KI-Sicherheit, EU-Pläne

KI-Sicherheit: EU-Pläne für Aufschub sorgen für Verwirrung

29.12.2025 - 11:23:12

Ein neuer EU-Vorschlag könnte die Fristen für Hochrisiko-KI-Systeme verlängern, doch die verschärfte Produkthaftung ab Ende 2026 gilt unabhängig davon und schafft regulatorische Unsicherheit.

Der EU-Vorschlag „Digital Omnibus“ könnte Fristen für Hochrisiko-KI verschieben. Doch Experten warnen vor trügerischer Sicherheit und verweisen auf unveränderte Haftungsrisiken.

Brüssel/Berlin – Statt besinnlicher Ruhe herrscht in den Compliance-Abteilungen zum Jahreswechsel 2025 hektische Betriebsamkeit. Ein überraschender Vorstoß der EU-Kommission wirbelt die Zeitpläne für die Umsetzung des EU-AI-Acts durcheinander. Der im November vorgeschlagene „Digital Omnibus“ könnte die Fristen für Hochrisiko-KI-Systeme um Jahre nach hinten schieben. Doch wer jetzt die Hände in den Schoß legt, läuft direkt in eine kostspielige Haftungsfalle.

„Digital Omnibus“: Atempause mit Risiken

Das Jahr 2025 war für Arbeitsschutzverantwortliche bereits ein Kraftakt. Seit Februar gelten erste Verbote der KI-Verordnung, darunter das Verbot von Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Der neue „Digital Omnibus“-Vorschlag verspricht nun scheinbar Entlastung: Die strengen Vorgaben für Hochrisiko-KI, etwa in Produktionsanlagen oder im Recruiting, könnten sich von August 2026 auf Ende 2027 oder sogar 2028 verschieben.

Der Grund? Die technischen Normen zur Umsetzung sind noch nicht fertig. Doch dieser Aufschub ist trügerisch. Solange das EU-Parlament den Vorschlag nicht endgültig beschließt, gilt rechtlich weiter die Deadline Sommer 2026. Unternehmen müssen also parallel für beide Szenarien planen. „Das schafft ein gefährliches regulatorisches Vakuum“, warnt ein Brüsseler Beobachter.

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TÜV warnt: Produkthaftung wartet nicht auf Brüssel

Egal was in Brüssel beschlossen wird – eine andere Deadline tickt unerbittlich weiter. Darauf machte der TÜV-Verband kurz vor Weihnachten aufmerksam. Ab Dezember 2026 werden Software und KI-Systeme erstmals explizit als „Produkte“ im Sinne der verschärften EU-Produkthaftungsrichtlinie definiert.

Die Konsequenz? Verursacht ein KI-gesteuerter Roboter einen Unfall, haften Hersteller und möglicherweise der Betreiber verschuldensunabhängig. Diese Haftung greift voll, selbst wenn die AI-Act-Fristen verschoben werden. Sicherheitsingenieure müssen KI-Systeme daher bereits heute so behandeln, als wären sie Hochrisikoprodukte. Die Dokumentation der KI-Kompetenz der Belegschaft, seit Februar 2025 Pflicht, wird im Schadensfall zum ersten Prüfstein für Versicherungen.

Aktuelle Brisanz: Der Fall der „KI-Smart Glasses“

Wie akut die Herausforderungen sind, zeigt ein aktueller Fall. Behördenprüfungen gegen Hersteller von intelligenten Datenbrillen sorgen für Alarmstimmung. Diese „Smart Glasses“ mit integrierter KI kommen zunehmend in Logistik und Wartung zum Einsatz.

Sie werfen massive Datenschutzfragen auf. Der AI Act verbietet die systematische Emotionserkennung am Arbeitsplatz strikt. Jetzt mehren sich Hinweise, dass einige Geräte Daten sammeln, die weit über den technischen Zweck hinausgehen. Für Unternehmen bedeutet das: Jedes neue Wearable muss einer rigiden Prüfung unterzogen werden. Der Arbeitgeber als Betreiber trägt die Verantwortung, dass keine verbotenen Überwachungspraktiken durch die Hintertür einziehen.

Checkliste für 2026: Drei dringende Aufgaben

Das erste Quartal 2026 wird zur entscheidenden Weichenstellung. Die EU-Kommission legte erst Mitte Dezember einen Verhaltenskodex für KI-generierte Inhalte vor. Die Agenda für Sicherheitsverantwortliche ist voll:

  1. KI-Bestandsaufnahme: Welche Systeme im Unternehmen sind Hochrisiko-KI? Welche unterliegen bereits jetzt den Februar-Verboten?
  2. Schulungsnachweis: Ist die KI-Kompetenz aller Mitarbeiter, die mit den Systemen umgehen, lückenlos dokumentiert?
  3. Haftungs-Check: Sind alle eingesetzten KI-Produkte auf die verschärfte Produkthaftung ab Ende 2026 vorbereitet?

Der „Digital Omnibus“ mag wie ein Geschenk aussehen. In Wirklichkeit ist er ein Weckruf zu mehr Wachsamkeit. In der betrieblichen Sicherheit bleibt Ungewissheit das größte Risiko – und 2026 wird reichlich davon liefern.

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