
Diese Unsicherheit stellt Unternehmen vor strategische Fragen: Sollen sie in Wasserzeichen-Technologien investieren, die vielleicht erst in einem Jahr Pflicht werden? Oder die Investitionen lieber pausieren?
Risikomanagement-Experten raten zu einer konservativen Strategie. Sich auf vorgeschlagene Aufschübe zu verlassen, sei riskant – besonders angesichts der aggressiven Durchsetzung in anderen Rechtsgebieten. Der empfohlene Kurs für das erste Quartal 2026 lautet: Mit der vollständigen Transparenzdokumentation für Trainingsdaten fortfahren. Dies erfüllt sowohl die bestehenden EU-Regeln für Allzweck-KI als auch das neue kalifornische Gesetz. Parallel sollten die Verhandlungen zum Omnibus bezüglich der technischen Wasserzeichen-Standards beobachtet werden.
Während die KI-Behörde den ersten Verhaltenskodex finalisiert, der noch in diesem Jahr erwartet wird, wird die Definition von „Transparenz“ voraussichtlich granularer werden. Die Botschaft für 2026 ist bereits jetzt klar: Transparenz ist kein bloßes Compliance-Häkchen mehr. Sie ist die Voraussetzung für den Marktzugang.
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