KI-Projekte, Kündigungswelle

KI-Projekte vor der Kündigungswelle: Die große Ernüchterung 2026

04.01.2026 - 15:25:11

Hohe Kosten und mangelnder Geschäftswert zwingen Unternehmen zu einer rigorosen Bereinigung ihrer KI-Initiativen. Viele Projekte stehen vor dem Aus.

KI-Projekte in Unternehmen stehen vor einer massiven Korrektur. Neue Daten zeigen eine wachsende Kluft zwischen hohen Kosten und magerem Geschäftswert – eine Welle von Projektstreichungen scheint unvermeidlich.

Der Start ins Jahr 2026 markiert eine ernüchternde Zäsur für die künstliche Intelligenz in der Wirtschaft. Nach Jahren des aggressiven Experimentierens und massiven Infrastrukturausbaus steht nun die „Efficiency Gap“ im Fokus: die kritische Lücke zwischen dem hohen Aufwand für KI-Einführung und dem tatsächlich gemessenen Geschäftsnutzen. Marktanalysen der ersten Januartage prognostizieren eine unausweichliche Korrektur. Die Geduld von Vorständen und Investoren ist am Ende. Frühere Warnungen, wonach bis zu 40 Prozent der generativen KI-Projekte bis 2027 eingestellt werden könnten, scheinen sich zu beschleunigen, während die Budgets für 2026 finalisiert werden.

Die Kluft zwischen Begeisterung und Wert

Treiber dieser bevorstehenden Bereinigung ist die sogenannte „Enthusiasm Gap“. Neue Forschungsergebnisse von Gartner, die am 2. Januar veröffentlicht wurden, zeigen einen eklatanten Gegensatz zwischen der Stimmung der Belegschaft und den Ergebnissen für das Unternehmen.

Während 65 Prozent der Mitarbeiter von KI-Tools begeistert sind und 77 Prozent an Schulungen teilnehmen, hinkt die Rendite (ROI) gefährlich hinterher. Ganze 88 Prozent der HR-Leiter geben an, dass ihre Organisationen noch keinen signifikanten Geschäftswert aus ihren KI-Implementierungen ziehen konnten. Diese Diskrepanz speist die Effizienzlücke. Unternehmen tragen die hohen Kosten für Lizenzen, Rechenleistung und Training, schaffen es aber nicht, „eingesparte Zeit“ in „geschaffenen Wert“ umzuwandeln. Laut Bericht haben nur sieben Prozent der Firmen Richtlinien, wie die durch KI-Automatisierung gewonnene Zeit reinvestiert werden soll. Projekte, die keinen direkten Link zur Profitabilität nachweisen können, stehen nun auf der Kippe.

Anzeige

Passend zum Thema KI-Governance: Die EU-KI-Verordnung verlangt klare Risikoklassifizierung, umfassende Dokumentation und Nachweise zur Sicherheit – Versäumnisse können Unternehmen empfindliche Konsequenzen bringen. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt verständlich Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und praktische Schritte für CIOs, Entwickler und Compliance-Teams. Praxisnah und ohne Jurajargon, ideal für alle, die ihre KI-Projekte rechts- und prüfungssicher aufstellen wollen. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen

Marktkorrektur: Das Ende des „Agent Washing“

Der Markt tritt in eine Phase der „selektiven Auslese“ ein. Analysten beobachten, dass zwischen tragfähiger KI-Infrastruktur und spekulativen Machbarkeitsstudien (Proof of Concept) unterschieden wird.

Besonders betroffen sind „Agentic AI“-Initiativen – Systeme, die autonom handeln sollen, anstatt nur Text zu generieren. Die Gründe für die drohenden Streichungen sind vielfältig:
* Explodierende Kosten: Der Betrieb komplexer agentenbasierter Workflows ist teurer als erwartet.
* Undeutlicher Geschäftswert: Viele Projekte waren „Technologie auf der Suche nach einem Problem“.
* „Agent Washing“: Anbieter, die alte Automatisierungstools als „KI-Agenten“ umetikettieren, haben ein Vertrauensdefizit geschaffen. Das führt zu vorzeitigen Vertragsprüfungen und -kündigungen im ersten Quartal 2026.

Sicherheitsrisiken vergrößern die Lücke

Die Herausforderung bei der Rentabilität wird durch die eskalierenden Kosten für die Absicherung der Systeme verschärft. Cybersicherheitsexperten warnten am 4. Januar, dass KI-Agenten zur „neuen Insider-Bedrohung“ für 2026 werden.

Da task-spezifische KI-Agenten in immer mehr Unternehmensanwendungen integriert werden – eine Quote, die bis Jahresende 40 Prozent erreichen soll – steigt die Sicherheitslast rasant. Schlecht instruierte oder kompromittierte Agenten könnten eigenständig bösartige Aktionen wie unautorisierte Überweisungen ausführen. Für Unternehmen bedeutet dies eine neue „Risikosteuer“ auf jedes KI-Projekt. Die Notwendigkeit, „KI-Firewalls“ und strenge Governance-Rahmenwerke einzuführen, frisst die ohnehin schon schmalen Margen vieler Anwendungsfälle weiter auf.

Analyse: Im „Trough of Disillusionment“

Beobachter sehen in dieser „Kündigungswelle“ ein vorhersehbares historisches Muster, das im Gartner Hype Cycle als „Trough of Disillusionment“ (Tal der Enttäuschungen) beschrieben wird. Die Einsätze sind 2026 jedoch aufgrund des investierten Kapitals besonders hoch.

Im Gegensatz zum Dotcom-Boom, wo Fehler oft an mangelnder Marktreife lagen, werden die KI-Probleme 2026 auf mangelnde Governance und Datenbereitschaft zurückgeführt. Die Technologie funktioniert, aber den Organisationen fehlt die „KI-fertige“ Datenbasis, um sie nutzbar zu machen. Die Effizienzlücke legt auch einen strategischen Fehler von 2025 offen: den Glauben, KI würde einfach ineffiziente Prozesse „erweitern“. Der Konsens dieser Tage ist, dass erfolgreiche KI eine grundlegende Neugestaltung von Arbeitsabläufen erfordert – nicht nur das Anhängen eines Chatbots an einen kaputten Prozess.

Ausblick: Konsolidierung und Spezialisierung

Das restliche Jahr 2026 wird eine Phase intensiver Konsolidierung sein. Analysten prognostizieren:
* Erstes und zweites Quartal 2026: Eine Welle „leiser Kündigungen“, bei denen eingeschlafene Pilotprogramme stillschweigend eingestellt werden.
* Trend zur Spezialisierung: Investitionen fließen weg von allgemeinen „Wissens-Bots“ hin zu hochspezialisierten, domänenspezifischen Agenten, die ihre Rentabilität innerhalb von 90 Tagen beweisen müssen.
* „KI-freie“ Metriken: Unternehmen könnten „KI-freie“ Kompetenzbewertungen einführen, um kritisches menschliches Denken zu erhalten und die Abhängigkeit von Automatisierung auszubalancieren.

Für CIOs und Entscheidungsträger ist die Botschaft für 2026 klar: Die Ära des „Experimentierens um jeden Preis“ ist vorbei. Das Überleben eines KI-Projekts hängt nun ausschließlich davon ab, die Effizienzlücke zu schließen und messbaren, sicheren und unmittelbaren Wert zu liefern.

Anzeige

PS: Übergangsfristen und Dokumentationspflichten der EU-KI-Verordnung erfordern jetzt konkrete Maßnahmen – von Risikoklassifizierung bis zu Audit-geeigneter Nachweisdokumentation. Das kompakte Gratis-E-Book fasst die wichtigsten Pflichten, Prüfanforderungen und sofort umsetzbaren Checklisten zusammen, damit Ihre KI-Projekte auch regulatorisch standhalten. Kostenlosen KI-Leitfaden jetzt anfordern

@ boerse-global.de