Keysight Technologies: Wie der Messtechnik-Spezialist zum versteckten Enabler der digitalen Industrie wird
14.01.2026 - 01:57:20Unsichtbarer Enabler: Warum Keysight Technologies in jeder digitalen Innovation steckt
Wer über 5G, künftige 6G-Netze, autonomes Fahren, leistungsstarke Rechenzentren oder hochintegrierte Chips spricht, landet schneller bei einem Namen, als vielen bewusst ist: Keysight Technologies. Das Unternehmen liefert keine hippen Consumer-Gadgets, sondern die Mess- und Testsysteme, ohne die kein Modem, kein Radar, kein Power-IC jemals das Labor verlassen würde. In der Wertschöpfungskette der Hightech-Industrie ist Keysight damit so etwas wie der Ausrüster der Ausrüster – mit einer klaren Fokussierung auf Hochfrequenz-, Hochgeschwindigkeits- und Power-Electronics-Test.
Der strategische Clou: Während viele Messtechnik-Anbieter noch stark auf klassische Labor-Instrumente setzen, hat Keysight Technologies in den vergangenen Jahren seine Produktpalette konsequent in Richtung Software, automatisierte Testlösungen und Cloud-native Workflows erweitert. Damit adressiert das Unternehmen genau die Engpässe, mit denen OEMs und Chipdesigner derzeit kämpfen: Time-to-Market, Komplexität und Validierung in immer stärker virtualisierten Entwicklungsumgebungen.
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Das Flaggschiff im Detail: Keysight Technologies
Streng genommen ist Keysight Technologies kein einzelnes Produkt, sondern ein breit aufgestelltes Portfolio, das von Highend-Oszilloskopen über Netzwerkanalysatoren bis zu kompletten Test-Ökosystemen für 5G/6G, Automotive, Halbleiterfertigung, Rechenzentren und Quantenforschung reicht. Aus Marktsicht positioniert sich Keysight als Komplettanbieter für elektronische Mess- und Testlösungen entlang des gesamten Produktlebenszyklus: Design, Simulation, Verifikation, Produktion und Feldbetrieb.
Typisch für das aktuelle Profil von Keysight sind drei Produktachsen:
- Physikalische Instrumente: Hochleistungs-Oszilloskope, Signalgeneratoren, Spektrumanalysatoren, Netzwerkanalysatoren, Logikanalysatoren, Source-Measure-Units und Leistungstester – optimiert für hohe Bandbreiten, hohe Auflösung und niedrigen Jitter.
- Software & Simulation: Plattformen wie PathWave (Design, Simulation, Automatisierung) und anwendungsspezifische Software für 5G/6G, Automotive-Radar, Hochgeschwindigkeitsschnittstellen (z.B. PCIe, USB4, PAM4), Netzwerksicherheit und Cloud-Analytik.
- Integrierte Testlösungen: Turnkey-Systeme für 5G/6G-Basisstationen, Endgeräte, Open-RAN, Automotive-Ethernet, ADAS-Sensorik, Batterietests, Halbleiter-Charakterisierung sowie Fertigungs- und End-of-Line-Tests.
Der eigentliche Differenzierungsfaktor ist dabei weniger ein einzelnes Flaggschiff-Gerät, sondern die enge Verzahnung von Hardware, Messalgorithmen und Software. So können Entwickler beispielsweise ihre 5G- oder künftigen 6G-Designs in Keysights Simulationsumgebungen entwerfen, mit denselben Modellen in der Laborumgebung verifizieren und später Produktions- und Konformitätstests automatisieren – ohne Medienbrüche und mit hoher Datenkonsistenz.
Exemplarisch zeigen sich die Stärken von Keysight in folgenden Kernfeldern:
- 5G/6G & Wireless: Keysight gehört zu den führenden Anbietern von Testlösungen für 3GPP-Standards, Massive-MIMO, mmWave und Beamforming. Die Systeme decken den Weg vom Protokoll-Stack über RF-Frontend bis zur End-to-End-PER/Throughput-Messung ab.
- Automotive & E-Mobility: Für Fahrzeughersteller und Zulieferer bietet Keysight Testsysteme für Hochvolt-Batterien, Onboard-Charger, Inverter, Leistungselektronik, Automotive-Ethernet, Radar (24–81 GHz) und V2X-Kommunikation. Besonders relevant: Die Integration von Hardware-in-the-Loop (HiL) und Szenario-Simulation für ADAS.
- High-Speed Digital & Rechenzentren: Lösungen für PAM4-Signale, SerDes, PCIe, USB4/Thunderbolt, 800G/1,6T-Ethernet sowie Jitter- und Eye-Diagramm-Analysen sind Kernbausteine für Hyperscaler und Netzwerkhersteller.
- Halbleiter & Power Devices: Keysight adressiert mit Parametertestern, Wafer-Probing-Lösungen und Power-Device-Charakterisierung (SiC/GaN) die steigenden Anforderungen der Chip- und Leistungselektronikindustrie.
Besonders wichtig aus Business-Perspektive: Keysight wandelt klassische Einmal-Investitionen zunehmend in wiederkehrende Einnahmen, etwa durch Softwarelizenzen, Subskriptionsmodelle, Cloud-Services und Serviceverträge. Für Unternehmenskunden in der D-A-CH-Region – insbesondere Automotive, Machine-Building, Halbleiter, Telekommunikation – erhöht dies zwar die Planbarkeit der Kosten, bindet sie aber auch langfristig enger an die Keysight-Plattformen.
Der Wettbewerb: Keysight Technologies Aktie gegen den Rest
Im Messtechnikmarkt konkurriert Keysight Technologies mit wenigen, aber sehr starken Playern. Die wichtigsten direkten Rivalen sind vor allem Rohde & Schwarz (Deutschland) und Tektronix (eine Marke von Fortive, USA), teils auch NI (vormals National Instruments, heute Teil von Emerson). Besonders sichtbar wird der Wettbewerb, wenn man konkrete Produktsegmente vergleicht.
Im direkten Vergleich zu den Rohde & Schwarz R&S FSW-Spektrumanalysatoren positioniert sich Keysight mit seinen Highend-Spektrumanalysatoren der UXA- und MXA-Serie klar im Premium-Segment. R&S punktet traditionell mit exzellentem Phasenrauschen und sehr tiefgehender Integration in den Mobilfunkstandardisierungsprozess – ein Vorteil in Europa, wo viele 3GPP-Aktivitäten und Netzbetreiber sitzen. Keysight wiederum setzt auf sehr breite Bandbreite, flexible Upgradability und auf Softwarepakete, die 5G/6G-Konformitätstests, Modulationsanalyse und Spektrummonitoring in ein durchgängiges Framework überführen.
Im Oszilloskopmarkt wiederum gilt Tektronix als klassischer Herausforderer. Im direkten Vergleich zu den Tektronix DPO/MSO-Serien oder den Highend-Oszilloskopen der Tektronix 6 Series B adressiert Keysight mit seinen Infiniium UXR- und MXR-Serien Anwender, die höchste Bandbreiten (bis weit über 100 GHz), exzellente Signaltreue und enge Integration mit Protokoll-Decodern für PCIe, USB, DDR, Display-Schnittstellen und serielle Hochgeschwindigkeitslinks benötigen. Tektronix bietet oft ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis und eine starke Stellung in Ausbildung und Forschung, während Keysight – ähnlich wie Rohde & Schwarz – stärker auf Highend-Industrieapplikationen zielt.
Ein drittes relevantes Vergleichsfeld ist der Bereich Wireless- und 5G/6G-Test. Im direkten Vergleich zum Rohde & Schwarz CMX500 5G One-Box-Tester oder dem R&S CMW500 für 4G/5G bietet Keysight mit seinen 5G NR Testbeds und One-Box-Testern sehr ausgereifte Lösungen für Endgeräte-, Infrastruktur- und Conformance-Testing. Während R&S auf eine sehr lange Historie im Mobilfunktest und tiefen Draht zu europäischen Netzbetreibern bauen kann, fokussiert Keysight stärker auf globale Gerätehersteller, Chipdesigner und Open-RAN-Ökosysteme – mit einer starken Präsenz in den USA und Asien.
Strategisch interessant ist auch der Software- und Plattformvergleich: Während Rohde & Schwarz mit R&S Forum, R&S CMWrun und weiteren Tools Automatisierung anbietet und Tektronix eigene Softwarepakete für Signalanalyse und Education bereitstellt, geht Keysight mit PathWave einen Schritt weiter. Ziel ist ein integrierter Workflow von der Schaltungssimulation über EM-Simulation bis zu automatisierten Messkampagnen und Datenanalyse – eingebettet in CI/CD-Pipelines und DevOps-ähnliche Prozesse im Hardware-Design.
Fazit im Konkurrenzvergleich: Rohde & Schwarz ist besonders stark in Europa, öffentlichen Infrastrukturen, Militär und Rundfunk, Tektronix in Education und Labor-Standardinstrumenten sowie bei Oszilloskopen im mittleren Preissegment. Keysight wiederum dominiert viele Highend-Segmente in 5G/6G, Hochgeschwindigkeitsschnittstellen und komplexen Automotive-/Power-Anwendungen. Für Kunden in D-A-CH heißt das: Wer maximale Performance, breite Applikationsabdeckung und umfangreiche Softwareintegration sucht, kommt an Keysight kaum vorbei. Wer hingegen sehr spezifische RF- oder Mobilfunk-Usecases im europäischen Kontext hat, findet in Rohde & Schwarz eine ebenso starke Alternative.
Warum Keysight Technologies die Nase vorn hat
Die Frage, ob Keysight Technologies im Markt die Nase vorn hat, lässt sich nur mit Blick auf seine strategischen Stärken beantworten. Vier Aspekte stechen besonders hervor:
- Tiefe Vertikalisierung in Software und Workflow
Während klassische Messtechnik lange als hardwaregetrieben galt, versteht sich Keysight heute als „Design & Test Company“. Mit Plattformen wie PathWave oder den zahlreichen Applikationspaketen für HF, High-Speed-Digital und Power integriert Keysight Simulation, Verifikation und Test in einen durchgängigen Workflow. Das erleichtert Unternehmen den Aufbau von Design-to-Test-Pipelines, reduziert Übergabefehler und beschleunigt die Markteinführung neuer Produkte. Gerade für Halbleiter- und Automotive-Kunden, die simultan mehrere Technologie-Generationen entwickeln, ist diese Integration von hohem Wert. - Fokus auf Zukunftsmärkte: 5G/6G, E-Mobilität, Cloud
Keysight fokussiert sehr klar auf Wachstumsmärkte wie 5G/6G, Open RAN, Rechenzentren mit 800G/1,6T-Ethernet, E-Mobilität, ADAS/Autonomes Fahren und Wide-Bandgap-Leistungselektronik (SiC, GaN). In all diesen Segmenten steigen die Testanforderungen überproportional: höhere Frequenzen, komplexere Protokolle, immer strengere Normen. Wer diese Komplexität beherrschen will, braucht hochintegrierte Testlösungen – und genau hier setzt Keysight an. - Skalierbarkeit und Modularität
Viele aktuelle Instrumente und Testsysteme von Keysight sind modular aufgebaut: Bandbreiten, Frequenzbereiche, Analyseoptionen und Protokoll-Decoder lassen sich über Lizenzen und Module erweitern. Das ermöglicht Unternehmen, klein zu starten und mit wachsender Komplexität zu skalieren – ein nicht zu unterschätzender Vorteil in Zeiten unsicherer Investitionsbudgets. - Starke globale Kundenbasis und Ökosystem
Keysight arbeitet eng mit Chip-Herstellern, Netzwerkausrüstern, Automobilherstellern, Tier-1-Zulieferern und Cloud-Anbietern zusammen. Viele neue Standards – von 3GPP-Spezifikationen über PCIe-Generationen bis zu Automotive-Ethernet-Profilen – werden gemeinsam mit dieser Kundenbasis entwickelt und parallel in Mess- und Testlösungen überführt. Das verschafft Keysight einen Informationsvorsprung und sichert die Relevanz seiner Produkte über mehrere Technologiezyklen.
Aus Anwendersicht in der D-A-CH-Region berichten viele Unternehmen, dass sich gerade bei komplexen Mutli-Domain-Projekten (HF, Digital, Power kombiniert) der Unterschied zeigt: Die Möglichkeit, mit einem Anbieter Design-Tools, Laborinstrumente, Automations-Software und Support aus einer Hand zu beziehen, reduziert Integrationsrisiken und vereinfacht den Betrieb der Testlandschaft erheblich.
Preislich bewegt sich Keysight im oberen Segment – ähnlich wie Rohde & Schwarz. Gegenüber Tektronix und einigen asiatischen Wettbewerbern bedeutet dies einen Aufpreis. Allerdings relativiert sich dieser aus Business-Perspektive, wenn man die Gesamtkosten über den Produktlebenszyklus betrachtet: Höhere Messgenauigkeit, weniger Fehltests, schnellere Debug-Zyklen und ein durchgängiger Software-Stack können Entwicklungszeiten deutlich verkürzen – und Time-to-Market ist in Märkten wie 5G, Automotive oder Halbleiter häufig die entscheidende Währung.
Bedeutung für Aktie und Unternehmen
Die Keysight Technologies Aktie (ISIN: US49338L1035) spiegelt diese strategische Aufstellung zumindest teilweise wider. Laut aktuellen Kursdaten vom Browser-Check lag die Keysight-Aktie zuletzt bei rund 158,90 US-Dollar (Schlusskurs, Stand: 13. Januar 2026, NYSE; Daten abgeglichen u.a. mit Yahoo Finance und Reuters). Auf Jahressicht zeigt sich ein moderater Aufwärtstrend, wobei die Aktie zwischenzeitlichen Schwankungen durch Zinsumfeld, Investitionszyklen in der Halbleiterindustrie und allgemeine Tech-Bewertungen unterlag.
Wichtig ist: Die Performance der Keysight Technologies Aktie hängt stark von Investitionszyklen in 5G/6G, Rechenzentren, Automotive und Halbleiter ab. In Phasen hoher CAPEX-Budgets – etwa bei Netzbetreibern, Cloud-Hyperscalern oder E-Auto-OEMs – ziehen Umsatz und Profitabilität von Keysight üblicherweise spürbar an. In zyklischen Dellen, etwa bei temporären Investitionsstopps der Chipindustrie, kann sich dies umgekehrt dämpfend auf Auftragseingang und Margen auswirken.
Gleichzeitig hat Keysight in den vergangenen Jahren seine Abhängigkeit von einzelnen Segmenten reduziert und das Portfolio diversifiziert. Software- und Serviceumsätze steigen kontinuierlich und sorgen für planbarere, wiederkehrende Erträge. Das wird von vielen Analysten positiv bewertet, weil es die Volatilität des Geschäftsmodells gegenüber klassischen Hardware-only-Anbietern reduziert.
Für Investoren aus dem D-A-CH-Raum ist besonders relevant, dass ein Großteil der Kundenbasis von Keysight in strukturellen Wachstumsmärkten tätig ist: Elektrifizierung, Digitalisierung der Industrie, Vernetzung von Fahrzeugen und Infrastrukturen, Ausbau der Cloud. In all diesen Feldern ist Messtechnik kein Nice-to-have, sondern ein Muss – und mit zunehmender Komplexität steigen auch die Anforderungen an die Testumgebungen. Genau hier spielt Keysight Technologies seine Stärken als technologischer Taktgeber aus.
Ob die Keysight Technologies Aktie damit ein klassischer Wachstumswert oder eher ein Qualitätswert mit robustem, aber zyklischem Geschäftsmodell ist, hängt vom Betrachtungshorizont ab. Kurzfristig können Investitionszyklen in der Halbleiter- und Telekombranche deutliche Spuren im Kursverlauf hinterlassen. Mittel- bis langfristig allerdings dürfte der Trend zu höheren Frequenzen, dichter integrierten SoCs, Software-definierten Fahrzeugen und immer schnelleren Datenverbindungen die Nachfrage nach genau dem Test- und Messtechnik-Know-how sichern, das Keysight anbietet.
Für Technologieentscheider in Unternehmen und für Investoren gilt daher gleichermaßen: Wer 5G/6G, E-Mobilität, Halbleiter und Cloud-Infrastruktur ernsthaft denkt, kommt an den Lösungen von Keysight Technologies kaum vorbei – und damit auch nicht an der Frage, wie stark dieses unsichtbare Rückgrat der Elektronik-Industrie in den nächsten Jahren wachsen kann.


