KI-Gesetze treiben HR-Abteilungen weltweit in die Pflicht
01.01.2026 - 12:00:12Ab heute gelten verschärfte Regeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Personalarbeit. Während die EU ihren KI-Vertrauensakt umsetzt, tritt in den USA ein wegweisendes Gesetz in Kraft. Für globale Unternehmen beginnt damit das Jahr der verbindlichen KI-Governance.
Für Personalverantwortliche und Compliance-Teams markiert 2026 den Übergang von der Vorbereitung zur verbindlichen Praxis. Die volle Rechtswirkung der Vorgaben für Hochrisiko-KI-Systeme nach dem EU-KI-Gesetz tritt zwar erst am 2. August 2026 in Kraft. Doch die komplexen Anforderungen an Risikomanagementsysteme und Daten-Governance machen den Jahresbeginn zum faktischen Startschuss.
„Die Schonfrist ist vorbei“, betonen Compliance-Experten in aktuellen Analysen. Wer seine internen KI-Governance-Strukturen noch nicht etabliert hat, liegt bereits im Verzug. Die verbleibenden sieben Monate bis zur verbindlichen Frist sind knapp bemessen.
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Globales Signal aus den USA
Ein wesentlicher Treiber dieser Dringlichkeit ist das heute in Kraft getretene Illinois House Bill 3773. Das Gesetz verschärft das Antidiskriminierungsrecht des US-Bundesstaates. Arbeitgeber begehen künftig eine Rechtsverletzung, wenn sie KI-Systeme im Recruiting oder bei Beförderungen einsetzen, die einen diskriminierenden Effekt haben.
Obwohl es sich um ein Landesrecht handelt, wird H.B. 3773 von globalen Konzernen als transatlantisches Signal verstanden. Es steht im Einklang mit den strengen EU-Vorgaben. Für international tätige Unternehmen beginnt damit die aktive Haftung für KI-gestützte Personalentscheidungen. Eine zentrale Pflicht: Mitarbeiter müssen informiert werden, wenn KI bei wichtigen Entscheidungen zum Einsatz kommt – eine Transparenzverpflichtung, die dem EU-KI-Gesetz gleicht.
EU-KI-Gesetz: Der Endspurt zum August
Nach der EU-Verordnung gelten KI-Systeme für Personalbeschaffung, Aufgabenverteilung und Leistungsbewertung als Hochrisiko. Ab sofort müssen Unternehmen ihre Compliance-Fahrpläne umsetzen, um den Stichtag im August zu erreichen.
Zu den zentralen Governance-Pflichten, die Personalabteilungen in diesem Quartal operationalisieren müssen, gehören:
* Grundrechte-Folgenabschätzungen: Die Auswirkungen von KI-Tools auf Arbeitnehmerrechte müssen bewertet werden.
* Protokolle für menschliche Aufsicht: Es sind „Human-in-the-Loop“-Prozesse zu etablieren, bei denen geschultes Personal – nicht der Algorithmus – die finale Entscheidung trifft.
* Governance der Datenqualität: Die Trainingsdaten für Recruiting-Algorithmen müssen von historischen Verzerrungen bereinigt werden – ein Prozess, der Monate an Überprüfung erfordert.
Die bereits seit Februar 2025 geltende KI-Kompetenzpflicht für HR-Mitarbeiter rückt 2026 ebenfalls in den Fokus der Aufsichtsbehörden. Sie werden voraussichtlich Nachweise für die Schulung der betroffenen Mitarbeiter einfordern.
Deutsche Aufsichtsstruktur nimmt Gestalt an
In Deutschland hat sich die Umsetzungslandschaft mit dem Ende 2025 vorgelegten Entwurf für ein KI-Durchführungsgesetz konkretisiert. Die Bundesnetzagentur wurde als primäre Marktüberwachungsbehörde benannt und baut ihre Kapazitäten aus.
Für deutsche Personalabteilungen wird die Regulierung damit greifbar. Die neue „Kammer für die Überwachung des KI-Marktes“ (UKIM) soll ihre aktiven Überwachungsaufgaben 2026 aufnehmen. Dies schafft eine konkrete Ansprechstelle, der sich Unternehmen verantworten müssen. Der institutionelle Druck auf die Betriebe, ihre Governance-Rahmenwerke finalisiert zu haben, steigt.
Analyse: Die Zangenbewegung der Regulierung
Das Zusammentreffen des Illinois-Gesetzes und der finalen EU-Vorbereitungsphase erzeugt eine regulatorische Zangenbewegung. Branchenbeobachter erwarten, dass 2026 zum Jahr der „Erklärbaren KI“ (XAI) wird. Personalchefs erkennen, dass undurchsichtige „Blackbox“-Algorithmen ein rechtliches Haftungsrisiko darstellen.
„Die Ära von ‚einfach einsetzen und später Fragen stellen‘ in der HR-Tech ist offiziell beendet“, kommentiert der Markt. Ob es um die spezifischen Antidiskriminierungsvorschriften in Illinois oder die hohen Bußgelder der EU ab August geht – Governance ist jetzt eine tägliche Betriebsanforderung.
Ausblick: Die kritischen nächsten sechs Monate
Die kommenden zwei Quartale werden entscheidend sein. Bis zum zweiten Quartal 2026 müssen Unternehmen in der EU ihre Konformitätsbewertungen für Hochrisiko-HR-Systeme vorbereitet haben. Zudem wird weitere Klarstellung durch das Europäische KI-Büro zu technischen Standards für Dokumentation und Transparenz erwartet.
Die Botschaft zum 1. Januar ist eindeutig: Die verbindlichen Governance-Pflichten haben begonnen. Getrieben werden sie von einer Mischung aus neuen, aktiven Gesetzen und dem unausweichlichen Zeitplan der europäischen Regulierung.
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