KI-Avatare, Kommunen

KI-Avatare: Kommunen setzen auf digitale Gebärdensprache

20.01.2026 - 23:57:12

KI-gestützte 3D-Avatare übersetzen Amtstexte automatisch in Deutsche Gebärdensprache und helfen Kommunen, gesetzliche Vorgaben zur Barrierefreiheit wirtschaftlich umzusetzen.

KI-gestützte Gebärdensprach-Avatare werden für Deutschlands Kommunen zum Schlüssel für digitale Barrierefreiheit. Sie helfen, gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und inklusive Bürgerservices zu schaffen.

Die Lösung für eine gesetzliche Pflicht

Die digitale Barrierefreiheit ist für Städte und Gemeinden längst keine freiwillige Leistung mehr. Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) verpflichtet öffentliche Stellen, ihre Webangebote zugänglich zu machen – inklusive Informationen in Deutscher Gebärdensprache (DGS). Für viele Gehörlose ist die deutsche Schriftsprache jedoch eine Fremdsprache. Bislang waren Gebärdensprachvideos mit menschlichen Dolmetschern teuer und aufwendig, besonders bei häufig aktualisierten Inhalten.

Wie der Avatar-Baukasten funktioniert

Hier setzen modulare Softwarelösungen wie der sogenannte Gebärdensprach-Avatar-Baukasten an. Anbieter wie die alangu GmbH nutzen Künstliche Intelligenz, um geschriebene Texte automatisiert in DGS zu übersetzen. Ein digitaler 3D-Avatar führt die Gebärden anschließend in einem Video aus, das Kommunen einfach auf ihre Websites einbinden können. Der große Vorteil: Die Verwaltungen benötigen keine eigene Gebärdensprachexpertise.

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KI-Systeme wie Gebärdensprach-Avatare eröffnen Kommunen große Chancen – bringen aber auch neue rechtliche Pflichten mit. Die EU‑KI‑Verordnung verlangt Kennzeichnung, Risikoklassifizierung, Transparenzpflichten, ausführliche Dokumentation und technische Nachweise, gerade für öffentliche Stellen, die automatisierte Entscheidungen einsetzen. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah, welche Anforderungen Kommunen und Anbieter jetzt erfüllen müssen, welche Fristen gelten und wie Sie Projekte rechtssicher, datenschutzkonform und barrierefrei umsetzen. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden zur EU-KI-Verordnung herunterladen

Skalierbar und wirtschaftlich

Die KI-Systeme bieten eine skalierbare Alternative. Änderungen in Amtstexten können nahezu in Echtzeit auch in der Gebärdensprach-Version abgebildet werden. Das macht die Bereitstellung von Informationen zu Dienstleistungen oder Antragsverfahren nicht nur schneller, sondern auch kosteneffizienter. Für die Kommunen ist dies ein doppelter Gewinn: Sie leisten einen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe und sichern gleichzeitig die Rechtskonformität ihrer digitalen Kommunikation.

Kompetenzaufbau in der Verwaltung nötig

Die erfolgreiche Nutzung solcher Technologien erfordert ein Umdenken in den Rathäusern. Der Kompetenzaufbau im Bereich KI wird für Verwaltungsmitarbeitende immer wichtiger, um die Potenziale für effizientere Abläufe voll auszuschöpfen. Initiativen zur Qualifizierung sind daher ein zentraler Baustein der digitalen Transformation. Verschiedene Förderprogramme von Bund und Ländern können die notwendigen Investitionen unterstützen.

Debatte über Qualität und Grenzen

Der Einsatz von Avataren ist Teil eines größeren Trend: KI modernisiert die Verwaltung, von Chatbots bis zur Übersetzung von Behördensprache. Doch die Diskussion über die richtige Balance ist in vollem Gange. Kritiker betonen, dass die nuancierte und kulturell sensible Ausdrucksfähigkeit menschlicher Dolmetscher durch Avatare nicht erreicht wird. Eine Fachveranstaltung der Bundesfachstelle Barrierefreiheit am 26. Februar 2026 wird sich genau diesen Chancen und Grenzen widmen.

Für Kommunen geht es nun darum, die Implementierung strategisch zu planen und durch Schulungen zu begleiten. Die Technologie bietet das Werkzeug – ihre sinnvolle Anwendung entscheidet über den Erfolg für mehr digitale Teilhabe.

@ boerse-global.de