KI-Gesetz, Kennzeichnung

KI-Gesetz: EU lockert Kennzeichnung für Satire und Fiktion

07.01.2026 - 22:15:12

Die EU-Kommission konkretisiert Transparenzregeln für KI-generierte Inhalte. Künstlerische und satirische Werke erhalten vereinfachte Kennzeichnungspflichten, während täuschende Deepfakes strengen Auflagen unterliegen.

Die EU-Kommission konkretisiert die Transparenzregeln für KI-generierte Inhalte – mit erleichterten Vorgaben für kreative Werke. Satirische und fiktive Inhalte sollen nur minimal gekennzeichnet werden müssen, während täuschende Deepfakes strenge Auflagen erwarten.

Balanceakt zwischen Transparenz und Kunstfreiheit

Kurz vor der Umsetzung des historischen KI-Gesetzes der Europäischen Union zeichnet sich eine pragmatische Lösung für die kreative Branche ab. Wie aus Kreisen der EU-Kommission bekannt wurde, sollen satirische, künstlerische und fiktive Inhalte von den strengsten Kennzeichnungspflichten ausgenommen werden. Der Grund: Die geplante Transparenz-Verordnung soll Verbraucher schützen, ohne künstlerische Freiheit unnötig einzuschränken.

Konkret geht es um Artikel 50 des KI-Gesetzes. Dieser schreibt vor, dass KI-generierte Inhalte – besonders täuschend echte Deepfakes – klar gekennzeichnet werden müssen. Für offensichtlich kreative Werke soll nun jedoch eine “minimale und nicht aufdringliche” Kennzeichnung genügen. Ein einfacher Hinweis im Abspann oder ein dezent eingeblendetes Wasserzeichen könnten ausreichen, sofern keine Täuschungsabsicht vorliegt.

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Harte Linie bei täuschenden Deepfakes

Doch Vorsicht: Die Milde gilt nur für eindeutig als Fiktion erkennbare Werke. Für politische Inhalte, kommerzielle Werbung oder Nachrichtenformate gelten weiterhin strenge Regeln. Hier muss die künstliche Herkunft spätestens beim ersten Kontakt erkennbar sein – etwa durch klare Warnhinweise.

Die Unterscheidung liegt im Wort “offensichtlich”. Ist der satirische oder fiktive Charakter eines Inhalts nicht sofort erkennbar, greifen die strengeren Vorschriften. Diese Grauzone könnte besonders bei Formaten wie Doku-Fiktion oder subtiler Satire zu Konflikten führen.

Code of Practice in der Endphase

Die technischen Details werden aktuell im Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content ausgearbeitet. Nach einem ersten Entwurf vom Dezember 2025 beraten Arbeitsgruppen am 12. und 14. Januar über die praktische Umsetzung. Im Fokus stehen maschinenlesbare Kennzeichnungen wie Wasserzeichen und Metadaten-Standards.

Obwohl der Verhaltenskodex formal freiwillig ist, wird er als zentrale Orientierung für die Einhaltung des verbindlichen KI-Gesetzes dienen. Unternehmen, die sich daran halten, genießen rechtliche Sicherheit.

Erleichterung für Europas Kreativwirtschaft

Die Klarstellungen kommen zur rechten Zeit für Filmstudios, Spieleentwickler und Medienhäuser. Diese hatten befürchtet, dass pauschale Kennzeichnungspflichten die Ästhetik ihrer Werke beeinträchtigen oder beim Publikum zu “Warnmüdigkeit” führen könnten.

Die EU versucht hier einen schwierigen Spagat: Einerseits soll Desinformation bekämpft werden, andererseits darf kulturelle Expression nicht erstickt werden. Die Risiken eines Science-Fiction-Films sind nun einmal fundamental anders als die einer synthetischen Politiker-Aufnahme.

Countdown bis August 2026

Der Zeitplan bleibt ambitioniert. Nach den Januar-Treffen soll im März 2026 ein zweiter Entwurf vorliegen, die finale Fassung ist für Mitte 2026 geplant. Damit bliebe der Industrie nur wenige Wochen Vorbereitungszeit, bevor die Transparenzpflichten am 2. August 2026 verbindlich werden.

Unternehmen müssen sich nun rasch anpassen. Anbieter von KI-Modellen müssen maschinenlesbare Marker integrieren, Nutzer dieser Tools müssen ihre Benutzeroberflächen für menschenlesbare Hinweise umrüsten. Die kommenden Monate entscheiden, wie sichtbar das “KI”-Label in Europas Unterhaltungslandschaft künftig sein wird.

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