Indiens Masterplan: KI-Infrastruktur als öffentliches Gut
22.01.2026 - 01:02:12Indien will seine KI-Revolution mit einem einzigartigen, staatlich geförderten Modell für alle zugänglich machen. Ein strategisches Weißbuch skizziert den Weg, Rechenleistung und Daten als gemeinsame Ressourcen zu behandeln – ein direkter Gegenentwurf zum oligopolistischen Modell westlicher Tech-Giganten.
Demokratisierung als Kernstrategie gegen Tech-Oligopole
Die indische Regierung setzt auf ein radikales Konzept: Sie will die Grundlagen für Künstliche Intelligenz – Rechenpower, Datensätze und Modelle – als Digital Public Goods (DPGs) etablieren. Dahinter steht die klare Absicht, die Machtkonzentration bei einigen globalen Konzernen zu durchbrechen. „Demokratising Access to AI Infrastructure“ lautet der Titel des Ende Dezember 2025 veröffentlichten Dokuments. Es baut auf dem Erfolg der indischen Digital Public Infrastructure (DPI) auf, zu der die Bürger-ID Aadhaar und das Bezahlsystem UPI gehören.
Ein gewaltiges Problem treibt die Pläne voran: Indien erzeugt fast 20 Prozent der globalen Daten, verfügt aber nur über rund drei Prozent der weltweiten Rechenzentrenskapazität. Diese Lücke soll bis 2030 mit einem gewaltigen Ausbau geschlossen werden – von derzeit etwa 960 Megawatt auf geplante 9,2 Gigawatt. Die zentrale Frage: Wie kann dieser Ausbau so gesteuert werden, dass nicht wieder nur einige wenige profitieren?
Viele Unternehmen unterschätzen heute den rechtlichen Aufwand rund um KI‑Systeme. Während Indien seine Recheninfrastruktur massiv ausbaut und souveräne Modelle fördert, gelten in Europa bereits verbindliche Regeln zur Kennzeichnung, Risikoklassifizierung und Dokumentation. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung erklärt kompakt, welche Pflichten Entwickler, Anbieter und Betreiber jetzt beachten müssen – inklusive Checklisten und Übergangsfristen. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen
Die IndiaAI Mission: GPUs, Daten und eigene Modelle
Aus der Strategie wird nun konkretes Handeln. Die umfassende IndiaAI Mission ist das Flaggschiffprogramm zur Umsetzung. Ein Kernstück: der Aufbau einer nationalen KI-Recheninfrastruktur. Bis zu 38.000 Grafikkarten (GPUs) sollen zu subventionierten Konditionen für Start-ups und Forscher bereitgestellt werden. Das Ziel ist klar: Die hohen Einstiegshürden für KI-Entwicklung drastisch zu senken.
Parallel entsteht mit Plattformen wie ‚AI Kosh‘ eine zentrale Daten- und Modellbibliothek. Sie bietet bereits Zugang zu über 6.250 kuratierten, indischen Datensätzen und Hunderten von KI-Modellen. Zudem fördert die Regierung zwölf Start-ups und Organisationen bei der Entwicklung souveräner Grundlagenmodelle (LLMs/SLMs), die speziell mit indischen Daten trainiert werden.
150 Milliarden Dollar Investitionen und ein gewaltiges Wachstumsversprechen
Die finanziellen Dimensionen des Vorhabens sind enorm. IT-Minister Ashwini Vaishnaw kündigte diese Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos an, dass Indien bis Ende 2026 bis zu 150 Milliarden US-Dollar an Investitionen in KI-Infrastruktur anziehen könnte. Davon seien bereits Zusagen über 70 Milliarden Dollar eingegangen.
Die wirtschaftlichen Erwartungen sind entsprechend hoch. Studien prognostizieren, dass die KI-Adaption der indischen Wirtschaft bis 2035 einen Mehrwert von 1,7 Billionen Dollar bringen könnte. Erste Anwendungen der Mission gibt es bereits, etwa KI-gestütztes Tuberkulose-Screening oder KI-Agenten für behördliche Beschwerdesysteme.
Der Preis des Booms: Fläche, Energie und Nachhaltigkeit
Der ambitionierte Weg ist jedoch mit erheblichen Herausforderungen gepflastert. Der geplante Ausbau der Rechenzentren benötigt bis 2030 schätzungsweise 45 bis 50 Millionen Quadratfuß zusätzliche Immobilienfläche. Noch kritischer ist der Energiebedarf: Der Anteil der Rechenzentren am nationalen Stromverbrauch könnte von aktuell 0,5 Prozent auf fast drei Prozent bis 2030 steigen.
Das Weißbuch adressiert diese Nachhaltigkeitsfrage und fordert die Integration erneuerbarer Energien und effizienter Systeme. Die Diskussion über diese Spagat zwischen Wachstum und Verantwortung wird ein zentrales Thema auf dem kommenden India-AI Impact Summit (16.-20. Februar in Neu-Delhi) sein.
Indiens langfristige Vision ist eindeutig: ein inklusives, nachhaltiges KI-Ökosystem aufzubauen, das nicht nur Wirtschaftswachstum antreibt, sondern auch das nationale Ziel unterstützt, bis 2047 ein entwickeltes Land zu werden. Ob das Modell des „KI-Infrastruktur-Kommunismus“ im globalen Wettbewerb bestehen kann, wird sich in der praktischen Umsetzung zeigen.
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