Fabrik, Arbeitsschutz

KI in der Fabrik: Arbeitsschutz vor dem Umbruch

16.01.2026 - 02:46:12

Die neue EU-Maschinenverordnung und der AI Act zwingen Unternehmen ab 2027 zu dynamischen Sicherheitskonzepten für lernende Roboter und autonome Systeme in der Produktion.

Deutschlands Industrie muss ihre Sicherheitskonzepte für lernende Roboter und autonome Systeme neu erfinden. Neue EU-Regeln ab 2027 zwingen zum Handeln.

Die Integration von künstlicher Intelligenz (KI) und autonomen Systemen in Fabrikhallen stellt den klassischen Arbeitsschutz vor fundamentale Fragen. Wie bewertet man Risiken, wenn Maschinen ihr Verhalten ständig anpassen? Diese Herausforderung wird 2026 drängend, denn die neue EU-Maschinenverordnung tritt 2027 in Kraft – ohne Übergangsfrist.

Statische Checklisten stoßen an Grenzen

Bisherige Gefährdungsbeurteilungen nach Arbeitsschutzgesetz gehen von vorhersehbaren Maschinenfunktionen aus. KI-gesteuerte Systeme durchbrechen dieses Prinzip. Sie lernen aus Daten, was zu nicht vorhersehbaren Verhaltensweisen führen kann. Die sichere Mensch-Roboter-Kollaboration, der Schutz vor Cyberangriffen und die Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen werden zur zentralen Aufgabe. Ein heute als sicher eingestuftes System könnte sich morgen anders verhalten und gilt dann rechtlich als neues Produkt.

Doppelter Druck aus Brüssel

Die Industrie steht unter doppeltem regulatorischem Druck. Die neue EU-Maschinenverordnung (2023/1230/EU) macht Cybersicherheit und die Sicherheit von KI-Komponenten ab Januar 2027 zur Pflicht. Parallel entfaltet der EU AI Act seine Wirkung. KI-Systeme in der Produktion, die kritische Infrastruktur steuern, gelten oft als Hochrisiko-Anwendungen. Für sie gelten ab 2026 strenge Auflagen zu Risikomanagement und Transparenz.

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Digitale Zwillinge und neue Leitlinien

Als Antwort entwickeln Unternehmen dynamischere Ansätze. Statt einmaliger Prüfung setzt sich ein kontinuierliches Risikomanagement über den gesamten Lebenszyklus durch. Digitale Zwillinge und Simulationen werden entscheidend. Die Otto Group gab etwa bekannt, KI von Nvidia zu nutzen, um Robotereinsätze virtuell zu trainieren und Gefahrenszenarien vorab zu identifizieren.

Auch die nationalen Arbeitsschutz-Institutionen handeln. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht zu menschengerechter KI-Gestaltung. The Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) arbeitet an Pilotleitlinien für KI-gestützte Gefährdungsbeurteilungen, von denen 2026 erste verbindliche Empfehlungen erwartet werden.

Wettbewerbsvorteil durch proaktive Sicherheit

Unternehmen, die jetzt in moderne Sicherheitsstrategien investieren, tun mehr, als nur Compliance zu sichern. Sie schaffen einen Wettbewerbsvorteil. Die Fähigkeit, die Sicherheit autonomer Systeme nachzuweisen, wird zum Qualitätsmerkmal und zur Marktzugangsvoraussetzung. Die verbleibende Zeit bis 2027 muss für die Anpassung interner Prozesse genutzt werden. Die Gefährdungsbeurteilung der Zukunft wird ein dynamischer, datengestützter Prozess sein – so intelligent wie die Fabrik, die sie schützen soll.

@ boerse-global.de