KI-Betrug, Banken

KI-Betrug zwingt Banken zum digitalen Wettrüsten

12.02.2026 - 00:21:12

Angriffe mit KI und Deepfakes auf Finanzinstitute sind um über 1.200 Prozent gestiegen. Die Branche reagiert mit eigenen KI-Systemen zur Betrugserkennung und setzt auf Biometrie.

Eine Explosion KI-gestützter Finanzbetrugsangriffe versetzt die globale Bankenbranche in Alarmbereitschaft. Neue Daten zeigen einen Anstieg um über 1.200 Prozent binnen eines Jahres – die Schäden gehen in die Milliarden. Die Finanzinstitute reagieren mit einer eigenen KI-Offensive.

Veröffentlicht: Donnerstag, 12. Februar 2026

KI-Kriminalität hat traditionelle Betrugsmethoden überholt und markiert einen Wendepunkt für die Sicherheit im digitalen Banking. Ein aktueller Bericht des Betrugserkennungsunternehmens Pindrop zeigt, dass Angriffe auf große US-Finanzkunden im vergangenen Jahr um schockierende 1.210 Prozent in die Höhe schnellten. Der Gesamtschaden wird auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Diese beispiellose Welle signalisiert, dass Kriminelle generative KI und Deepfakes nun flächendeckend als Waffe einsetzen.

Gleichzeitig wurden in den letzten 48 Stunden neue, hochsophistizierte Varianten von Mobile-Banking-Malware identifiziert. Sie zielen darauf ab, konventionelle Sicherheitsmaßnahmen auszuhebeln. Als Reaktion darauf beschleunigen die Finanzinstitute ihre eigene KI-Einführung. Eine separate Studie belegt, dass bereits 71 Prozent der Banken KI für Risikomanagement und Betrugserkennung nutzen. Es entbrennt ein kritischer Kampf zwischen bösartigen und defensiven Algorithmen.

Die neue Angriffswelle: Deepfakes und Social Engineering 2.0

Die jüngsten Branchendaten zeigen, wie zugängliche KI-Tools anspruchsvollen Betrug demokratisiert haben. Kriminelle nutzen generative KI, um überzeugende Phishing-E-Mails zu erstellen, Führungskräfte zu imitieren und mit Deepfake-Audio sowie -Video sowohl Verbraucher als auch Bankmitarbeiter zu täuschen. Diese Technologie befeuert Social-Engineering-Taktiken, die die menschliche Psychologie ausnutzen, um Opfer zu irreversiblen Zahlungen zu manipulieren.

Diese Entwicklung spiegelt die größten Sorgen der Bankenchefs wider. Ein aktueller Report zeigt, dass fast die Hälfte der regionalen Banker (46 Prozent) Überweisungsbetrug als die größte Betrugsbedrohung für 2026 ansieht. Diese Betrugsmaschen erzeugen oft ein falsches Gefühl der Dringlichkeit – eine Taktik, die durch KI-generierte Inhalte, die vertraute Personen täuschend echt nachahmen können, weitaus effektiver wird. Auch US-Aufsichtsbehörden warnen vor der zunehmenden Nutzung von „Vishing“ (Voice-Phishing), bei dem sich Angreifer als IT-Mitarbeiter ausgeben. Diese Bedrohung wird durch KI-Stimmenklon-Technologie massiv verstärkt.

Malware wird immer raffinierter

Während KI die Reichweite von Betrugskampagnen erhöht, wird spezialisierte Malware, die digitale Banking-Plattformen angreift, immer ausgefeilter. So warnte erst am 11. Februar die First Hawaiian Bank vor einer neuen Version der „GodFather“-Malware für Android-Geräte. Diese fortschrittliche Variante verlässt sich nicht mehr auf simple Fake-Login-Bildschirme. Stattdessen führt sie eine echte Kopie der Banking-App des Nutzers in einer versteckten, virtualisierten Umgebung aus, die sie kontrolliert. So kann sie Logins, Sicherheitscodes und PINs abfangen, während für den Nutzer alles normal erscheint.

Parallel dazu wurde am 10. Februar FvncBot entdeckt, eine weitere neue Android-Malware-Variante, die polnische Bankkunden ins Visier nimmt. Sie tarnt sich als Sicherheitstool, um Tastenanschläge aufzuzeichnen und Fernsteuerung zu ermöglichen. Zudem identifizierten Sicherheitsforscher diese Woche eine neue kommerzielle Spyware-Plattform namens ZeroDayRAT, die Kriminellen auf Telegram angeboten wird. Das Tool ermöglicht die vollständige Fernsteuerung kompromittierter Android- und iOS-Geräte für Echtzeit-Überwachung, Datendiebstahl und direkten Finanzbetrug.

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Die Gegenoffensive der Banken: KI und Biometrie als Schild

Angesichts dieser Attacken setzt die Finanzbranche rasch ihre eigenen KI-gestützten Abwehrmaßnahmen ein. Laut einer Studie von Finastra vom 10. Februar nutzt die große Mehrheit der Finanzinstitute aktiv KI, vorrangig zur Betrugserkennung. Diese defensiven KI-Systeme analysieren Tausende von Datenpunkten per Sekunde, um anomale Transaktionsmuster zu erkennen, Echtzeit-Risikobewertungen für Zahlungen vorzunehmen und die ersten Untersuchungsschritte zu automatisieren. Menschliche Analysten können sich so auf die komplexesten Bedrohungen konzentrieren.

Neben prädiktiver Analytik integrieren Banken zunehmend fortschrittliche Identitätsprüfungs-Tools. Biometrie – einschließlich Gesichtserkennung, Stimmanalyse und sogar Tippverhaltensdynamik – wird vom Science-Fiction-Element zur Standardpraxis für Kunden-Onboarding und Betrugsprävention. Diese Methoden fügen eine entscheidende, nutzerfreundliche Sicherheitsebene hinzu, die für Kriminelle selbst mit KI-Tools deutlich schwerer zu überwinden ist. Sie helfen, Kontenübernahmen und Betrug mit synthetischen Identitäten zu bekämpfen.

Regulierungsdruck auf Finanzinstitute steigt

Das technologische Wettrüsten findet unter wachsamer Beobachtung der Aufsichtsbehörden statt, die den Druck auf die Banken erhöhen, ihre Verteidigung zu stärken. In den USA bereiten sich Finanzinstitute auf eine Frist im März 2026 für neue Regeln von Nacha, der Aufsichtsbehörde für das ACH-Zahlungsnetzwerk, vor. Diese Regeln bedeuten einen bedeutenden Wandel: Empfangende Banken müssen eingehende Zahlungen aktiv auf Anzeichen von „Geldkuriervorgängen“ überwachen, einem Schlüsselelement von Betrugsnetzwerken. Diese Änderung macht die empfangende Institution effektiv haftbarer für autorisierte Push-Payment-Betrugsfälle (APP), bei denen ein Kunde getäuscht wird, Geld zu senden. Dies treibt die gesamte Branche zu proaktiverer, Echtzeit-Betrugserkennung. Dieser Trend spiegelt sich in eskalierenden Durchsetzungsmaßnahmen von Behörden wie dem Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) wider, das kürzlich einen erneuten Fokus auf die Einhaltung von Anti-Geldwäsche-Vorschriften und Betrugserkennung signalisiert hat.

Analyse: Ein neues Paradigma für digitales Vertrauen

Die Entwicklungen der letzten 72 Stunden bestätigen, dass der Kampf um die digitale Banksicherheit eine neue Phase erreicht hat. Die Kernherausforderung besteht nicht mehr nur darin, unbefugten Zugriff zu verhindern, sondern auch legitim aussehende Transaktionen zu identifizieren, die das Produkt raffinierter, KI-gesteuerter Manipulation sind. Dies ist ein grundlegender Wandel vom Abwehren von Hackern zum Stoppen von Betrug – ein weitaus komplexeres Problem.

Die Geschwindigkeit und das Ausmaß KI-gestützter Angriffe bedeuten, dass traditionelle, regelbasierte Betrugserkennungssysteme obsolet werden. Die Branche befindet sich nun in einem „Wettrüsten von Modell gegen Modell“. Der Erfolg der Banksicherheit hängt von der Fähigkeit ab, KI einzusetzen, die schneller lernt und sich anpasst als die Algorithmen der Kriminellen.

Ausblick: Autonome Abwehr und erhöhte Wachsamkeit

In Zukunft wird die Finanzbranche voraussichtlich zu autonomeren „agentischen KI“-Systemen übergehen, die Bedrohungen nicht nur erkennen, sondern auch mit minimalem menschlichem Eingreifen untersuchen und darauf reagieren können. Eine engere Zusammenarbeit und der Austausch anonymisierter Bedrohungssignale zwischen den Institutionen werden unerlässlich sein, um mit sich schnell entwickelnden Betrugsnetzwerken Schritt zu halten.

Gleichzeitig dürften die Aufsichtsbehörden ihre Prüfung dieser komplexen Systeme verstärken und auf mehr „erklärbare KI“ drängen. Damit soll sichergestellt werden, dass automatisierte Entscheidungen, die die Finanzen der Kunden betreffen, transparent und überprüfbar sind. Für die Verbraucher erfordert diese neue Ära einen Zustand erhöhter Wachsamkeit. Die Annahme muss sein, dass jede unaufgeforderte Bitte um Geld oder Informationen ein KI-generierter Deepfake oder ein raffinierter Betrug sein könnte. Die Überprüfung von Anfragen über separate, vertrauenswürdige Kanäle wird zu einer essenziellen Sicherheitsgewohnheit für jeden im digitalen Banking-Ökosystem.

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