KI-Euphorie, Prozess-Hygiene

KI-Euphorie weicht 2026 der Prozess-Hygiene

18.01.2026 - 13:32:12

Firmen vollziehen strategische Wende von der reinen KI-Einführung hin zur vorherigen Prozessverschlankung, da unvorbereitete Automatisierung Kapital verbrennt und kaum ROI bringt.

Nach dem Hype um KI-Tools kehrt in den Chefetagen Ernüchterung ein. Unternehmen vollziehen eine strategische Kehrtwende – weg vom reinen Technologie-Kauf, hin zur „Prozess-Hygiene“. Aktuelle Daten zeigen: Die Einführung neuer Tools ohne vorherige Prozess-Verschlankung verbrennt Kapital.

Die Digitalisierung ineffizienter Abläufe hat in vielen Firmen lediglich dazu geführt, dass Fehler schneller und kostspieliger produziert werden. Der Fokus verschiebt sich deshalb radikal. Bevor neue Software-Lizenzen erworben werden, müssen die zugrundeliegenden Prozesse jetzt entschlackt werden.

Die teure Lektion der „Tool-First“-Strategie

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Berichten von Bain & Company zufolge verfehlten bereits 2024 rund 88 Prozent der Unternehmenstransformationen ihre Ziele. Eine Untersuchung des MIT Project NANDA zeichnet Ende 2025 ein noch drastischeres Bild für KI-Initiativen:

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  • Rund 95 Prozent der Organisationen sahen keinen direkten Return on Investment (ROI) aus ihren KI‑Piloten.
  • Nur ein Bruchteil schaffte den Sprung in die skalierte Produktion.

Experten führen dies nicht auf die Technologie selbst zurück, sondern auf mangelnde Prozess-Reife. Die Automatisierung eines schlechten Prozesses führe lediglich zu einem „schnellen schlechten Prozess“. Dieser „Digital Hangover“ zwingt zum Umdenken: Budgets fließen vermehrt in die Analyse und Bereinigung der operativen Wertschöpfungskette.

Renaissance des Process Mining

Profiteur dieser Entwicklung ist der Markt für Prozess-Intelligenz. Prognosen deuten darauf hin, dass der Markt für Process-Mining-Software von rund 3,66 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf über 5,4 Milliarden im Jahr 2026 anwachsen wird.

Diese Technologien analysieren digitale Fußspuren in Unternehmenssystemen, um Flaschenhälse zu identifizieren. Sie sind keine Werkzeuge mehr nur für Auditoren, sondern werden zur Vorbedingung für jede IT-Investition. Ein neuer Trend ist dabei das „Agentic Process Mining“. Autonome KI-Agenten überwachen dabei Abläufe in Echtzeit und schlagen Korrekturen vor, bevor ein menschlicher Eingriff nötig wird.

Regulierung als Treiber: Der DORA-Effekt

Neben der wirtschaftlichen Notwendigkeit erhöht auch der Gesetzgeber den Druck. Der Digital Operational Resilience Act (DORA) der EU zwingt seit Anfang 2025 Finanzunternehmen zu einer lückenlosen Dokumentation ihrer Prozesse.

Diese regulatorische Anforderung strahlt auf andere Branchen aus. Komplexe „Schatten-IT“ und undokumentierte Workarounds, die im Mittelstand oft geduldet wurden, stellen nun ein Compliance-Risiko dar. Für viele deutsche KMUs ist das eine doppelte Herausforderung: Zwar haben 86 Prozent die Relevanz von KI erkannt, doch kämpfen viele mit grundlegenden Hürden wie unzureichender Datenqualität.

Der Faktor Mensch und Kultur

Die Rückkehr zur Prozess-Disziplin erfordert einen kulturellen Wandel. Berichte heben hervor, dass „Human-Centric Process Design“ an Bedeutung gewinnt. Es geht nicht mehr nur um Effizienzsteigerung, sondern darum, Mitarbeiter von repetitiven Tätigkeiten zu entlasten.

Führungskräfte müssen lernen: Die Einführung eines Tools wie Microsoft Copilot ersetzt keine Strategie. Die eigentliche Arbeit liegt in der Vorbereitung: Wer darf auf welche Daten zugreifen? Welche Prozessschritte sind redundant?

Das Jahr 2026 markiert das Ende der naiven Digitalisierung. Die Devise lautet „Simplify, then Automate“. Unternehmen, die ihre Hausaufgaben in der Prozess-Sanierung machen, werden agiler agieren können als Wettbewerber, die Probleme weiterhin mit Technologie zu überdecken versuchen.

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