Insektenprotein erobert die Grüne Woche
25.01.2026 - 07:40:12Insekten stehen auf der Grünen Woche nicht mehr nur als Mutprobe auf dem Speiseplan. Zum 100. Jubiläum der Berliner Messe präsentieren Start-ups und Unternehmen Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken als ernstzunehmende Lebensmittelzukunft. Die Produkte sollen aus der Nische in den Mainstream.
Vom Nischen-Snack zum zugelassenen Lebensmittel
Die wachsende Präsenz hat klare rechtliche Gründe. Die EU schuf mit der „Novel Food“-Verordnung einen verlässlichen Zulassungsprozess. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gab nach strengen Prüfungen grünes Licht für mehrere Arten:
* Larven des Mehlkäfers (Tenebrio molitor)
* Wanderheuschrecke (Locusta migratoria)
* Hausgrille (Acheta domesticus)
* Larven des Getreideschimmelkäfers (Buffalowurm)
Anfang 2025 wurde der Rahmen erweitert, um auch UV-behandeltes Mehlwurmpulver mit erhöhtem Vitamin-D-Gehalt zuzulassen. Hersteller können die Insekten nun gefroren, getrocknet oder als Pulver in Nudeln, Proteinriegeln oder Backwaren verarbeiten.
Innovationen gegen den Ekel-Faktor
Die integrierten “Startup-Days” der Messe zeigen die kreative Food-Szene. Die vorgestellten Konzepte reichen von proteinreicher Pasta mit Grillenmehl über Burger-Patties aus Buffalowürmern bis zu gewürzten Heuschrecken als Snack. Der Trend: Insektenmehl wird als unsichtbare, nährstoffreiche Zutat in Alltagsprodukten verwendet. Dieser Ansatz soll Vorbehalte bei Konsumenten abbauen. Neben reinen Insekten-Startups zeigt die Branche mit Unternehmen wie MicroHarvest, das Proteine aus Mikroorganismen gewinnt, wie vielfältig die Suche nach nachhaltigen Eiweißquellen ist.
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Die überzeugende Ökobilanz der Krabbeltiere
Das schlagkräftigste Argument für Insekten ist ihre Nachhaltigkeit. Im Vergleich zur traditionellen Viehzucht schneiden sie deutlich besser ab:
* Sie benötigen nur einen Bruchteil an Land, Wasser und Futter.
* Der Ausstoß von Treibhausgasen wie Methan ist erheblich geringer.
* Sie können auf organischen Nebenprodukten der Landwirtschaft gezüchtet werden und fördern so die Kreislaufwirtschaft.
Kritiker merken jedoch an: Viele aktuelle Produkte sind als Snacks positioniert und konkurrieren nicht direkt mit Fleisch. Ihr Einfluss auf die globale Ökobilanz bleibt daher bisher begrenzt.
Die größte Hürde: die kulturelle Barriere
Trotz aller Vorteile bleibt der „Ekel-Faktor“ die größte Hürde für den Durchbruch im Westen. Studien sehen den Mangel an Informationen als wesentliche Barriere. Messen wie die Grüne Woche werden daher zur entscheidenden Plattform der Aufklärung. Besucher können probieren und mit Herstellern sprechen. Experten sind sich einig: Die Verarbeitung zu Pulver und die Integration in bekannte Lebensmittel ist der Schlüssel zur Akzeptanz. Die Neugier wächst – und mit der Präsenz im Einzelhandel könnte sich der Gedanke an Insekten auf dem Teller normalisieren.


