KBV-Chef fordert radikale Kürzungen im Gesundheitssystem
12.02.2026 - 13:22:12Die Finanzkrise der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) spitzt sich dramatisch zu. KBV-Vorsitzender Andreas Gassen fordert die Streichung der Homöopathie aus dem Leistungskatalog – gleichzeitig drohen Psychotherapeuten massive Honorarkürzungen.
Homöopathie soll nicht mehr bezahlt werden
Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hat eine klare Ansage gemacht: Die Finanzierung von Homöopathie durch die gesetzlichen Krankenkassen muss enden. In der aktuellen Haushaltsnot sei es nicht mehr vertretbar, Behandlungen ohne wissenschaftliche Evidenz aus der Solidargemeinschaft zu bezahlen.
„Patienten können Globuli weiterhin auf eigene Kosten nutzen, wenn sie daran glauben“, so Gassens Position gegenüber der Rheinischen Post. „Aber die Gemeinschaft der Beitragszahler sollte dafür nicht mehr aufkommen müssen.“
Diese Forderung markiert eine neue Eskalationsstufe. Zwar hatte Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach ähnliche Gedanken geäußert, doch nun kommt der Vorstoß aus der Ärzteschaft selbst – getrieben vom akuten Finanzdruck 2026. Die Beitragssätze sind seit Jahresbeginn für Millionen Versicherte deutlich gestiegen.
Psychotherapie vor zehnprozentiger Honorarkürzung
Während die Homöopathie-Debatte Schlagzeilen macht, droht der Psychotherapie eine konkrete finanzielle Axt. Der GKV-Spitzenverband drängt laut Branchenkreisen auf eine pauschale Absenkung der Vergütung um etwa zehn Prozent.
Grundlage soll ein Gutachten des Bewertungsausschusses sein. Eine formale Entscheidung könnte bereits im März 2026 fallen. Andreas Gassen kritisiert diesen Vorstoß scharf: Er sehe hier den Versuch, „flächige Kürzungen“ durchzusetzen – erst bei Haus- und Fachärzten, nun bei Psychotherapeuten.
Verbände warnen vor verheerenden Folgen. Die ambulante psychotherapeutische Versorgung, bereits jetzt mit langen Wartezeiten und hohem Bedarf kämpfend, könnte durch solche Kürzungen weiter ausgehöhlt werden.
Politisches Minenfeld und die „Giftliste“
Die Debatte findet vor einem explosiven politischen Hintergrund statt. Die Koalition unter Kanzler Friedrich Merz und Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) steht vor einer riesigen Finanzlücke. Viele Kassen haben ihre Zusatzbeiträge auf Rekordniveau angehoben – die Techniker Krankenkasse (TK) liegt bei 2,69 Prozent, die DAK-Gesundheit sogar bei 3,2 Prozent.
Anfang Februar sorgte der CDU-Wirtschaftsrat mit einer als „Giftliste“ kritisierten Vorschlagsliste für Aufruhr. Die darin enthaltene Forderung, zahnärztliche Leistungen aus der GKV zu streichen, wies die Bundesregierung zwar am 2. Februar zurück. Der Sparzwang bleibt jedoch enorm.
Ministerin Warken lehnt eine Privatisierung von Kernleistungen zwar ab, steht aber unter Druck aus den eigenen Reihen, „versicherungsfremde Leistungen“ zu reduzieren. Die Homöopathie bietet sich hier symbolisch an: Die direkten Einsparungen sind mit schätzungsweise 10 bis 50 Millionen Euro jährlich vergleichsweise gering. Das Signal wäre jedoch deutlich: Die Ära der Finanzierung nicht-evidenzbasierter Therapien wäre beendet.
Geteilte Reaktionen und was jetzt kommt
Die Reaktionen auf die Vorschläge fallen erwartungsgemäß gespalten aus. Befürworter der evidenzbasierten Medizin begrüßen Gassens klare Haltung. In einem Jahr mit stark steigenden Beiträgen sei die Ausgabe öffentlicher Gelder für Homöopathie nicht zu rechtfertigen.
Vertreter der Pharmaindustrie und Verbände der Integrativen Medizin warnen dagegen vor einer Einschränkung der Therapiefreiheit. Alternative Methoden seien eine kostengünstige Option, die viele Patienten schätzten. Ein Wegfall könnte Patienten in teurere konventionelle Behandlungen treiben.
Für die rund 73 Millionen GKV-Versicherten werden die kommenden Wochen entscheidend sein. Sollte der Bewertungsausschuss die Psychotherapie-Kürzungen im März beschließen und der Gesetzgeber die Homöopathie ausschließen, könnte 2026 ein Wendepunkt werden. Erstmals seit Jahrzehnten würde der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung fundamental verschmälert.
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Der Bewertungsausschuss wird voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März tagen. Die Homöopathie-Frage wird hingegen wohl den Bundestag beschäftigen. Gesundheitsökonomen prognostizieren: Ohne diese oder ähnliche Kürzungen könnten die Beitragssätze bis 2027 weiter steigen – eine zusätzliche Belastung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
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