KI-Kriminelle, Identität

KI-Kriminelle knacken die digitale Identität

15.01.2026 - 13:22:12

Identitätsbasierte Sicherheitsvorfälle erreichen Rekordniveau, da KI-gesteuerte Angreifer menschliche und maschinelle Zugänge ins Visier nehmen. Unternehmen setzen auf Identity-First-Sicherheit.

Die Identität ist das neue Einfallstor für Cyberangriffe. Das belegen aktuelle Daten aus dem neuen Jahr. KI-gesteuerte Angreifer machen menschliche und maschinelle Zugänge zur primären Angriffsfläche.

Identitätsdiebstahl erreicht Rekordniveau

Der Kampf um die digitale Identität eskaliert. Laut dem aktuellen 2026 RSA ID IQ Report erlitten 69 Prozent aller Organisationen in den letzten drei Jahren einen Identitäts-basierten Sicherheitsvorfall. Das ist ein dramatischer Anstieg um 27 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

Die Prognose des US-Sicherheitsunternehmens Palo Alto Networks scheint sich zu bewahrheiten: Das Jahr 2026 wird zum „Jahr der Verteidiger“, in dem die Identität zum zentralen Angriffsvektor wird. Generative KI ermöglicht es Kriminellen, traditionelle Authentifizierungsmethoden mit nie dagewesener Geschwindigkeit und Präzision zu umgehen.

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Das klassische Sicherheitsmodell mit einer starken Außengrenze – der „Burg und dem Burggraben“ – ist damit endgültig gescheitert. In der dezentralen digitalen Welt von heute ist jeder Nutzeraccount und jeder Dienstzugang ein potenzielles Einfallstor.

Maschinen-Identitäten: Die unsichtbare Gefahr

Während gestohlene Mitarbeiter-Logins ein Problem bleiben, explodiert das Risiko durch nicht-menschliche Identitäten. Durch KI-Agenten und Automatisierung schießt die Zahl der Maschinenkonten in die Höhe.

Das Verhältnis von Maschinen- zu menschlichen Identitäten liegt Schätzungen zufolge bei 82 zu 1. Diese „Schatten-Identitäten“ von Bots, Service-Accounts oder API-Schlüsseln sind eine stille Bedrohung. Oft arbeiten sie mit statischen Passwörtern und zu umfangreichen Berechtigungen – ein ideales Ziel für Angreifer.

Laut einer Analyse von ConductorOne vom 12. Januar halten 51 Prozent der Sicherheitsexperten den Schutz nicht-menschlicher Identitäten inzwischen für genauso wichtig wie den menschlicher Accounts. Doch viele Unternehmen haben schlicht keine Übersicht über diese automatisierten Konten. Verwaiste Berechtigungen bleiben oft jahrelang aktiv.

Deepfake-CEOs: Wenn der Chef plötzlich betrügt

Die KI revolutioniert auch das Social Engineering. Anstelle plumper Phishing-Mails setzen Kriminelle nun auf hyperrealistische Deepfakes.

Experten der VIPRE Security Group und Nametag warnen vor „KI-nativen Malware-Ökosystemen“ und Deepfake-as-a-Service-Plattformen. Diese Tools generieren in Echtzeit täuschend echte Audio- und Video-Imitationen von Führungskräften.

Palo Alto Networks spricht vom „CEO-Doppelgänger“. Angreifer imitieren in Video-Calls die Stimme und das Aussehen von Vorständen, um betrügerische Transaktionen zu autorisieren. Die KI kann dabei sogar dynamisch auf Fragen reagieren. Traditionelle Verifikationsmethoden – das Erkennen einer vertrauten Stimme – sind damit wertlos.

Unternehmen müssen nun auf „Liveness Detection“ und kryptografische Verifikation setzen, um zu prüfen, ob ein echter Mensch am Bildschirm sitzt und keine synthetische KI-Figur.

Die blinden Flecken in der Lieferkette

Die Identitätskrise reicht weit über die eigenen Netzwerkgrenzen hinaus. Eine CISO-Umfrage von Panorays vom 14. Januar offenbart ein alarmierendes Defizit: Nur 15 Prozent der IT-Sicherheitschefs haben eine vollständige Übersicht über die Cyberrisiken ihrer Lieferanten.

Diese mangelnde Transparenz ist brandgefährlich. Ein kompromittierter Account bei einem Zulieferer kann als Sprungbrett in das Netzwerk des Kunden dienen. Der jüngste Datendiebstahl bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA zeigt, wie anfällig diese Verbindungen sind und wie Angreifer sie für den Zugriff auf sensible Daten nutzen.

Die Wende zur „Identity-First“-Sicherheit

Die Ereignisse der ersten Januarwochen markieren eine strategische Zeitenwende. „Identity-First Security“ ist vom Modewort zur Überlebensfrage geworden.

„Das Perimeter-Denken bricht zusammen“, konstatierte der Sicherheitsexperte Torsten George bereits Ende 2025. In diesem neuen Paradigma ist die Identität das Netzwerk. Sicherheitsteams setzen zunehmend auf Identity Security Posture Management (ISPM). Diese Tools bewerten kontinuierlich die „Hygiene“ aller Konten und suchen nach anomalem Verhalten – nicht nur nach unbefugten Zugriffsversuchen.

Gegen KI-schnelle Angriffe hilft nur KI-schneller Schutz. Machine-Learning-Modelle sollen subtile Abweichungen erkennen: Wird ein API-Schlüssel plötzlich von einem ungewöhnlichen Standort abgefragt? Versucht ein Dienstkonto, auf Daten zuzugreifen, die es normalerweise ignoriert?

Wird 2026 doch zum Jahr der Verteidiger?

Das restliche Jahr 2026 wird wohl ein Wettrennen zwischen offensiver und defensiver KI bestimmen. Die Angreifer haben derzeit den Vorteil von Geschwindigkeit und Täuschung. Doch die Prognose zum „Jahr der Verteidiger“ sieht vor, dass Unternehmen KI-Agenten in ihre Sicherheitszentren integrieren werden.

Diese defensiven Agenten sollen kompromittierte Zugänge eigenständig sperren und betroffene Systeme isolieren – schneller, als jeder menschliche Analyst reagieren könnte. Diese autonome Abwehr birgt jedoch neue Risiken. Strikte Regeln sind nötig, um „Friendly-Fire“-Vorfälle zu verhindern, bei denen legitime Operationen durch übereifrige Sicherheitsalgorithmen lahmgelegt werden.

Die Botschaft der ersten Wochen ist eindeutig: In einer Welt, in der Sehen nicht mehr Glauben bedeutet, ist die lückenlose Verifikation jeder digitalen Identität – ob Mensch oder Maschine – die letzte Barriere zwischen Integrität und Kompromittierung.

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