KI in Unternehmen: Milliardeninvestitionen, aber kaum Nutzen
23.01.2026 - 09:24:12Die künstliche Intelligenz steckt in der Krise: Trotz massiver Investitionen schaffen es die meisten Firmen nicht, die Technologie produktiv einzusetzen. Neue Studien zeigen eine alarmierende Kluft zwischen Zugang und tatsächlichem Nutzen.
Pilotprojekte im Dauerlauf
Das Problem hat einen Namen: „Pilot Purgatory“ – die Hölle der Pilotprojekte. Unternehmen stecken Milliarden in KI, doch die Systeme verharren in der Testphase. Eine Studie von Deloitte vom 21. Januar enthüllt das Ausmaß: Zwar stieg der Mitarbeiterzugang zu KI-Tools binnen eines Jahres um 50 Prozent. Doch nur jedes vierte Unternehmen schaffte den Sprung von der Erprobung in den produktiven Betrieb.
„Die Technologie ist da, aber sie passt nicht in die Abläufe“, so die nüchterne Analyse. Eine parallele Untersuchung von KPMG untermauert dies. Zwar streben 68 Prozent der Firmen eine „hohe KI-Reife“ an. Erreicht haben sie bislang nur 24 Prozent. Die Krux: Drei Viertel der Manager sind vom Mehrwert überzeugt, doch nur eine Minderheit kann ihn in Euro und Cent nachweisen.
Die erste Welle der generativen KI – vor allem Chat-Systeme – scheiterte an einem Grundprinzip: Sie verlangte von den Mitarbeitern, aktiv Hilfe zu suchen. Der Konsens für 2026 lautet daher: Der Produktivitätsschub kommt erst, wenn die KI unsichtbar in bestehende Prozesse eingewoben ist, statt als separates Tool daneben zu stehen.
Viele Unternehmen investieren massiv in KI – doch es fehlt an Governance und klaren Prozessen. Deloitte stellt fest: Nur jedes fünfte Unternehmen hat ein ausgereiftes Governance‑Modell für agentische Systeme. Ohne richtige Einordnung drohen Bußgelder, Haftungsrisiken und gestoppte Rollouts. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung erklärt Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und konkrete Schritte, damit Sie Agentic‑Projekte rechtskonform skalieren und operationalisieren. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs-Leitfaden herunterladen
Die große Wahrnehmungslücke
Ein zentrales Hindernis ist die Kluft zwischen Chefetage und Belegschaft. Während die Führungsebene von der Revolution schwärmt, fehlt den Mitarbeitern der konkrete Nutzen. Laut einem Report des Anbieters Section hat satte 85 Prozent der Angestellten keine wertvolle Anwendung für KI in ihrer täglichen Arbeit – trotz allgemeinem Zugang.
„Der wirtschaftliche Potenzial liegt in den Billionen, aber er ist an eine Bedingung geknüpft: kontinuierliches Lernen“, warnt ein Pearson-Report vom Weltwirtschaftsforum in Davos. In vielen Firmen fehlt genau diese Strategie. Die Folge: sporadische Nutzung statt transformativer Gewinne. Einmal pro Woche Microsoft Copilot anzuklicken, reicht nicht aus. Die Herausforderung für 2026 ist der Wechsel von „Zugang“ zu „Kompetenz“. Mitarbeiter müssen verstehen, wann ein Tool einen echten Mehrwert bringt.
Rettung durch „Agentic AI“?
Die Branche setzt nun auf einen neuen Ansatz, um die Nutzungslücke zu schließen: „Agentic AI“. Diese Systeme sollen nicht nur Texte generieren, sondern eigenständig mehrstufige Arbeitsabläufe ausführen. Der Wechsel von „Chatbots“ zu „Agenten“ prägt die aktuellen Produktankündigungen.
Am 22. Januar stellte GWI seinen Agent Spark vor. Er ist direkt in ChatGPT und Claude integriert und analysiert eigenständig Milliarden Datenpunkte für Entscheidungsträger. Ebenfalls am 22. Januar brachte Lyzr eine Suite von „Procurement Agents“ auf den Markt, die komplexe Beschaffungsprozesse ohne ständige menschliche Aufsicht managen sollen.
Der Trend geht zu ergebnisorientierter KI. Statt „Schreib eine E-Mail“ lautet der Auftrag an das System künftig: „Manage den Lieferanten-Verlängerungsprozess“. Der Agent erledigt dann Kommunikation, Compliance-Checks und Datenbank-Updates autonom.
Auch der IT-Riese IBM mischt mit. Sein am 19. Januar angekündigter Service IBM Enterprise Advantage hilft Kunden beim Aufbau und der Steuerung interner KI-Plattformen. Die Botschaft: Standardmodelle scheitern oft an den Nuancen unternehmenseigener Daten und Prozesse.
Ein Leuchtturm in Manchester
Während viele kämpfen, zeigt ein Projekt, wie Massenadoption gelingen kann. Die Universität Manchester rollte am 19. Januar Microsoft 365 Copilot für alle 65.000 Mitarbeiter und Studierenden aus. Diese Initiative ist einer der ersten erfolgreichen Versuche, KI- Zugang auf Stadt-Ebene zu demokratisieren – weg vom „Elitenutzer“-Modell der Frühphase.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Paket: Gleichberechtigter Zugang für alle, kombiniert mit umfassendem Training. Ziel ist es, KI zu einer Standard-Utility wie E-Mail zu machen. Beobachter betonen, dass erst solche Breitendeployments die „lange Reihe“ hochwertiger Anwendungsfälle aufdecken, die Top-down-Strategien übersehen.
2026: Das Jahr der Ernüchterung
Die anfängliche Hype-Phase der generativen KI ist vorbei. 2026 steht im Zeichen des Pragmatismus, von Governance und messbaren Ergebnissen. Capgemini spricht in einer Mitte Januar veröffentlichten Studie von einem Wechsel „vom Hype zum Realismus“.
Die unmittelbare Zukunft wird von „kontrollierter Autonomie“ geprägt sein. Deloitte warnt: Zwar investieren 88 Prozent der Firmen in agentische KI, aber nur jedes fünfte Unternehmen hat ein ausgereiftes Governance-Modell für diese autonomen Systeme.
Die Botschaft der ersten Daten des Jahres an die Unternehmenslenker ist eindeutig: Die Technologie zu kaufen, war der einfache Teil. Die harte Arbeit der Prozessneugestaltung, Kompetenzentwicklung und Kulturtransformation hat gerade erst begonnen.
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