KI-gesteuerte, Geldwäscher

KI-gesteuerte Geldwäscher bedrohen Online-Banking

10.01.2026 - 12:51:12

Kriminelle nutzen erstmals autonome KI, um Geldkuriere zu rekrutieren und Überweisungsbetrug in Echtzeit auszuführen. Eine globale Strafverfolgungswelle zeigt das alarmierende Ausmaß.

BERLIN/LONDON – Internationale Strafverfolgungsbehörden schlagen Alarm: Eine neue Generation von „Agentic AI“ revolutioniert den Online-Betrug. Die autonome Künstliche Intelligenz rekrutiert vollautomatisch ahnungslose Geldkuriere und führt Überweisungsbetrug in bisher unerreichter Geschwindigkeit aus. Parallel dazu melden Europol und US-Behörden spektakuläre Schläge gegen internationale Netzwerke. Die Warnungen markieren eine kritische Wende im digitalen Bedrohungsjahr 2026.

In einer koordinierten Aktion nahmen Beamte der spanischen Nationalpolizei und des Bayerischen Landeskriminalamts am Freitag, den 9. Januar, 34 mutmaßliche Mitglieder des berüchtigten Cybercrime-Syndikats „Black Axe“ fest. Das Netzwerk hatte gezielt Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit ins Visier genommen, um Geldkuriere anzuwerben. Diese liehen – oft unwissentlich – ihre Bankkonten zum Waschen von Erträgen aus Betrugsmascheren wie CEO-Fraud oder Romance Scams.

Die Ermittler froren fast 120.000 Euro auf Konten ein und beschlagnahmten größere Bargeldsummen. Die Operation zielte bewusst darauf ab, die operative Infrastruktur der Gruppe zu zerstören. „Wir gehen gegen die Netzwerke vor, die den Geldfluss erst ermöglichen“, so ein Europol-Sprecher. Die Herausforderung bleibt der grenzüberschreitende Charakter dieser Finanzkriminalität.

Gleichzeitig verschärfen die USA ihren Kampf gegen Geldkurier-Netzwerke. Im Rahmen der jährlichen „Money Mule Initiative“ ergriffen das Justizministerium und das FBI in den letzten zwei Monaten Maßnahmen gegen etwa 2.300 Geldkuriere. Besonders im Fokus stehen dabei Betrugsopfer im höheren Alter.

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„Agentic AI“: Der automatisierte Lockvogel

Doch wie werden diese Kuriere überhaupt gefunden? Sicherheitsexperten identifizieren eine beunruhigende Entwicklung: Die Rekrutierung läuft zunehmend automatisiert ab. Ein Bericht von FinTech Global vom 7. Januar warnt vor „Agentic AI“ als bestimmendem Trend für 2026. Im Gegensatz zu simplen Chatbots führen diese KI-Systeme eigenständig personalisierte Gespräche auf Social-Media-Plattformen. Sie imitieren seriöse Jobangebote oder potenzielle Romanzen, um Vertrauen aufzubauen.

„KI und Bots turbochargen die Rekrutierung“, analysierten Betrugspräventionsspezialisten bereits am 3. Januar. Die Daten sind alarmierend: Weltweit näherte sich die Zahl der für solche Zwecke genutzten Konten im Zeitraum 2024-2025 bereits der Zwei-Millionen-Marke. Für 2026 prognostizieren Experten einen weiteren steilen Anstieg. Kriminelle nutzen Trends wie Remote Work und wirtschaftliche Unsicherheit geschickt als Tarnung.

Diese Automatisierung erlaubt ein bisher unmögliches Ausmaß. Sie schafft eine „wegwerfbare“ Arbeiterarmee von Kurieren, die die Drahtzieher im Hintergrund isoliert und schützt. „Das Risiko verschiebt sich immer weiter an den Anfang der Kundenbeziehung“, stellt der Bericht fest. Banken müssten Risiko-Intelligenz direkt in die Kontoeröffnung und Echtzeit-Entscheidungsprozesse einbetten.

Echtzeit-Überweisung, sofortige Reue

Die Flut an Geldkurieren befeuert direkt den Anstieg des Authorized Push Payment (APP)-Betrugs. Dabei werden Opfer so manipuliert, dass sie Überweisungen an Betrüger selbst autorisieren. Da die Zahlung vom Kunden freigegeben wird, ist sie sofort verbucht – eine Rückholung ist oft unmöglich.

Das Cybersecurity-Unternehmen Integrisit warnte am 8. Januar vor „Echtzeit-Überweisungen, sofortiger Reue“ als Top-Bedrohung für 2026. Banken selbst seien nun das primäre Ziel für KI-gestütztes Phishing, das mit Deepfakes und überzeugenden Ködern traditionelle Sicherheitsvorkehrungen umgeht.

Ein tragischer Fall aus Kanada vom 8. Januar zeigt die Brutalität der Masche: Eine Seniorin verlor ihre gesamten Ersparnisse und Versicherungsgelder, nachdem sie sich von einem angeblichen Bankmitarbeiter hatte täuschen lassen. Sie hob das Geld ab und deponierte es in Krypto-Geldautomaten – eine gängige Taktik, um Fiat-Geld in schwer verfolgbare digitale Assets zu verwandeln.

Banken in der Haftungsfalle

Der regulatorische Druck auf Finanzinstitute wächst, mehr Verantwortung für solche Verluste zu übernehmen. Großbritanniens Payment Systems Regulator (PSR) hat mit einer wegweisenden Regelung global Maßstäbe gesetzt: Seit Ende 2024 müssen beteiligte Banken die Kosten für Betrug je zur Hälfte tragen. Diese 50/50-Haftung zwingt insbesondere die empfangenden Institute, erstmals aktiv nach Anzeichen von Geldwäsche in eingehenden Transaktionen zu suchen.

„Empfangende Banken sind plötzlich mitverantwortlich – das ist neu“, analysiert ACI Worldwide. Die Folge sind neu gestaltete Zahlungsverfahren. Einige Banken führen für hochriskante Transaktionen, etwa an neue Empfänger oder ins Ausland, bewusst „Reibung“ ein: Pflichtanrufe oder Bedenkfristen sollen impulsiven Überweisungen einen Riegel vorschieben.

Die Gefahr lauert aber nicht nur außen. Wie das US-Justizministerium am 6. Januar bekannt gab, gestand ein ehemaliger Mitarbeiter der TD Bank, ein Geldwäsche-Netzwerk unterstützt zu haben. Der Insider hatte Konten eröffnet, um Hunderte Millionen Dollar zu bewegen. Eine deutliche Warnung: Die interne Bedrohung muss ebenso rigoros überwacht werden wie die externe.

Perfekter Sturm: KI trifft auf Echtzeit-Zahlungen

Die Kombination aus KI-gesteuerter Rekrutierung und sofortigen Zahlungen schafft einen „perfekten Sturm“ für Finanzkriminalität. Die Zerschlagung von „Black Axe“ zeigt, dass Strafverfolger nun die Infrastruktur des Betrugs attackieren – die Kuriernetzwerke – und nicht nur Einzeltäter jagen.

„Diese Netzwerke bedrohen die Stabilität der Institute selbst“, warnt ein Bericht von finews.com vom 9. Januar. Die flächendeckende Einführung von Echtzeit-Zahlungssystemen habe den „Zeitpuffer“ eliminiert, den Banken früher zur Anomalie-Erkennung nutzten. Die Branche setzt daher zunehmend auf verhaltensbasierte Biometrie und kontextuelle Überwachung, um in Echtzeit auf Zwang oder ungewöhnliche Muster zu reagieren.

Was Verbraucher jetzt wissen müssen

Für das restliche Jahr 2026 prognostizieren Experten eine weitere regulatorische Verschärfung, insbesondere für „empfangende“ Institute. Der Fokus wird sich von reinem Senderschutz hin zu Sanktionen für Banken verschieben, die die Eröffnung von Kurierkonten überhaupt ermöglichen.

Zu erwarten sind:
* Die weltweite Einführung von „Confirmation of Payee“-Systemen, die den Kontoinhabernamen vor der Überweisung abgleichen.
* Ein KI-Wettrüsten: Verteidiger setzen vermehrt KI ein, um die „Agentic AI“-Angriffe der Kriminellen zu kontern.
* Verschärfte „Know Your Customer“-Regeln für Krypto-On-Ramps, wie der Fokus auf Krypto-ATMs in aktuellen Ermittlungen zeigt.

Verbrauchern wird dringend geraten, jede unaufgeforderte Zahlungsaufforderung – selbst von „verifizierten“ Nummern – mit äußerster Skepsis zu behandeln. Wie die Hongkonger Währungsbehörde am 9. Januar erneut betonte: Seriöse Banken versenden niemals SMS mit Links, die zur Eingabe von Login-Daten auffordern.

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