KI-Kompetenz: Deutsche Unternehmen unterschätzen EU-Vorgaben
20.01.2026 - 05:31:12Obwohl die EU-KI-Verordnung seit fast einem Jahr vorschreibt, dass Mitarbeiter KI-Systeme verstehen müssen, hinken viele deutsche Betriebe bei der Umsetzung hinterher. Experten warnen vor rechtlichen Risiken und sehen die Grundlage für künftige Compliance in Gefahr. Die Aufmerksamkeit liegt zwar auf den Hochrisiko-Systemen, die ab August 2026 reguliert werden, doch die Pflicht zur „AI Literacy“ ist bereits seit Februar 2025 bindend.
Artikel 4 gilt für alle – nicht nur für Tech-Riesen
Seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet Artikel 4 des AI Acts jeden Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. Die Vorschrift ist risikounabhängig. Sie betrifft somit auch den Mittelstand, der einfache Chatbots oder Analyse-Tools nutzt. Gefordert ist kein oberflächliches Anwenderwissen. Mitarbeiter müssen die Funktionsweise, Grenzen und potenziellen Risiken der eingesetzten KI verstehen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Das betrifft IT, Fachabteilungen und Management gleichermaßen.
Typische Fehler: Falsche Prioritäten und mangelnde Dokumentation
Aktuelle Analysen zeigen gravierende Umsetzungsfehler. Ein verbreiteter Irrtum: Viele Unternehmen glauben, die Regelung betreffe nur Entwickler von Hochrisiko-KI. Ein folgenschwerer Trugschluss. Ein weiteres großes Manko ist die lückenhafte Dokumentation von Schulungsmaßnahmen. Ohne Nachweis über rollenspezifische Qualifizierung entsteht eine klaffende Compliance-Lücke. Zudem fokussieren sich viele Schulungen zu sehr auf Technik und vernachlässigen die ebenso wichtigen ethischen und rechtlichen Aspekte.
Viele Unternehmen unterschätzen, wie umfassend die Dokumentations- und Schulpflichten der EU‑KI‑Verordnung sind – das kann Bußgelder und Betriebsstörungen nach sich ziehen. Unser kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah Artikel 4, Kennzeichnungspflichten und welche Nachweise Sie jetzt schaffen müssen, um rechtssicher zu handeln. Enthalten sind Checklisten, Risikoklassifizierungs‑Vorlagen und ein klarer Fahrplan für rollenspezifische Schulungen bis August 2026. Jetzt kostenlosen KI‑Umsetzungsleitfaden herunterladen
Druck von Behörden steigt – Leitlinien geben Orientierung
Die nationalen Aufsichtsbehörden, in Deutschland die Bundesnetzagentur, bauen ihre Kapazitäten aus. Die anfängliche Schonfrist neigt sich dem Ende zu. Die Überprüfung der Basispflichten dürfte an Schärfe gewinnen. Zusätzliche Rechtssicherheit versprechen neue Leitlinien der EU-Kommission, die bis Anfang Februar 2026 erwartet werden. Sie werden die Erwartungen an die Risikoklassifizierung und praktische Umsetzung konkretisieren und den Handlungsdruck auf Unternehmen weiter erhöhen.
KI-Kompetenz als Fundament für Vertrauen und Innovation
Die Pflicht zur KI-Kompetenz ist kein isoliertes Checkbox-Thema. Sie bildet das Fundament des gesamten risikobasierten Ansatzes der Verordnung. Wie soll sonst die geforderte menschliche Aufsicht über komplexe Systeme funktionieren? Unternehmen, die hier investieren, erfüllen nicht nur gesetzliche Pflichten. Sie schaffen die Voraussetzung für vertrauenswürdige und wertschöpfende KI-Nutzung. Die Vernachlässigung dieser Aufgabe ist daher eine strategische Fehlentscheidung, die Innovation bremst und Haftungsrisiken vergrößert.
Jetzt handeln, um den Anschluss nicht zu verlieren
Der Markt reagiert bereits auf den Schulungsbedarf, wie ein für den 22. Januar 2026 angesetztes Fachseminar zeigt. Die Zeit bis zum Voll-Inkrafttreten der Verordnung im August 2026 muss genutzt werden. Wer bis dahin keine solide Wissensbasis im Unternehmen etabliert hat, wird mit den dann geltenden, komplexen Anforderungen an Risikomanagement und Transparenz überfordert sein. AI Literacy muss als kontinuierlicher Prozess in der Unternehmenskultur verankert werden – nur so bleiben Betriebe im KI‑Zeitalter wettbewerbsfähig und rechtskonform.


