Zugang, Deloitte-Studie

KI in Unternehmen: Zugang steigt, täglicher Nutzen bleibt aus

23.01.2026 - 15:43:12

Eine Deloitte-Studie zeigt, dass der Zugang zu KI-Tools zwar stark zunimmt, die tägliche Nutzung und messbare Umsatzsteigerungen jedoch hinter den Erwartungen zurückbleiben.

KI-Tools sind in Unternehmen allgegenwärtig, doch ihr täglicher Einsatz und messbare Umsatzsteigerungen bleiben für viele ein fernes Ziel. Das zeigt der neue Bericht The Untapped Edge von Deloitte.

Eine deutliche Lücke klafft zwischen der Verfügbarkeit Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz und ihrer tatsächlichen, täglichen Nutzung. Die Studie „State of AI in the Enterprise 2026“ des Beratungsunternehmens belegt: Zwar haben Firmen den Zugang zu offiziellen KI-Systemen rapide ausgeweitet, der Sprung von Experimenten zur festen Integration in Arbeitsabläufe gestaltet sich jedoch schwieriger als erhofft. Die Befragung von über 3.200 Führungskräften aus 24 Ländern zeigt, dass die Pilotphase des KI-Booms zwar fortschreitet, die vollständige wirtschaftliche Wertschöpfung aber noch auf sich warten lässt.

Die Kluft zwischen Zugang und Routine

Eines der zentralen Ergebnisse: Der Zugang der Belegschaft zu genehmigten KI-Technologien ist dramatisch gestiegen. Rund 60 Prozent der Mitarbeiter haben laut Deloitte-Daten nun Zugriff auf IT-freigegebene KI-Tools – ein signifikanter Sprung gegenüber weniger als 40 Prozent vor einem Jahr. Die Infrastruktur steht also.

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Doch der Zugang führt nicht automatisch zur täglichen Nutzung. Weniger als 60 Prozent der Berechtigten setzen die Tools auch regelmäßig in ihrer Arbeit ein. Dieser „Nutzungsgap“ deutet darauf hin, dass viele Beschäftigte noch keine überzeugenden, routinemäßigen Anwendungsfälle gefunden haben, die den täglichen Umgang mit KI-Assistenten notwendig machen.

Zudem existiert ein Flaschenhals auf dem Weg von der Pilotphase zur Produktion. Während Experimente weit verbreitet sind, haben nur 25 Prozent der befragten Organisationen 40 Prozent oder mehr ihrer KI-Piloten in den Vollbetrieb überführt. Dieses „Pilot-Purgatory“ zeigt, dass die Skalierung von KI-Lösungen eine komplexe technische und organisatorische Herausforderung bleibt.

Ernüchterung bei den Umsatzerwartungen

Jenseits der Nutzung offenbart der Bericht eine deutliche Diskrepanz zwischen finanziellen Erwartungen und der aktuellen Realität. Zwar wollen 74 Prozent der Unternehmen mit ihren KI-Initiativen das Umsatzwachstum ankurbeln, aber nur 20 Prozent haben dieses Ziel bisher tatsächlich erreicht.

Statt Wachstum stehen bislang vor allem operative Verbesserungen im Vordergrund. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ihre KI-Implementierungen Produktivität und Effizienz steigern. Deloitte-Analysten warnen jedoch: Effizienzgewinne allein reichen möglicherweise nicht aus, um die massiven Kapitalausgaben für die KI-Infrastruktur zu rechtfertigen.

„Erfolg mit KI erfordert mehr als nur Effizienzverbesserungen; es braucht strategische Differenzierung“, betont Nitin Mittal, Deloittes Global AI Leader. Die Daten zeigen: Nur 34 Prozent der Unternehmen nutzen KI, um ihre Geschäftsmodelle „tiefgreifend zu transformieren“. 37 Prozent wenden die Technologie lediglich oberflächlich an.

Aufstieg autonomer Agenten und physischer KI

Trotz der aktuellen Implementierungslücken blickt der Bericht optimistisch auf die nächste KI-Generation. Ganze 85 Prozent der Unternehmen planen, „autonome KI-Agenten“ für ihre spezifischen Bedürfnisse anzupassen. Diese Software kann mehrstufige Aufgaben ohne menschliches Zutun ausführen – ein Shift von passiven Chatbots hin zu aktiven Arbeits-Agenten.

Zudem gewinnt die physische Anwendung von KI an Fahrt. 58 Prozent der Firmen setzen „Physical AI“ effektiv ein, also Robotik und sensor-basierte Systeme, die mit der realen Welt interagieren. Diese Zahl soll in den nächsten zwei Jahren auf 80 Prozent steigen, angetrieben von Branchen wie Fertigung, Logistik und Verteidigung.

Die Souveränität wird zum kritischen Faktor. Angesichts geopolitischer Spannungen und regulatorischer Zersplitterung halten 83 Prozent der Führungskräfte „Sovereign AI“ für strategisch wichtig – also die Fähigkeit, KI-Modelle innerhalb bestimmter lokaler Rechtsräume zu entwickeln und zu hosten.

Marktkorrektur und harte Realität

Die Ergebnisse spiegeln eine breitere Korrektur der KI-Erwartungen wider. Nach dem anfänglichen Hype-Zyklus der Jahre 2023 bis 2025 treten Unternehmen nun in eine Phase der „harten Realität“ ein. Der Fokus verschiebt sich von der bloßen Demonstration von Fähigkeiten hin zur Rendite (ROI).

Experten vermuten, dass die Lücke zwischen Zugang und Nutzung oft an mangelnder Neugestaltung von Arbeitsabläufen liegt. Die bloße Überlagerung bestehender Prozesse mit KI-Tools bringt meist nur begrenzte Ergebnisse. Erfolgreiche Organisationen kombinieren Technologie-Investitionen mit signifikanten Veränderungen in ihrer Talentstrategie und operativen Struktur.

Die Daten sind auch eine Warnung für Investoren und Manager, die sofortige finanzielle Erfolge erwarten. Der Übergang vom „Produktivitäts-Booster“ zum „Umsatzgenerator“ scheint ein längerer Weg zu sein, als der Markt zunächst angenommen hat.

Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte erwartet

Der Blick nach vorn verheißt eine schnellere Skalierung. Trotz aktueller Engpässe erwarten 54 Prozent der Befragten, innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate die Schwelle zu erreichen, an der 40 Prozent ihrer Piloten in Produktion sind. Das deutet darauf hin, dass die zweite Hälfte des Jahres 2026 eine Welle ausgereifter KI-Implementierungen sehen könnte.

Während Unternehmen daran arbeiten, die Nutzungslücke zu schließen, wird der Fokus voraussichtlich auf „agentischen“ Workflows und spezialisierten Anwendungen liegen, die den täglichen Einsatz erzwingen. Die einhellige Meinung unter Branchenführern: 2026 wird das Jahr, in dem KI entweder zu einem unsichtbaren, essenziellen Teil des Unternehmensnervensystems wird – oder ein mächtiges, aber ungenutztes Accessoire bleibt.

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