KI-Kriminelle, Angriffswelle

KI-Kriminelle starten Angriffswelle auf Finanzbranche

24.01.2026 - 05:56:11

Finanzinstitute sehen sich mit einer Flut KI-gesteuerter Angriffe konfrontiert, die klassische Sicherheitssysteme aushebeln. Regulierungen werden verschärft, während die Branche auf defensive KI und Biometrie setzt.

Künstliche Intelligenz revolutioniert die Cyberkriminalität und stellt Banken weltweit vor existenzielle Sicherheitsprobleme. Innerhalb der letzten 72 Stunden haben Analysten eine alarmierende Zunahme hochkomplexer, KI-gesteuerter Betrugsmodelle festgestellt, die klassische Bedrohungen wie Ransomware in den Schatten stellen. Die Finanzaufsichten in der EU und Großbritannien reagieren mit schärferen Regeln, während die Industrie in einen technologischen Wettlauf um die nächste Sicherheitsgeneration eintritt.

Die Demokratisierung der Cyberkriminalität

Die rasante Verbreitung leistungsfähiger KI-Tools hat die Einstiegshürde für Kriminelle dramatisch gesenkt. Wo früher spezielles Know-how nötig war, ermöglichen heute generative KI-Modelle selbst unerfahrenen Tätern, überzeugende und massenhafte Angriffe auf Verbraucher und Finanzsysteme zu starten. Ein aktueller Bericht des Weltwirtschaftsforums bestätigt diesen Trend: KI-gestützter Betrug ist zur Top-Sorge globaler Wirtschaftsführer avanciert.

Die größte Gefahr geht von synthetischen Identitäten aus. KI kombiniert gestohlene Personendaten mit erfundenen Informationen, um täuschend echte digitale Profile zu erschaffen. Mit diesen werden Konten eröffnet und Kredite beantragt – eine Methode, die herkömmliche Erkennungssysteme an ihre Grenzen bringt. „Die KI lernt das digitale Verhalten echter Mitarbeiter und imitiert es perfekt“, warnt ein Sicherheitsexperte. So gewinnt sie unbefugt Zugang zu sensiblen Systemen.

Vom Einzeltäter zur kriminellen Industrie

Die Angriffsmuster haben sich fundamental gewandelt. Statt einfacher Phishing-Mails setzen Kriminelle nun auf autonome Agent-to-Agent-Angriffe. Dabei überredet eine bösartige KI die automatisierten Systeme eines Unternehmens, betrügerische Zahlungen zu autorisieren oder Daten preiszugeben. Gleichzeitig industrialisieren „Betrug-als-Service“-Modelle die Kriminalität. KI-gesteuerte Plattformen bieten skalierbare Angriffe auf E-Commerce- und Zahlungssysteme an – eine Dienstleistung für die Unterwelt.

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Diese Entwicklung macht traditionelle Sicherheitsmaßnahmen wirkungslos. Systeme, die einst Bots von Menschen unterscheiden konnten, scheitern nun, weil sowohl echte Kunden als auch Betrüger KI-Assistenten für Transaktionen nutzen. Die Branche vollzieht daher einen strategischen Schwenk: Der Fokus liegt nicht mehr auf hundertprozentiger Prävention, sondern auf Resilienz und schneller Wiederherstellung. Die Erkenntnis: Einbruchsversuche sind unvermeidbar, der Schaden muss begrenzt werden.

Alte Bedrohungen in neuer Form

Parallel zu den KI-Innovationen entwickeln sich klassische Cybergefahren weiter. Sicherheitsforscher melden neue Ransomware-Varianten wie „Happy Ransomware“, die gezielt geschäftskritische Daten verschlüsselt, um Netzwerke lahmzulegen. Mobile Banking bleibt ein Hauptziel: Android-Banking-Trojaner wie Klopatra und Anatsa passen sich ständig an und stehlen mit Overlay-Attacken und SMS-Abfangern die Zugangsdaten Tausender Nutzer.

Die Angreifer werden auch bei der Tarnung kreativer. Immer öfter nutzen sie legitime IT-Werkzeuge, um sich in kompromittierten Systemen zu verstecken. In einer aktuellen Kampagne setzten Kriminelle gestohlene Zugangsdaten ein, um vertrauenswürdige Remote-Überwachungssoftware (RMM) zu installieren – aus einem Admin-Tool wurde eine Hintertür.

Die Gefahr wird durch kritische Sicherheitslücken in Unternehmenssoftware verschärft. Erst am 22. Januar 2026 veröffentlichte Oracle Dringlichkeits-Updates für eine Schwachstelle in seinem HTTP- und WebLogic-Server. Die Lücke erhielt den höchsten Schweregrad von 10,0, da ein Angreifer ohne Authentifizierung vollen Zugriff auf sensible Daten erlangen könnte.

Regulierer ziehen die Schrauben an

Angesichts der eskalierenden Bedrohungslage verschärfen Finanzaufsichten weltweit die Regeln. In der Europäischen Union bringen die anstehende Zahlungsdienste-Verordnung (PSR) und die überarbeitete Zahlungsdienste-Richtlinie (PSD3) wesentliche Neuerungen. Geplant sind unter anderem eine verpflichtende Überprüfung des Zahlungsempfängers (Verification of Payee) und aktualisierte Erstattungsregeln für betrogene Verbraucher.

Auch die britische Financial Conduct Authority (FCA) geht voran. Ab Mai 2026 gelten neue Anforderungen für E-Geld- und Zahlungsfirmen. Diese müssen künftig einen Senior Manager benennen, der die Sicherung von Kundengeldern überwacht. Zusätzlich wird ein jährlicher externer Audit dieser Praktiken verpflichtend. Die Botschaft der Regulierer ist klar: Je schneller und vernetzter die Zahlungssysteme werden, desto robuster müssen ihre Schutzschirme sein.

Die Gegenwehr: Biometrie und defensive KI

Die Finanzindustrie reagiert mit einem technologischen Gegenangriff. Die zentrale Strategie lautet: Feuer mit Feuer bekämpfen. Banken setzen selbst KI und Machine Learning ein, um Betrug in Echtzeit zu erkennen. Diese Systeme analysieren riesige Transaktionsdatensätze und identifizieren Muster und Anomalien, die für menschliche Analysten unsichtbar blieben. Verdächtige Aktivitäten werden so markiert, bevor es zu großen Verlusten kommt.

Die zweite Säule der modernen Banksicherheit ist die biometrische Authentifizierung. Über Fingerabdruck und Gesichtserkennung hinaus setzen Institute zunehmend auf verhaltensbasierte Biometrie. Sie analysiert individuelle Muster wie Tipprhythmus und Mausbewegungen, um ein umfassendes Nutzerprofil zu erstellen. Abweichungen werden sofort erkannt. Diese Methode bietet eine kontinuierliche Authentifizierungsschicht, die auch mit gestohlenen Zugangsdaten kaum zu überwinden ist.

Die Integration von Biometrie in Banking-Apps und Zahlungsplattformen macht Transaktionen nicht nur sicherer, sondern auch komfortabler für Kunden. Die Zukunft des digitalen Zahlungsverkehrs wird ein permanenter Wettlauf bleiben. Während Angreifer KI für immer raffiniertere Bedrohungen nutzen, muss die Finanzbranche weiter innovieren, um das Vertrauen ihrer Kunden in einer zunehmend digitalen Welt zu schützen.

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